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Radsport

24.09.2016

Rasante Abschiedstour in Mindelheim

Benjamin Herden (links) wird am Sonntag wohl zum vorerst letzten Mal im Trikot des Velo Club Mindelheim beim Altstadtkriterium starten.
Bild: Michael Lindemann

Zum 26. Mal richtet der VC Mindelheim das Altstadtkriterium aus. Dabei werden zwei Fahrer womöglich zum letzten Mal im gelben Vereinstrikot ihre Runden drehen.

Streng hatte es der „Sepp“ in dieser Woche wieder. Im Landratsamt wurde er vorstellig, bei Sponsoren, der Polizei und der Zeitung: Josef „Sepp“ Hämmerle, 79, organisierte nämlich wieder „sein“ Rennen, das Mindelheimer Altstadtkriterium. Seit 26 Jahren gibt es dieses Rennen nun schon, seit 26 Jahren wird es federführend vom Abteilungsleiter der Rennsportabteilung organisiert.

Welche Straßen ab wann für den Verkehr gesperrt sind, wo sich Ordner positionieren, wann welche Klassen starten und welche Siegerehrungen stattfinden – alles Dinge, um die sich der „Sepp“, wie sie ihn alle im Verein nennen, kümmert. Würde es ihm keinen Spaß machen, hätte er diesen Posten schon längst abgegeben. Doch „Sepp“ Hämmerle ist ein Radsportfan – und ein Macher. Als es vor über einem Vierteljahrhundert praktisch über Nacht Abteilungsleiter der Rennsportabteilung wurde, setzte er seine Idee von einem Radkriterium durch Mindelheim um. Seither ist das Rennen jedes Jahr im Herbst ein fester Bestandteil im Rennkalender.

Mindelheim hätte heuer Abschluss einer Rennserie sein können

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Heuer hätte es sogar die Abschlussveranstaltung der Allgäuer Rennserie um den Heiss-Cup sein können. „Man hat mich gefragt, ob wir uns das vorstellen können. Ich habe zugesagt“, so Hämmerle. Doch dann kam es doch anders – und das hatte einen Grund: Um eine Chancengleichheit im Hauptrennen beim Altstadtkriterium herzustellen, hatte Hämmerle bei der Ausschreibung nur sechs Fahrer pro Team zugelassen, was sich mit dem Reglement der Rennserie nicht ganz vertrug. Dort darf jedes Team so viele Fahrer melden, wie es mag.

Eine Ausnahme im letzten Rennen war dementsprechend ausgeschlossen, die Abschlussveranstaltung fand kürzlich in Günzach statt. Was Hämmerle aber nicht anficht: „Ich sehe diese Übermacht einzelner Teams nicht mehr ein. Da sagen doch viele Rennfahrer: ’Wozu soll ich ein Startgeld bezahlen, wenn ich eh überrundet werde?’“, sagt er.

Die Teilnehmerzahlen gehen Jahr für Jahr zurück

Offenbar stellen sich seit einigen Jahren viele Fahrer diese Frage, denn die Teilnehmerzahlen gehen immer weiter zurück. Aktuell hat Hämmerle auf seiner Startliste für das Hauptrennen 42 Fahrer. „Früher kamen locker doppelt so viele“, sagt er. Im Nachwuchsbereich ist es gar noch schlimmer: Für das U13-Schülerrennen haben bislang gerade einmal zwei Fahrerinnen gemeldet. Sie gehen dann am Sonntag zusammen mit den aktuell gemeldeten sieben U15-Schülern ins Rennen.

Und als ob diese Umstände nicht schon schwierig genug sind, gibt es auch im eigenen Verein Turbulenzen. Denn mit Benjamin Herden (A-Klasse) und Michael Thumann (B-Klasse) werden zwei Top-Fahrer den VC Mindelheim im Winter verlassen und sich dem Veloclub Ratisbona Regensburg anschließen. „In den vergangenen Jahren haben immer schon Teams angefragt. Jetzt haben wir gesagt, wir wollen uns einer neuen Herausforderung stellen“, sagt Benjamin Herden. Diese Entscheidung habe Josef Hämmerle „schon enttäuscht“, wie er zugibt. Vor allem den Wechselgrund der beiden könne er nicht ganz nachvollziehen: „Sie sagten, sie wollen mehr Straßenrennen fahren. Aber die gibt’s meist nur bis Mai, danach kommen nur noch Kriterien.“ Die Ausnahme seien Bundesligarennen. „Aber da hat bisher keiner von beiden Land gesehen“, so Hämmerle.

Thumann und Herden sind nicht topfit

Für Herden und Thumann ist das 26. Altstadtkriterium also gleichzeitig das Abschiedsrennen vom Velo Club Mindelheim. Dafür beißen sie die Zähne zusammen: Herden sieht seine aktuelle Form nicht so gut. „Ich habe noch Nachwirkungen einer Krankheit“, sagt er. Und Thumann? Der hatte erneut Pech und war unmittelbar vor dem Heimrennen in einen Unfall verwickelt. Bereits vor zwei Jahren musste er passen, als er wenige Wochen zuvor bei einem Rennen in Dingolfing von einem Auto erfasst und verletzt wurde. Heuer war es eine Trainingsfahrt, die dem 26-jährigen Türkheimer zum Verhängnis wurde. Vergangene Woche wurde er im Kreisverkehr bei Ettringen von einem Auto vom Rad geholt. Prellungen und Schürfwunden habe er davongetragen, sagt sein Teamkollege Benjamin Herden: „Aber beim Heimrennen ist er dabei.“

Auch die Special Olympics sind im Programm

Insgesamt gehen also sieben Fahrer im gelben Trikot des VC Mindelheim bei zwei von fünf Rennen an den Start. Es stellt sich unweigerlich die Frage, wann auch für Hämmerle eine Schmerzgrenze erreicht ist, solch eine Veranstaltung zu organisieren. „Es wird weitergehen“, sagt er. Auch zuliebe der Special Olympics, der Rennfahrer mit geistiger Behinderung. Sie sind seit 2009 fester Bestandteil des Altstadtkriteriums. Mit dabei im Trikot des VC Mindelheim sind acht Fahrer der Unterallgäuer Werkstätten, darunter die Medaillengewinner der Internationalen Sommerspiele, Matthias Dangl und Anton Schuster.

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