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Valentinstag

14.02.2018

Vor 13 Jahren richtig abgebogen

Stefanie und Philip Lewe betreuen die Handballer des TSV Mindelheim. Kennengelernt haben sich die beiden vor 13 Jahren – natürlich beim Handball.
Bild: Andreas Lenuweit

Seit dieser Saison trainieren Stefanie und Philip Lewe gemeinsam die Mindelheimer Handballer. Zum Valentinstag erzählen sie, wie kurios sich ihre Wege kreuzten.

Es ist ja doch etwas außergewöhnlich, dass die Herrenhandballer des TSV Mindelheim ein Ehepaar als Trainerteam haben. Noch kurioser mutet allerdings die Geschichte an, wie sich Stefanie und Philip Lewe vor 13 Jahren kennengelernt haben. Denn dabei spielt die Kombination aus Hobby, Praktikum, Zeitung und kaputtem Auto eine wichtige Rolle.

Mit dem Handball begonnen haben beide Ende der 1980er Jahre. Die Mindelheimerin Stefanie kam als 14-Jährige über den Schul- zum Vereinssport und spielte erstmals 1988 in der C-Jugend des TSV Mindelheim. So erfolgreich übrigens, dass sie auch den Sprung in die Bayern-Auswahl schaffte.

Ein Hamburger in Kirchheim

Der gebürtige Hamburger Philip Lewe hatte erstmals 1989 einen Handball in den Händen. „Ich habe zuerst Fußball gespielt, doch als es dann hieß, dass die Hallenzeit vorbei ist und wir draußen in der Kälte spielen sollten, bin ich zum Handball gegangen“, sagt der 38-Jährige und lacht. Er brauchte das Hallendach über dem Kopf. Bis in die Regionalliga hat er es geschafft. Dann kam eine berufliche Veränderung. Für die Ausbildung zum Rettungsassistenten benötigte der Krankenpfleger ein Jahrespraktikum – und das führte ihn 2005 ins Unterallgäu nach Kirchheim. „Damals sagte ich zu meinem Vater: ’Ich spiel’ nicht mehr Handball“, sagt Philip Lewe.

Dieser Vorsatz, sich erst einmal auf den Beruf zu konzentrieren, hielt ein paar Wochen. Dann sah er in der Mindelheimer Zeitung ein Foto vom Mindelheimer Spieler Robert Hills („Das Foto habe ich noch.“) – und ging zu einem Spiel des TSV Mindelheim, wo er sich prompt als neuer Spieler angetragen hat.

Das hügelige Mindeltal ist ihm nicht geheuer

Dass er überhaupt von Kirchheim den Weg nach Mindelheim eingeschlagen hat, war seinem damaligen Auto geschuldet. „Das hatte nur Sommerreifen und es funktionierten nur zwei Gänge“, erinnert sich Lewe. Eine hügelige Überlandfahrt im Winter 2005 war ein Abenteuer. So schied also eine Fahrt nach in Richtung Krumbach, wo mit Niederraunau ein höherklassiger Verein ansässig war, schlichtweg aus. „Ich musste Wege suchen, die nicht so bergig waren – so kam ich nach Mindelheim. Wenn ich in die andere Richtung abgebogen wäre, dann hätten wir uns wahrscheinlich nie kennengelernt“, sagt er mit Blick auf seine heutige Frau.

Die hat er dann in der Sporthalle in Mindelheim getroffen. „Es war mein letztes Spiel als Spieletrainerin der Damen – und sein erstes Spiel für die Herren“, erinnert sich Stefanie Lewe. „Es hat schnell gepasst.“ So schnell, dass die beiden ein Jahr später im Februar im Standesamt standen und sich das Ja-Wort gaben. Im Mai 2006 kam dann der erste von zwei Söhnen auf die Welt. Beide mittlerweile auch handballbegeisterte Jungs. „Anders geht es auch nicht. Unser Wochenende spielt sich meistens in der Halle ab“, sagt Philip Lewe. Jugendtraining, Wettkampfgericht, Punktspiele – die Lewes können die Dreifachturnhalle am Maristenkolleg durchaus als zweites Wohnzimmer bezeichnen. Und wenn dann doch einmal ein spielfreies Wochenende ansteht? „Dann schauen wir, ob es in der Umgebung interessante Spiele gibt. Die A-Jugend-Bundesliga in Günzburg etwa“, sagt Philip Lewe.

Auch die Söhne sind immer dabei

Ohne Handball geht bei den Lewes eben nichts. Doch wie ist es, wenn man als Ehepaar eine Mannschaft führt? Wer gibt die Richtung vor? „Das macht die Stefanie. Ich helfe eher aus, manchmal spiele ich ja auch noch“, sagt Philip Lewe und gibt zu: „Das Training vorbereiten, ist nicht so mein Ding.“ Hier hat also seine Frau das Sagen: „Ich bereite mich schon akribisch auf Training und Spiel vor“, sagt sie. Einige Jahre hatte sie als Spielertrainerin in Mindelheim die Damenmannschaft geleitet, aber bald gemerkt, „dass es nicht die beste Lösung ist, wenn man als Trainer auch noch selber spielt“. Man sehe die Dinge von Außen einfach besser.

2015 ist das Trainerduo Lewe erstmals in Erscheinung getreten und hat die A-Junioren des TSV Mindelheim übernommen. Viele „ihrer“ Jungs spielen nun bei den Herren. „Die wollten wir weiter begleiten“, so Stefanie Lewe. Heute, drei Jahre später, sind „ihre Jungs“ der Kern der ersten Mannschaft, trainieren und spielen unter einem Mindelheim-Hamburger Ehepaar. Und alles nur, weil ein damals 25-jähriger angehender Rettungsassistent mit einem klapprigen Auto im hügeligen Mindeltal richtig abgebogen ist.

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