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Jugendfußball

25.03.2015

Integration inklusive

Die D4-Jugend der JFG Wertachtal ist eine echte multi-kulturelle Mannschaft.

Sie ist zweifellos keine ganz „normale“ Fußballmannschaft, die D4 der JFG Wertachtal. Das fängt schon damit an, dass es sie ursprünglich gar nicht geben sollte. Als aber zum Saisonbeginn im vergangenen Sommer die beiden Trainer der D3-Jugend, Christian Lang vom FC Bad Wörishofen und Norbert Schöffel vom SV Salamander Türkheim ihre Schäfchen zählten, kamen sie auf 32 Spieler. Für eine Mannschaft, bei der nur neun Spieler auf dem Feld stehen dürfen, war das schlicht zu viel. Trainer für eine weitere JFG-Mannschaft, noch dazu für eine vierte Mannschaft zu finden, da hielt sich das Interesse sehr in Grenzen. Christian Lang und Norbert Schöffel überlegten dennoch nicht lange und erklärten sich bereit, auch noch mit einer D4-Mannschaft am offiziellen Spielbetrieb teilzunehmen.

Dazu gesellte sich aber noch eine weitere Herausforderung. Die Mannschaft stellte sich als echt Multi-Kulti-Truppe heraus: Inzwischen spielen hier acht Nationalitäten mit Wurzeln in Griechenland, Türkei, Russland, Kasachstan, Ghana, Dominikanische Republik, Kosovo-Albanien, einem Flüchtlingsjungen aus Afghanistan mit deutschen Spielern zusammen. Auch Mädchen gehören übrigens dazu und die schulische Bandbreite reicht vom Mittelschüler bis zum Gymnasiasten. Das Schönste jedoch daran, das Zusammenleben klappt ohne jegliche Probleme, wie alle Beteiligten betonen. Trainer Christian Lang sagt es so: „Auf dem Sportplatz gibt es keine Unterschiede bezüglich Nationalität oder Religion. Die meisten sprechen schon ordentlich deutsch und sonst hilft man sich eben mit Händen und Füßen.“

Mehr Schwierigkeiten sieht Christian Lang eher von außen an die Mannschaft herangetragen. „Zu oft werden wir als Gurkentruppe angesehen, obwohl wir in der Spielgruppe nicht einmal Letzter sind. Auch zu Turnieren wird eine D4 kaum eingeladen und auch beim Sponsoring zum Beispiel für einen Satz Trikot, den wir dringend bräuchten, kommen 1. Mannschaften natürlich besser weg. Ein bisschen mehr Toleranz würde ich mir manchmal auch wünschen.“ Dabei ist Lang mit der Unterstützung durch die JFG zufrieden. Seinen Trainerkollegen Norbert Schöffel fasziniert es, wie sehr Sport hier verbindet und wie die Kinder echte Integration leben. „Sie kommen alle bestens miteinander aus, was man jetzt gerade wieder bei Ali aus Afghanistan sieht, der gerade vier Wochen dabei ist und super aufgenommen wurde. Als Trainer muss man natürlich individuell auf die Kinder eingehen und auch viel Geduld mitbringen. Aber etwas sportlichen Ehrgeiz haben wir natürlich auch. Die D3 steht immerhin auf dem fünften Platz in ihrer Gruppe“, so der Trainer, der als Bauleiter sein Geld verdient, während Lang als Konditormeister auch nicht direkt Fußball gelernt hat.

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Wohl fühlen sich auf alle Fälle die Kinder. Alicia ist ein Mädchen mit afrikanischem Hintergrund und sagt es so: „Das Zusammenspiel mit den anderen ist gut und keiner findet es schlimm, wenn einer von woanders herkommt.“ Zisis und sein Bruder Kosta sind griechischer Herkunft. Die Eltern sind seit elf Jahren in Deutschland. Er meint: „Wir kommen alle gut miteinander aus. Ich finde es gut, dass es die D4 gibt, damit ich überhaupt spielen darf.“

Er und sein etwas entwicklungsverzögerter Bruder werden als Erziehungsbeistand von Sophia Horber vom Kreisjugendamt mitbetreut. Sie macht der JFG und vor allem den Trainern große Komplimente: „Seit die beiden im Klub sind, haben sie enorme Fortschritte in der persönlichen Entwicklung und auch in den schulischen Leistungen gemacht. Hier wird echte Integration und Inklusion gelebt und ich kann den beiden Trainern nur höchste Anerkennung aussprechen.“

Ayata wiederum kommt ursprünglich aus der Türkei und wohnt in Rammingen. Über seinen Cousin kam er im November zur JFG Wertachtal und fühlt sich hier ebenfalls sehr wohl. „Ich bleibe noch ein Jahr in der D-Jugend und möchte nächstes Jahr in die D3 aufsteigen.“ Auch sein Vater Yalcin schaut beim Training zu und zeigt sich dankbar für die Arbeit, die die Trainer hier leisten. Bei Ali aus Afghanistan fällt die Antwort auf die Frage, wie es ihm in der Mannschaft gefällt, noch recht kurz aus: „Alles gut“, kann er schon auf deutsch sagen. Das sagt er eigentlich fast immer, wenn er auf dem Platz steht und Fußball spielt.

Christian Lang sieht aber auch die Rolle der Eltern in dieser Multi-Kulti-Gesellschaft. „Auch sie tragen zu einem insgesamt positiven Feedback bei und es entstehen Freundschaften. Nicht nur unter den Kindern, sondern auch bei Eltern und Großeltern. Ich selbst sehe das als großen Beitrag zur Integration im Geiste der Völkerverständigung.“

Dass man für eine solche Aufgabe eine gehörige Portion Idealismus mitbringen muss, dafür stehen Christian Lang und Norbert Schöffel wohl beispielhaft.

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