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Jugendfußball

01.12.2019

Wenn in Mindelheim plötzlich Tottenham auf Lyon trifft

Die Jahrgänge 2007 und 2008 zeigten beim Sichtungsturnier in Mindelheim hervorragenden Hallenfußball. Dabei mussten die Spieler der einzelnen Stützpunkte in zusammengewürfelten Mannschaften antreten.
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Die Jahrgänge 2007 und 2008 zeigten beim Sichtungsturnier in Mindelheim hervorragenden Hallenfußball. Dabei mussten die Spieler der einzelnen Stützpunkte in zusammengewürfelten Mannschaften antreten.
Bild: Andreas Lenuweit

Plus In Mindelheim treffen sich 150 Fußball-Talente aus acht DFB-Stützpunkten zu einem Sichtungsturnier. Das hat seine ganz eigenen Regeln – und ist genau deshalb sehenswert.

„Es laufen die letzten zwei Spielminuten. Zum nächsten Spiel machen sich bereit: Olympiakos Piräus und Twente Enschede.“ Kurz darauf laufen die Mannschaften ein: Alle Spieler tragen schwarze Hosen und Stutzen sowie weiße oder schwarze T-Shirts. Und keiner der jungen Kicker ist Grieche oder Niederländer. Sie kommen alle aus verschiedenen schwäbischen DFB-Stützpunkten und wollen sich in diesem Turnier für die Westbayern-Auswahl bewerben.

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Keine Schiedsrichter, größere Tore

Dabei hat das Sichtungsturnier seine ganz besonderen Eigenheiten. Die auffälligste: Es gibt keine Schiedsrichter. „Die Spieler regeln das selbst“, sagt Oskar Kretzinger. Der Stützpunkt-Koordinator für den Bereich Westbayern hat dieses Turnier angesetzt. Und dabei seine eigene Handschrift hinterlassen. Denn auch so manche Regeländerungen lassen sich ausmachen: Statt des Einkicks darf der Ball auch ins Spiel gedribbelt werden. „So gibt es weniger Pausen und die Spieler können neue Lösungen kreieren“, sagt Kretzinger. Weitere Änderung zum mittlerweile gängigen Futsal: Die Tore sind größer. „Wir wollen auch die Torhüter, ihr Spiel und ihr Verhalten in der Halle sichten. Außerdem fördern wir dadurch das offensivere Verteidigen, da der Gegner aus größerer Entfernung leichter Tore erzielen kann, als bei den kleinen Toren.“

Zudem spielen nicht die Stützpunkte gegeneinander. Stattdessen wurden die Spieler auf besagte Mannschaften mit Pseudonymnamen aufgeteilt. Es gilt, den einzelnen Spieler sich sichten. Mannschaftliche Automatismen sind da eher hinderlich. „Anfangs haben sie schon noch Scheu, doch spätestens ab dem zweiten Spiel ist die abgelegt“, sagt Kretzinger.

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Scouts von Bundesligavereinen auf der Tribüne

Das kann auch Manuel Neß bestätigen. Der Trainer am Stützpunkt in Mindelheim coachte beim Jahrgang 2008 Lazio Rom. Im Jahrgang 2007 ist er für Olympique Lyon verantwortlich. „Es geht hauptsächlich darum, dass die Spieler die im Stützpunkttraining erlernten Dinge nun auch umsetzen“, sagt er – und findet gleich eine Sache, an der im Training noch gearbeitet werden muss. „Sie schauen alle noch zu sehr auf den Ball. Und sie spielen zu oft den Außenrist-Pass. Die sollen beidfüßig spielen“, sagt er und lacht: „Außenrist konnte nur der Franz Beckenbauer – und den kennen die alle gar nicht mehr.“

Fußballerisches Wimmelbild in Kammlach

Wohl aber der eine oder andere Scout von Profiklubs, die auf der Tribüne sitzen. Der FC Augsburg war ebenso vertreten, wie der FC Bayern München. Was passiert nun, wenn denen ein Spieler ins Auge sticht? „Dann kommt eine Anfrage an mich, ob ich den Kontakt zum Heimatverein und den Eltern des Spielers herstellen kann“, sagt Oskar Kretzinger. Pro Jahr landeten so aus allen Jahrgängen 30 bis 40 Spieler in den Leistungszentren der Profiklubs, so Kretzinger. Diese Spieler verlassen dann den DFB-Stützpunkt, kehren aber oft auch ein paar Jahre später wieder zurück. Nämlich dann, wenn sie es bei den Topklubs nicht ganz geschafft haben. „Dann lautet unsere Zusatzaufgabe, die Spieler wieder aufzufangen“, so Kretzinger.

Ein kleines Schild macht dem TSV Mindelheim große Freude

Mindelheim wird DFB-Stützpunkt

Ob bei ihm in den kommenden Tagen die eine oder andere Anfrage eingeht? Wer weiß. Die Spieler jedenfalls gaben ihr Bestes, zeigten schnellen, technisch ansprechenden und vor allem fairen Hallenfußball. Ab und an garniert mit einem echten Kunststück, so wie ein Spieler von Sporting Lissabon: Er nahm, Sekunden vor dem Schlusspfiff, einen weiten Ball seines Torhüters in der Luft an, überlupfte seinen Gegenspieler und versenkte den Ball im langen, oberen Toreck – mit dem Außenrist.

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