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MZ-Sportskanone

12.02.2021

Warum eine Ausnahme-Sprinterin aus Erkheim in Hasberg Gewichte stemmt

Auch eine Sprinterin braucht Krafttraining. Um dafür aber nicht nach München fahren zu müssen, hält sich die Erkheimerin Sabrina Hafner im Fitness-Dachboden von Sepp Graf in Hasberg fit.
Bild: Axel Schmidt

Plus Sabrina Hafner ist eines der größten Sprint-Talente Deutschlands. Als Kaderathletin darf sie während des Lockdowns trainieren – unter anderem auf einem Dachboden in Hasberg.

So unscheinbar das „Trainingszentrum“ von außen aussieht, so prächtig ausgestattet ist der Fitnessraum von Sepp Graf: Praktisch im Dachboden der ehemaligen Kreuzbrauerei in Hasberg, besser bekannt unter dem Namen Kellerbar, stehen doch allerhand Hantelbänke und Gewichte. Mittendrin studiert eine junge, schlanke Sportlerin ihren Trainingsplan. Sabrina Hafner kommt derzeit zwei Mal pro Woche zum Krafttraining.

In Zeiten des harten Lockdowns bedeutet das nur eins: Die Schülerin muss eine talentierte Sportlerin sein. Das ist sie auch: Die 17-jährige Erkheimerin gehört zum Besten, was der deutsche Sprinternachwuchs zu bieten hat. Ihre Paradestrecke sind die 200 Meter, aber auch über 100 Meter geht sie erfolgreich an den Start. Ihre Erfolge bislang: Bayerische U18-Meisterin 2020 über 200 Meter und Vizemeisterin über die 100-Meter-Distanz. Bei der deutschen U18-Meisterschaft 2020 wurde sie Vierte über 200 Meter und Neunte über 100 Meter.

Ihren ersten Wettkampf läuft die Erkheimerin 2019

Und das, obwohl sie ihren ersten Wettkampf erst im Mai 2019 absolviert hat. „Ich war früher schon auch bei der Kinder-Leichtathletik in Erkheim, habe dann aber mit Turnen weitergemacht“, erzählt sie. Erst als die meisten ihrer Freundinnen auch mit dem Turnen wieder aufgehört haben, kehrte sie zur Leichtathletik zurück. „Ich war in der Schule bei Wettkämpfen immer ganz gut. Also bin ich wieder zum Vereinstraining gegangen.“ Von da an ging es bergauf.

Silber und Bronze holte Sprinterin Sabrina Hafner bei der bayerischen Hallen-Meisterschaft.
Bild: Frehner

Obwohl die Schülerin, die in diesem Frühjahr ihr Abitur am Rupert-Ness-Gymnasium in Ottobeuren ablegen wird, mit ihren 1,77 Metern Körpergröße nicht unbedingt für die Sprintstrecken prädestiniert scheint, steigert sie sich von Woche zu Woche, von Lauf zu Lauf. Bereits 2019 erreichte sie die Normzeit für die deutsche Jugendmeisterschaft. Mit ihrer Bestzeit über 200 Meter (24,28 Sekunden) liegt sie bundesweit an dritter Stelle. Mittlerweile wurde sie über diese Distanz in den Nationalkader der U20-Junioren berufen.

Vier Mal pro Woche trainiert Sabrina Hafner in München

Das bedeutet: Vier Mal pro Woche fährt Sabrina Hafner zum Training nach München. Dank der Zugeständnisse für Kaderathleten und Berufssportler auch in Zeiten des Corona-Lockdowns. Hinzu kommen noch zwei Trainingstage in Hasberg bei Sepp Graf. Warum ausgerechnet hier? „Mein Papa hat schon im Fitnessstudio von Sepp in Mindelheim trainiert. Da war ich als Kind manchmal dabei. Jetzt gehe ich seit einigen Jahren selber hin.“

Weil der Trainingsplan vor allem Gewichtheben beinhaltet, sieht sich Sabrina Hafner beim mehrfachen deutschen Seniorenmeister Graf bestens aufgehoben. „Da trainiere ich bei einem echten Profi“, sagt sie. Der 74-jährige Graf bescheinigt seinem Schützling einen enormen Willen: „Sie trainiert so fleißig und diszipliniert, das ist eine wahre Freude für mich.“

Graf, der sein Fitnessstudio in Mindelheim vorübergehend schließen musste, ist froh, der talentierten Sportlerin in Hasberg die Möglichkeit zum Training zu geben. „Sonst müsste sie auch dafür nach München.“ Mit den Kadertrainern ist stattdessen ein Trainingsplan abgesprochen, an den sich die Läuferin akribisch hält.

Im Blick hat sie die U20-EM in Tallinn

Schließlich hat sie große Ziele. „Na klar träumt jeder Athlet von den Olympischen Spielen“, sagt sie. Die Spiele in Tokyo kommen für sie noch zu früh. Dafür steht Mitte Juli die U20-Europameisterschaft in Tallinn (Estland) an, Ende Juli folgt die deutsche U20-Meisterschaft ehe der Wettkampfplan Mitte August die U20-Weltmeisterschaft in Nairobi (Kenia) vorsieht. Ob diese Wettkämpfe auch alle so ausgetragen werden können, hängt vom weiteren Verlauf der Corona-Pandemie ab. Sabrina Hafner muss dafür die Normzeiten erreichen. Diese liegen für die 200 Meter bei 23,90 Sekunden (EM) und 23,85 Sekunden (WM). Gerade einmal drei Zehntel Sekunden schneller als ihre bisherige Bestzeit.

Die 17-jährige Sabrina Hafner vom TV Erkheim hat bei der Bayerischen U18-Meisterschaft den Titel über 200 Meter gewonnen.
Bild: Theo Kiefner

Dass sie diese Norm erreicht, davon ist die Erkheimerin überzeugt. „Zum ersten Mal habe ich heuer ein richtiges Wintertraining gemacht. Das hatte ich vorher nie.“ Außerdem seien ihre Kadertrainer, Ruth Mayer und Reinhard Köschl, optimistisch, dass sie aus Sabrina Hafner noch einiges herauskitzeln können. „Ich kann noch so viel lernen, vor allem im technischen Bereich“, sagt Hafner. „Sprinten ist sehr komplex. Bis man alles optimiert, dauert es Jahre.“ Ihre Trainer sehen in ihr eigentlich eine formidable 400-Meter-Läuferin, doch vor dieser Strecke hat Sabrina Hafner noch etwas Respekt: „Die traue ich mir noch nicht so richtig zu.“ Ihre Lieblingsstrecke seien die 200 Meter.

Sabrina Hafner weiß: Der Traum kann schnell vorbei sein

Von ihrer aktuellen Form, der beinahe regelmäßigen Verbesserung ihrer Zeiten und der guten Platzierungen lässt sich die Schülerin jedoch nicht blenden. Sie wirkt geerdet genug, um zu wissen, dass es auch schnell vorbei sein kann mit dem Traum von Olympia. Eine schwere Verletzung oder eben ein kleines Virus – und schon ist die Karriere vorerst gestoppt. Auch deshalb setzt sie nicht alles auf die Sport-Karte.

Zwar bewirbt sie sich für die Zeit nach der Schule auf einen Platz in der Sportfördergruppe der Polizei. Doch auch verschiedene Studiengänge hat sie sich schon einmal herausgesucht. „Von Sportwissenschaft bis zu Medien- und Kommunikationswissenschaft kann ich mir alles vorstellen.“

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