Fußball

16.05.2019

Wenn als Siegprämie Bier winkt

Wenn es am Ende einer Fußballsaison um Entscheidungen geht, ist Bier eine beliebte Punktprämie. Auch in der Kreisliga Mitte wird im Saisonendspurt die eine oder andere malzige Motivation ausgelobt.
Bild: Ralf Lienert

Plus Neigt sich eine Spielzeit zu Ende, kann sich so mancher Verein über Bierspenden seitens der Konkurrenz freuen. Das ist durchaus legal – bis auf eine Ausnahme.

Eines dieser zahlreichen Sprichwörter, die das Bier hochleben lassen lautet: „Ein reiner frischer Gerstensaft, gibt Herzensmut und Muskelkraft.“ Und was benötigt eine Fußballmannschaft im Saisonendspurt – ganz gleich, ob im Meisterschafts- oder Abstiegskampf? Natürlich: Mut und Kraft. Kein Wunder also, dass sich auch bei Fußballern in der Kreisliga Mitte Bier als beliebte Motivationshilfe erfreut.

Das kann vereinsintern geschehen, wenn der Präsident oder Edelfan seinen Mannen einen zünftigen Saisonabschluss spendiert, sollten die Spieler den Titel holen. Oder eben auch zwischen zwei Vereinen. Nach dem Motto: Nimmst du deinem nächsten Gegner (der uns gerade im Nacken sitzt) die Punkte, darfst du dich über das eine oder andere Fass Bier freuen.

Die Rechnung des TSV Mindelheim geht nur halb auf

Die Frage, die dabei oftmals mitschwingt (weswegen auch selten richtig offen darüber gesprochen wird): Ist das erlaubt? Fällt das unter Bestechung? Da kommt es darauf an, wen man begünstigen will. „Wenn eine Mannschaft einem anderen Team als Belohnung für einen Sieg etwas ausgibt, dann ist das ja keine massive Einflussnahme, sondern eine Motivationshilfe“, sagt Herbert Moser. Der Augsburger saß 18 Jahre lang im Kreis-Sportgericht Allgäu – und hat nach eigenen Angaben noch nie einen Fall verhandelt, bei dem es um unlautere Motivationsspritzen ging. Er sagt: „Wenn ich natürlich einem Verein etwas verspreche, damit er verliert, dann sieht es anders aus.“ Dann wird auch Motivation schnell Manipulation. Dagegen sei es handelsüblich, jemanden für gute Leistungen zu belobigen.

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Tatsächlich gibt es nicht wenige Bundesligisten, die sich über eine Wagenladung Weißwürste, Brezen und Weißbier aus München freuen durften, wenn sie dem FC Bayern auf dem Weg zum Titelgewinn dienlich waren. Und was in der Bundesliga funktioniert, geht eben auch einige Etagen tiefer. So auch in der Kreisliga Mitte. Da hat es zuletzt auch der TSV Mindelheim versucht. Dem FSV Dirlewang versprachen sie am vergangenen Wochenende 100 Liter Bier, sollte der FSV die SG Amberg/Wiedergeltingen schlagen. 50 Liter sollte es für ein Remis geben.

Das Angebot hat seine Wirkung nicht verfehlt, herausgekommen ist ein 0:0 (Lesen Sie hier: Die Ereignisse spitzen sich zu ). „Zur Hälfte hat es also geklappt“, sagt TSV-Trainer Benedikt Deigendesch, dessen Vater im FSV-Vorstand sitzt und dessen Bruder beim FSV spielt. „Das Bier haben sie sich auch verdient, das fahre ich gerne hin. Dann haben sie einen guten Start für die Saisonabschlussfeier“, sagt Deigendesch.

In Dirlewang ist die Saisonabschlussfeier gerettet

„Unsere Mannschaft hat gegen Amberg ein gutes Spiel gezeigt“, sagt Bernd Perzewski, Vorsitzender des FSV Dirlewang. „Ob es nun an der Motivation aus Mindelheim lag, weiß ich nicht. Schließlich wollen wir ja auch unbedingt noch einen Sieg in dieser Saison feiern“, so Perzewski. Mit der Tradition der Bierspenden hat er kein Problem – solange es ums Gewinnen geht: „Wenn eine Mannschaft etwas bekommt, wenn sie ihr Spiel gewinnt, ist das in Ordnung. Umgekehrt, wenn also für eine Niederlage etwas geboten wird, würde ich das nie akzeptieren.“

So sieht es auch Polykarp Platzer, Spielgruppenleiter im Unterallgäu. Er ist außerdem Vorsitzender des FC 98 Auerbach/Stetten und sagt auch: „Wenn es als Ansporn gedacht ist und die Konstellation hergibt, dann ist das in Ordnung. Ich kann mich allerdings nicht daran erinnern, dass wir einmal davon profitiert hätten“, so Platzer.

So richtig geholfen hat dem TSV Mindelheim vor dem letzten Spieltag in der Kreisliga Mitte der Dirlewanger Punktgewinn allerdings nur bedingt. Denn die Elf von Trainer Deigendesch muss nun am Samstag (15.30 Uhr) im direkten Duell gegen die SG Amberg/Wiedergeltingen um den direkten Klassenerhalt kämpfen. Zwar reicht den Mindelheimern ein Punkt, um die Relegation zu vermeiden. Doch auf Unentschieden zu spielen ist in den meisten Fällen eine schlechte Idee...

Auch der TSV Kammlach will mit einem Team Kontakt aufnehmen

In ganz anderen Regionen agiert der TSV Kammlach am letzten Spieltag um die entscheidenden Punkte im Kampf um die Meisterschaft: Der Tabellenzweite geht mit dem Spitzenreiter TSV Ottobeuren punktgleich auf die Zielgerade. Während Kammlach den TSV Lautrach-Illerbeuren (4.) zu Gast hat, empfängt Ottobeuren den TSV Legau. „Es kann schon sein, dass wir mit Legau noch telefonieren“, sagt Kammlachs Trainer Manuel Neß. „Aber dann geht es auch nur ganz traditionell um eine mögliche Bierspende“, sagt er.

Weil es eben der letzte Spieltag ist und weil es Kammlach nicht mehr selber in der Hand hat. „Die Relegation haben wir schon sicher“, sagt Neß. „Deswegen kann ich wahnsinnig stolz sein auf das Team.“ Das ist in diesem Fußballjahr immer noch ungeschlagen. Sechs Siege, zwei Unentschieden (18:4 Tore) lautet die Bilanz nach der Winterpause. „Wir werden alles dafür tun, dass wir dann auch da sind, sollte Ottobeuren Punkte liegen lassen“, verspricht Neß. Dann fließt auch in Kammlach das Siegerbier in Strömen.

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