Jugendfußball

03.05.2013

Kein Pfeifen im Felde

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Mindestabstand 15 Meter? Nicht immer halten sich die Eltern dran.

Seit einigen Wochen gibt es die Fair-Play-Liga bei den F-Junioren. Die Nachwuchskicker spielen ohne Schiedsrichter, die Zuschauer sollen einen Mindestabstand einhalten. Ob das funktioniert? Ein Sportplatzbesuch

Ettringen In der 37. Minute bleibt der Pfiff aus. Dabei hatte der Abwehrspieler des FSV Amberg den Ball im eigenen Strafraum klar mit dem Arm geblockt. Doch wo kein Schiedsrichter, da auch kein Pfiff. Und da auch kein Ettringer Spieler reklamiert, läuft die Partie weiter.

Es ist das F-Junioren-Derby zwischen dem TSV Ettringen und der Spielgemeinschaft Amberg/Wiedergeltingen. Ihre Spielklasse, die Gruppe 3, wurde vor wenigen Wochen von den Unterallgäuer Spielgruppenleitern auserkoren, das Projekt „Fair-Play-Liga“ umzusetzen. Die Begeisterung bei den Trainern und Verantwortlichen der betroffenen Vereine war anfangs, gelinde gesagt, ausbaufähig. Auch bei Markus Maier, dem Trainer des TSV Ettringen, und seinem Wiedergeltinger Kollegen Arne Bohr. „Wir wurden am Anfang ja richtig überrollt von diesen neuen Regelungen. Kein Wunder, dass da zunächst mal Ablehnung war“, so Maier. Vor allem zwei Neuerungen sind es, die eine Fair-Play-Liga ausmachen: der fehlende Schiedsrichter und der Mindestabstand, den die Zuschauer zum Spielfeld einhalten sollen. 15 Meter soll der betragen – und nicht nur in Ettringen wird er nicht eingehalten. „Manchmal geht das räumlich gar nicht“, sagt Arne Bohr. Doch auch so sehen er und Maier diese Vorgabe als zu streng an. „Wir haben keine fanatischen Eltern, die man fernhalten muss“, sagt Maier.

Und doch muss er während des Spiels einen türkischen Vater zur Disziplin aufrufen. Nicht nur, dass dieser schon mit einem Bein im Spielfeld steht, er versucht auch seinen Sohn Mustafa lautstark zu dirigieren. „Das macht der Trainer, da brauchen wir die Väter nicht!“, ruft er von der anderen Spielfeldseite herüber. Von den Gästefans gibt es dafür Applaus.

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Sie haben bis dato einen schönen, sonnigen Spätnachmittag erlebt. „Ihre“ Jungs führen nämlich knapp mit 1:0, Torschütze war Leon Schneider in der 18. Minute. Und das Spiel läuft auch ohne Schiedsrichter – sieht man einmal von zahlreichen falschen Einwürfen auf beiden Seiten ab – völlig regelkonform ab. Geht einem Team der Ball ins Aus, nimmt ihn ein Spieler der anderen Mannschaft und wirft ein. Nur einmal überhören die Spieler im Eifer des Gefechts einen zaghaften Protest eines Ettringers: „Der Martin hat ’Aus’ gesagt“, ruft Maier seinem Trainerkollegen zu, „aber deswegen werden wir uns jetzt nicht in die Haare bekommen.“ Bohr lacht nur und nickt.

Die beiden haben sich vor dem Spiel darauf geeinigt, die Fair-Play-Variante durchzuziehen. Denn nach den Protesten einzelner Vereine gegen die „von oben“ beschlossene Regeländerung haben die Spielleiter es den Trainern selbst überlassen, ob sie mit oder ohne Schiedsrichter spielen lassen wollen. „Die Idee ist ja gut. Aber man sollte sie auch weiterdenken“, sagt Maier. Ihm schwebt ein Modell vor, dass es bereits in Holland gibt: eine F-Jugend-Liga, in der auf Punkte und Tabellen verzichtet wird. „Man muss darüber nachdenken, die F-Jugend als reinen Schulungsjahrgang anzusehen. Wir müssten weg vom Ergebnisdenken“, so Maier. Doch die Kinder wollen ja gewinnen, ob mit oder ohne Schiedsrichter. „Wenn Du nämlich nur einen cleveren Spieler hast, der strittige Entscheidungen für sich reklamiert, den Ball schnappt und schnell weiterspielt, dann schauen die anderen schnell in die Röhre“, sagt Bohr. Da liegt es dann an den Trainern, die Nachwuchskicker in Sachen Fair-Play aufzuklären.

Zurück zum Spiel: In der zweiten Halbzeit agiert Ettringen zielstrebiger und die Gäste können sich bei Torhüter Paul Lederle bedanken, dass es noch nicht im Tor geklingelt hat. Erst in 38. Minute fällt der längst verdiente Ausgleich durch Leon Minrath. Direkt im Anschluss an die eingangs erwähnte Handspielszene. Entsprechend ausgelassen ist der Jubel bei den Ettringern. Am Ende bleibt es beim gerechten 1:1 – und für alle Spieler gibt es als Belohnung ein Stückchen Schokolade. Trotz Derby war es für sie ein Spiel wie jedes andere. „Es macht eigentlich nichts aus, dass es keinen Schiedsrichter mehr gibt“, sagt Jakob Bäsler von der SG Amberg/Wiedergeltingen. Und Sebastian Duscher vom TSV Ettringen ergänzt: „Wir haben letztes Mal ohne Schiri sogar gewonnen.“ Strittige Szenen habe es heute eh keine gegeben.

Das Handspiel aus der 37. Minute haben die Spieler offenbar gar nicht als solches wahrgenommen. Und die beiden Trainer? Arne Bohr sagt: „Wir hätten in dieser Szene auch weiterlaufen lassen. Das war ein Reflex und der ist bei Kindern normal.“

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