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Fußball

18.07.2020

Revolution bei den Junioren: BFV führt Meldeligen ein

Gleiche Jugendklasse – ungleiche Voraussetzungen: Unser Bild zeigt die Kapitäne der U15-Westbayernauswahl und der U14 des FC Augsburg beim Freundschaftsspiel 2019 in Mindelheim. Beide Teams gelten als C-Junioren. Bei welcher Mannschaft die (körperlichen) Vorteile liegen, ist jedoch klar erkennbar.
Bild: Axel Schmidt

Plus Eine Reform des BFV stellt die Jugend-Ligen auf den Kopf. Künftig werden Auf- und Abstieg nicht mehr durch den Tabellenplatz im Vorjahr bestimmt.

Der Jugend-Fußball in Bayern steht vor einer kleinen Revolution. Die „Arbeitsgruppe Jugend“ des Bayerischen Fußball-Verbands (BFV) hat ein Konzept für sogenannte „Meldeligen“ erarbeitet. Die Idee: Dadurch sollen Jugendmannschaften in Zukunft möglichst nur noch gegen etwa gleichstarke Gegner spielen. Thilo Kreier ist Jugendleiter beim TSV Blaichach und war als Mitglied der Arbeitsgruppe beim BFV maßgeblich an den Entwürfen der Idee beteiligt. Im Interview berichtet der 45-Jährige von den Umstellungen, die den Junioren-Fußball auf den Kopf stellen sollen.

Herr Kreier, was sind Meldeligen genau, wie sieht das Konzept aus?

Im bayerischen Jugendfußball bestimmen in der kommenden Saison die Trainer und Jugendleiter der Mannschaften auf Kreisebene selbst, in welcher Liga ihr Team spielen soll. Der Auf- und der Abstieg wird also nicht durch die Tabellenplatzierung der Vorsaison bestimmt, sondern durch die Einschätzung der Verantwortlichen in den Clubs. Das ist eine Revolution, für mich wie eine Demokratisierung des Jugendfußballs. Um falsche Einschätzungen der Mannschaften zu „entschärfen“, wird es allerdings trotzdem einen Auf- und Abstieg geben. Dieser findet nicht wie gewöhnlich im Sommer statt, sondern zur Winterpause. Dafür gibt es zwei Konzepte.


Wie sehen diese aus?

Bei der einen Variante soll der Auf- und Abstieg in die nächsthöhere Spielklasse normal nach einem vorher festgelegten Schlüssel gehandhabt werden. Beim zweiten Konzept steigen in der Kreisliga die letztplatzierten Teams direkt in die Kreisgruppe ab. Teams aus dem Mittelfeld der Liga steigen „nur“ in die Kreisklasse ab. Die übrigen Mannschaften der in der Rückrunde idealerweise eingleisigen Kreisliga spielen gegen die Bestplatzierten aus anderen Kreisligen. Der Gewinner der Liga erhält den Platz in der Bezirksoberliga, die nicht von der Reform betroffen ist. In beiden Fällen starten die Mannschaften zur Rückrunde bei Null, Punkte werden zur Winterpause quasi zurückgesetzt.

Welcher Vorteil ergibt sich aus der Idee für die Kinder?

Wir können Kinder und Jugendliche leistungsgerechter einsetzen und coachen. Bisher „erben“ die Teams die Spielklasse, die sich eine teils völlig andere Mannschaft erspielt hat – die Jungs aus dem Verein, die ein Jahr älter sind. Beispiel: Ein Team, das einen schwächeren Jahrgang vor sich hat, fängt grundsätzlich in seiner Altersstufe erst in der Kreisgruppe an, obwohl die Spielstärke vieler Spieler vielleicht auf Kreisliganiveau läge. Die Folge daraus: Die stärkeren Spieler starker kleiner Teams fühlen sich unterfordert und folgen den Angeboten der höherklassigen Großvereine.

Was hat den Ausschlag gegeben, dieses Konzept überhaupt zu diskutieren?

Nachdem die Saison aufgrund der Corona-Krise unterbrochen wurde, war im Bereich des Jugendfußballs schnell klar, dass ein Saisonabbruch wegen der Altersklassenwechsel die beste Option ist. Offen war, wie der Auf- und Abstieg in den Ligen fair und nachvollziehbar geregelt wird, ohne mit der angewandten Quotientenregel für große Härten bei einzelnen Vereinen zu sorgen. Das ist nun gewährleistet.

Für welche Ligen und Altersklassen greift es – wer genau ist von dem neuen Konzept betroffen?

Betroffen sind die bayerischen Jugendmannschaften zwischen der D- und der A-Jugend in den Kreisgruppen, der Kreisklasse und der Kreisliga. Das Konzept wird nur für das Jahr 2020 verpflichtend angewendet. Im Frühjahr 2021 soll anhand der gewonnenen Erkenntnisse aus der Saison überlegt werden, ob die Meldeligen beibehalten werden.

Welche Rolle haben Sie dabei gespielt?

Ich war einer der fünf Vereinsvertreter in der Arbeitsgruppe Jugend des Bayerischen Fußball-Verbands, die wegen der Corona-Krise gegründet wurde. Mit dabei waren unter anderem der Bundesliga-Schiedsrichter Dr. Felix Brych als BFV-Abteilungsleiter Talente, Verbandsjugendleiter Florian Weißmann und Manfred Paula, der Leiter des Nachwuchsleistungszentrums vom TSV 1860 München.

Wie fielen die Reaktionen der anderen Vereinsvertreter auf diese Neuerung aus?

Alle, mit denen ich gesprochen habe, sind der Meinung, dass das nicht nur im Anbetracht der Corona-Krise eine richtig gute Lösung ist – und auch ein faires und spielergerechtes Modell für die Zukunft. Man könnte zwar an dem Konzept kritisieren, dass der Wettkampf-Aspekt ein Stück weit verloren geht. Allerdings stellt sich die Frage, ob der in diesem Alter höchste Priorität hat. Für mich geht es da viel mehr um eine leistungsgerechte Ausbildung auch bei den mittleren und kleinen Vereinen, die das Gros der Fußballklubs in Bayern stellen.

Welche besondere Rolle spielen die Trainer der Mannschaften dabei?

Jeder Trainer bringt eine große Verantwortung gegenüber den Spielern mit. Damit ihnen der Fußball Spaß macht, ist es wichtig, die Mannschaft in eine Liga einzuordnen, die ihren Fähigkeiten entspricht. Dabei gilt es, die eigene Jugend ehrlich zu bewerten. Keiner hat was davon, wenn die Jungs zwar in der Kreisliga spielen, dort aber jedes Wochenende eine Niederlage erleben. So verlieren die Kinder und Jugendlichen die Freude am Sport.

Denken Sie, dass das jeder Trainer von Anfang an auch richtig einordnen kann?

Wir gehen davon aus, dass die meisten Vereine das gut hinkriegen. Wenn nicht, dann spielt das Team zumindest nach der Winterpause in der passenden Liga.

Lesen Sie auch unseren Kommentar zu diesem Thema: Jugendfußball: Die Meldeliga ist ein Gewinn

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