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Stetten

24.01.2019

Wenn der FC Liverpool in Stetten gewinnt

Champions League im Sportheim: Auf dem Bildschirm spielen Paris St. Germain und Juventus Turin gerade gegeneinander. Insgesamt nahmen am Fifa-Turnier des TSV Stetten 25 Spieler teil.
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Champions League im Sportheim: Auf dem Bildschirm spielen Paris St. Germain und Juventus Turin gerade gegeneinander. Insgesamt nahmen am Fifa-Turnier des TSV Stetten 25 Spieler teil.
Bild: Melanie Springer

Erstmals richtet der TSV Stetten ein virtuelles Fußballturnier aus – und ist von der Resonanz begeistert.

Mal ehrlich: Unter einem digital ausgetragenen Fußballturnier stellt man sich vieles vor, nicht aber ehrlichen sportlichen Einsatz mit echtem Schweiß. Die meisten Menschen denken eher an Chips futternde Jugendliche mit Übergewicht und kaum Sozialkontakten. Der TSV Stetten hat das Gegenteil bewiesen. Bei seinem ersten digitalen Fifa-Turnier traten insgesamt 25 Teilnehmer mit Controllern bewaffnet gegeneinander an – 90 Prozent davon spielen auch im wirklichen Leben Fußball.

Für die kalten Wintermonate, in denen das Sportheim kaum genutzt wird, ist ein virtuelles Turnier ein guter Anlass, um sich mal wieder zu sehen und dabei dem Sport treu zu bleiben, der einen auch das ganze Jahr über verbindet, erklärt Dominik Rothermel, der stellvertretende Vorsitzende des TSV Stetten. Er ist der Initiator des Fifa-Turniers. „Die Idee dafür ist eher einem Zufall geschuldet“, sagt er.

Weil ein Testspiel ausfällt, kommt die Konsole zum Einsatz

2018 hatte er als Trainer der B-Jugend ein Trainingslager organisiert, an dessen Anschluss ein Freundschaftsspiel hätte stattfinden sollen. Dieses wurde aber kurzerhand seitens der gegnerischen Mannschaft abgesagt und seine 16-jährigen Jungs überlegten, was sie stattdessen machen könnte. Einige schlugen vor, doch ein virtuelles Spiel auszutragen, und holten geschwind die Playstation ins Sportheim. Dominik Rothermel war über die positive Resonanz in seiner Mannschaft begeistert und hat das Thema E-Sports gleich bei der nächsten Vorstandssitzung auf die Tagesordnung gesetzt.

Dort stieß er zum Glück trotz verbreiteter Vorbehalte nicht auf Unverständnis, sondern fand ein offenes Ohr. Kurz darauf stand auch schon das Konzept und die Aufgaben wurden verteilt. Beworben wurde das Ganze über das örtliche Mitteilungsblatt. Auf eine Verkündung via Facebook verzichtete der TSV Stetten, da man nicht wusste, „ob einem die Leute dann die Bude einrennen“, erklärt Rothermel.

Sogar ein Spieler aus Stuttgart ist dabei

Er findet es zugegebenermaßen schon absurd, mit welcher Wucht diese neue, in seiner Daseinsberechtigung umstrittene, Sportart weltweit einschlägt. Ganze Arenen werden mit Fans befüllt, nur um „zwei Typen beim Zocken zuzuschauen“, so Rothermel. Beim TSV Stetten ging es da schon persönlicher zu. Viele kannten sich bereits vom Fußball. Die Spieler kamen aus Stetten, Auerbach, Dirlewang und Mindelheim. Einer reiste sogar aus Stuttgart an, ist aber ein gebürtiger Stettener. Das Equipment – Monitore, Konsolen, Controller – wurde von allen Teilnehmern zusammengetragen.

Ansonsten ging alles wie im realen Fußball vonstatten: Am Anfang wurde ausgelost, wer gegeneinander spielt und dann lief alles, wie man es kennt, nur die Spielzeiten waren kürzer. Die 25 Teilnehmer wurden in fünf Gruppen á fünf Mannschaften eingeteilt, sodass jeder Spieler mindestens vier Spiele bestreiten konnte. Jeder Teilnehmer entschied sich im Vorfeld für eine Mannschaft seiner Wahl, die er dann über den Controller während des Spiels steuerte. Nur internationale Ligen standen zur Auswahl, keine Nationalmannschaften oder All-Star-Mannschaften, in denen Größen wie Franz Beckenbauer oder Pelé über das Spielfeld laufen.

Das Alter spielt keine Rolle

Kurioserweise ergab es sich, dass der älteste Teilnehmer (38) gegen den Jüngsten (12) spielen musste. Auch das sei eine Besonderheit beim virtuellen Fußball, erklärt Rothermel. Plötzlich spielt körperliche Überlegenheit keine Rolle mehr, es entscheiden andere Parameter – die Motorik der Finger zum Beispiel. Geübte Spieler haben da natürlich einen Vorteil. Sie kennen meistens auch mehr Tastenkombinationen, mit denen sich bestimmte Tricks auslösen lassen. Normalerweise steuert man nur immer einen Spieler. Dieser ist mit einem farbigen Pfeil über dem Kopf markiert. Kennt man aber die entsprechende Tastenkombination, kann man mal geschwind einen zweiten Spieler aktivieren. Auch in den Voreinstellungen können die Zocker die Rahmenbedingungen mitbestimmen, indem sie zum Beispiel eine Viererkette für die Abwehr festlegen.

Der Torwart wird in der Regel vom Computer gesteuert, nur beim Elfmeterschießen können ihn die Spieler selbst steuern. Genau diese Situation gab es in Stetten im Viertelfinale. Plötzlich stand eine Traube an Zuschauern um die Spieler herum und verfolgte das spannende Intermezzo, erklärte Rothermel.

Im Sportheim in Stetten herrscht Fußballplatz-Atmosphäre

Die Kommentare der Zuschauer während der Spiele standen dem echten Fußball in nichts nach. Es wurde gegrölt, gejubelt und geflucht. Nach rund sechs Stunden stand dann das Finale an. Stefan Haugg (27) spielte mit dem FC Liverpool gegen Tobias Hofmann (16) mit Paris St. Germain. Beim zweiten Tor sprang Haugg samt Controller einen Meter in die Luft. „Habt Ihr das gesehen?“, rief er ins Publikum. Der PC-gesteuerte Kommentator pflichtete ihm bei. „Ein schönes Tor!“, sagte die Computerstimme, die von einer echten nicht zu unterscheiden war. „Ja, das finde ich auch“, kommentierte Haugg zurück. Die Zuschauer amüsierten sich über die temperamentvollen Auswüchse des Finalisten. Sein Gegner Tobias Hofmann hingegen verzog beim Spielen keine Miene und nahm seine Erfolge in stiller Bescheidenheit entgegen. Am Ende siegte das Temperament und Haugg gewann mit 3:2 gegen Tobias Hofmann. Der dritte Platz ging an Lucas Jäschke (16), der zuvor mit Juventus Turin gegen Markus Ebert, FC Liverpool, gewann.

Der TSV Stetten plant eine Wiederholung

Bei der Siegerehrung erhielten die besten Drei einen Gutschein und der Sieger zusätzlich einen Pokal der besonderen Art. Die liebevoll gestaltete Trophäe in Form eines Controllers ist ein Wanderpokal und wird nächstes Jahr wieder zurück ins Sportheim des TSV Stetten wandern. Für den Sieger soll das ein Anreiz sein, wieder mitzumachen und seinen Titel zu verteidigen. An Lebendigkeit wird es dann beim nächsten Fifa-Turnier in Stetten sicherlich nicht mangeln.

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