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Legendäre Spiele

25.07.2020

Vor fast 50 Jahren spielen die Türkheimerinnen erstmals Fußball

So sah sie aus, die Gründungsmannschaft des SVS Türkheim anno 1971: (stehend von links) Abteilungsleiter und Sponsor Georg Seber, Heidi Zacher, Anneliese Baumeister, Heidi Hassmann, Bärbel Grätz, Gabi Böck, Anni Jakwerth, Jutta Grätz, Trainer Dotsch Holzheu, (vorne von links) Lieselotte Stückel, Roswitha Kaut, Ermida Lauterer und Theresia Lauterer. Nicht auf dem Foto sind Isolde Albert, Leni Baumeister und Josefa Epple.
Bild: Repro: Julia Prestele

Plus Ein halbes Jahr, nachdem der DFB das Verbot für Frauenfußball aufgehoben hat, findet in Türkheim das erste Spiel der SVS-Frauen statt. Eine Spielerin erinnert sich.

200 Zuschauer – davon träumt heute selbst mancher Kreisligist. Doch diese stattliche Kulisse wurde 1971 Zeuge von etwas Historischem: dem ersten offiziellen Fußballspiel einer Türkheimer Frauenmannschaft in der nun schon fast 50-jährigen Geschichte des SV Salamander Türkheim.

Der Anfang war nicht leicht, schließlich hob der DFB erst am 31. Oktober 1970 das Verbot, organisierten Frauenfußball im Verein anzubieten, auf. Keine sechs Monate später fand jedoch die Geburtsstunde der Türkheimer Erfolgsgeschichte statt, die bis heute beim SV Salamander keiner vergessen hat.

Eine Turnerin bringt den Ball ins Rollen

Am 13. April 1971 trat der SVS Türkheim dabei in Türkheim gegen den SV Baisweil an. Den Bärenanteil am ersten offiziellen Frauenspiel des Vereins hatte Heidi Zacher. Nach vielen Jahren beim Turnverein war die junge, sportbegeisterte Türkheimerin auf der Suche nach einer neuen Herausforderung. „Mich haben schon immer neue Sachen interessiert und angemacht, das wollte ich einfach ausprobieren“, sagt Zacher im Rückblick. Doch Fußball ist bekanntermaßen ein Mannschaftssport und so fragte sie alle Freundinnen und Bekannten in Türkheim, ob sie Lust hätten, Fußball zu spielen.

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Durch ihren Mann Fritz, der schon lange als Masseur des Männer-Teams agierte, war schnell der Kontakt zum männlichen Geschlecht hergestellt. Hier konnte die eine oder andere Freundin zur richtigen aktiven „Spielerfrau“ gewonnen werden. Bis auf Gabriele Böck aus Ettringen fanden sich ausschließlich Türkheimerinnen, die fortan dem runden Leder nachjagen wollten. Mit einem Kader von insgesamt 13 Spielerinnen startete das Abenteuer Frauenfußball in Türkheim.

Kickende Frauen werden in Türkheim anfangs belächelt

„Natürlich wurden wir belächelt, weil die Leute fußballspielende Frauen nicht kannten und der körperliche Nachteil gegenüber den Männern schon enorm war“, erinnert sich Heidi Zacher noch genau an die Anfänge. Trotzdem wurde das Frauen-Team insbesondere von Georg Seber unterstützt und mit Trikots und Trainingsutensilien ausgestattet. Und so schnürten die Fußballerinnen im April 1971 erstmals die Fußballschuhe zu einem Spiel.

Die Aufstellung zum ersten Spiel der Türkheimer Frauen.

Gegen den SV Baisweil strömten 200 Zuschauer ins Stadion, die „natürlich fast alle männlich waren und neugierig darauf, die jungen Frauen spielen zu sehen“, gibt Zacher zu. Dennoch sei es ein unvergessliches Erlebnis für alle Beteiligten gewesen.

Beide Teams starteten nervös in die Partie und nicht alles klappte sofort, doch was den Einsatz und das Engagement anging, standen die Frauen ihren männlichen Kollegen in nichts nach. Es wurde gerannt, gepasst, geschossen und gegrätscht. Der erste Treffer war allerdings den Gästen aus Baisweil vorbehalten. Die Salamander-Elf glich noch vor dem Halbzeitpfiff zum 1:1 aus. Heidi Ammann (geb. Hassmann) war es vorbehalten den ersten offiziellen Treffer in der Türkheimer Frauenfußballgeschichte zu erzielen.

Am Anfang der Ära steht eine knappe Niederlage

Für den Punktgewinn reichte es am Ende nicht ganz, denn Torhüterin Ermida Lauterer musste noch einmal hinter sich greifen. Die Zuschauer sahen über die volle Spieldauer ein enges und umkämpftes Spiel und wurden mit insgesamt drei Treffern für ihr Kommen belohnt. Zacher räumt jedoch ein, dass sich die Mannschaft damals „über das historische Ausmaß gar nicht so im Klaren war“. Schließlich sollte es ja nicht das einzige Spiel bleiben.

Nur wenige Wochen nach dem ersten Spiel überhaupt feierten die Türkheimer Frauen einen 2:1-Sieg gegen den TSV Markt Wald. Von diesem Spiel erinnert dieses gemeinsame Mannschaftsfoto.

Drei Wochen später, am 2. Mai 1971, sprang im zweiten Freundschaftsspiel mit 2:1 der erste Sieg heraus. Gegner war der TSV Markt Wald, die zweifache Torschützin für Türkheim hieß Heidi Ammann.

Wenige Wochen später wird um Punkte gespielt

Im Mai starteten die Türkheimerinnen zusammen mit sechs weiteren Teams aus Kaufbeuren, Oberostendorf, Woringen, Grönenbach, sowie Fellheim und Baisweil in die erste offizielle Frauen-Saison mit Punktspielbetrieb. Obwohl am Ende nicht allzu viele Siege für das Team von Trainer Dotsch Holzheu raussprangen, stand der Spaß dennoch im Vordergrund und tat der Leidenschaft keinen Abbruch. Bis heute. Denn aus dem Topf der Pionierinnen stellen lediglich die SpVgg Kaufbeuren sowie der SVS Türkheim bis heute eine Mannschaft im aktiven Spielbetrieb.

Für Heidi Zacher war übrigens nach nur einer Saison aufgrund der Schwangerschaft mit Tochter Sandra schnell wieder Schluss mit Fußball, doch bereut hat sie ihr Engagement nicht. Den Fußball liebt sie weiterhin. Zuletzt organisierte sie 2011 ein Ehemaligentreffen zum 40-jährigen Jubiläum. Und auch das 50-jährige Bestehen der Frauenmannschaft in Türkheim ist nächstes Jahr schon im Kalender vorgemerkt.

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