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Eishockey

19.05.2019

Mindelheimer drückt Ex-Kollegen die Daumen

Patrick Reimer (hier bei einer Interview-Veranstaltung in Memmingen 2018), trat vor einem Jahr aus der Nationalmannschaft zurück. Seinen Ex-Kollegen drückt er bei der WM natürlich die Daumen.
Bild: Ralf Lienert

Der Mindelheimer Patrick Reimer ist nach dem Olympia-Silber 2018 aus der Nationalmannschaft zurückgetreten. Jetzt verfolgt er die WM vom Sofa aus.

Bis Februar 2018 war Patrick Reimer fester Bestandteil der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft. Nach dem sensationellen Erfolg, dem Gewinn der olympischen Silbermedaille in Pyeongchang, hängte er seine DEB-Karriere an den Nagel und geht seitdem nur noch für seinen Verein, die Nürnberg Ice Tigers, in der DEL auf Torejagd. Eine Entscheidung, die er auch nach den jüngsten Jubelbildern aus der deutschen Kabine nach dem 3:2-Erfolg gegen WM-Gastgeber Slowakei nicht bereut (Lesen Sie hier: Deutschland siegt in letzter Minute gegen Slowakei ).

„Mein Rücktritt kam zum richtigen Moment. Für mich war die Zeit einfach gekommen“, sagt der mittlerweile 36 Jahre alte Torjäger, der in der zurückliegenden DEL-Saison immer noch für 22 Treffer und 19 Torvorlagen in 60 Partien gut war. Natürlich aber vermisse er das Gefühl in der Kabine, insbesondere jetzt, wo die Mannschaft so erfolgreich sei.

Siege gegen die "Kleinen" sind wichtig

Dass man bei der Weltmeisterschaft mit vier Siegen gestartet war, hält der Mindelheimer, dessen Laufbahn einst beim ESV Kaufbeuren begann, keineswegs für selbstverständlich. „Es ist schwer, gegen vermeintlich leichtere Gegner konstant drei Punkte zu holen“, sagt er. „Umso schöner ist es, dass es jedes Mal geklappt hat, denn jeder Punkt zählt“, meint Reimer mit Blick auf die schweren Brocken, die danach in der Gruppenphase anstehen (Lesen Sie hier: Nach Viertelfinal-Quali: Böses WM-Debakel gegen Kanada ).

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Der Erfolg freue ihn auch für den neuen Bundestrainer Toni Söderholm, der – für manche überraschend – vom SC Riessersee kommend, in die „großen Fußstapfen“ von Marco Sturm trat. „Ich habe nur Gutes über ihn gehört“, sagt Reimer. „Er ist für das deutsche Eishockey wichtig, hat gute Ideen und hält die Jungs zusammen“, ergänzt der Stürmer. Die im Vorfeld vereinzelt geäußerte Kritik bezüglich einiger Personalentscheidungen (insbesondere im Tor, wo DEL-Meister Dennis Endras zu Hause bleiben musste) teilt Reimer nicht.

Torhüter-Situation ist ein Luxus-Problem

Er nennt die Torhüter-Situation ein „Luxus-Problem“. Matthias Niederberger zeige „super Leistungen“, und auch Niklas Treutle habe bislang ohne Fehler gespielt. Die NHL-Cracks Thomas Greiss aus Füssen und der Rosenheimer Philipp Grubauer würden sowieso auf einer eigenen Stufe stehen. Während Greiss verletzungsbedingt gar nicht erst anreiste, musste Grubauer bei seiner WM-Premiere angeschlagen raus.

Reimer pflegt nach wie vor den Kontakt zur Mannschaft. Mit einigen Spieler habe er sogar regelmäßigen Austausch. „Sie freuen sich immer, was vom alten Herren zu hören“, sagt Reimer schmunzelnd. Noch kein alter Herr, aber abgebrüht wie ein solcher präsentiert sich bei der WM Markus Eisenschmid (25). Der Kaufbeurer erzielte am Mittwoch das Tor zum 2:2 gegen die Slowakei. „Er hat wirklich eine super Leistung gebracht“, lobt Reimer. Die Qualitäten des Stürmers von Meister Mannheim habe Reimer schon in den Play-offs in der Serie seiner Ice Tigers gegen Eisenschmids Adler „zu spüren bekommen“, wie er sagt. „Eisenschmid steht für das neue deutsche Eishockey“, erklärt der Routinier.

Angst ist ein schlechter Begleiter auf dem Eis

Dafür stehe auch Moritz Seider, der gegen die Slowaken nach einem Check von hinten mit dem Kopf in das Plexiglas krachte und benommen vom Eis geschoben werden musste. Die Schiedsrichter gaben keine Fünf-Minuten-Strafe. Reimer sieht die Bewertung der Checks von hinten mit gemischten Gefühlen. „Das ist immer schwer. Der Schiedsrichter sieht eine Situation nur einmal, wir vor dem Fernseher haben fünf oder zehn Zeitlupen. Klar ist: Moritz hat in der Situation sicherlich nicht mehr mit dem Check gerechnet. Dieser war auch unnötig und es wäre gut, wenn die Spieler davor geschützt würden“, sagt Reimer, der zu bedenken gab, dass Patrick Hager im Spiel auf ähnliche Weise angegangen wurde – nur nicht in die Bande fiel.

Als Spieler würden ihn solche Bilder zwar nicht vorsichtiger werden lassen. Angst sei schließlich ein schlechter Begleiter. „Aber ich wünsche mir eine gewisse Vernunft bei meinen Gegenspielern, eine Verletzung nicht zu riskieren. Dieser Check geschah bestimmt nicht aus bösem Willen.“ Aber manchmal, meint Reimer, sei Zurückstecken vielleicht doch die bessere Wahl.

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