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Fußball

14.12.2019

Wie ein Türkheimer Cristiano Ronaldo traf

Alexander Kähler im Estádio José Alvalade in Lissabon. Dort verlor die Nationalelf Luxemburgs gegen den Europameister mit 0:3.
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Alexander Kähler im Estádio José Alvalade in Lissabon. Dort verlor die Nationalelf Luxemburgs gegen den Europameister mit 0:3.
Bild: Archiv Kähler

Plus Der Türkheimer Alexander Kähler ist Physiotherapeut – und betreut als solcher die Nationalspieler Luxemburgs. Das beschert ihm neue Eindrücke und spannende Begegnungen.

Was Mats Hummels und Alexander Kähler gemeinsam haben? Nun ja, beide sind rund 1,90 Meter groß, haben dunkles Haar auf dem Haupt und im Gesicht und sind (im Fall Kähler: war) auf dem Fußballplatz in der Innenverteidigung aktiv. Und beide standen schon gemeinsam mit Cristiano Ronaldo auf dem Platz.

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Es war im Oktober, als Alexander Kähler, der seine aktive Fußballkarriere beim SVS Türkheim beendet hat, dem EM-Qualifikationsspiel zwischen Portugal und Luxemburg in Lissabon beiwohnte. 47.000 Zuschauer, Flutlicht – und eben Cristiano Ronaldo. Der 26-jährige Türkheimer Kähler saß jedoch nicht etwa auf der Tribüne, sondern direkt am Spielfeldrand – genauer gesagt: auf der Bank der Luxemburger. Seit etwas mehr als eineinhalb Jahren ist er einer von zwei Physiotherapeuten, die die Fußball-Nationalmannschaft Luxemburgs betreuen. Ein ehemaliger Studienfreund stellte damals den Kontakt her. „Man muss jemanden kennen und dann auch noch das nötige Glück haben, um an solch einen Posten zu kommen“, sagt Kähler.

Der erste Auftrag führt den Türkheimer nach München

In seinem Fall passte alles. Vor knapp zwei Jahren fragte besagter Studienfreund bei ihm an, ob er nicht als Physiotherapeut die Jugendnationalmannschaft Luxemburgs während eines Trainingslagers in München betreuen wolle. Kähler sagte zu – und bekam wenig später eine weitere Einladung: „Sie fragten mich, ob ich mir das auch bei den Herren vorstellen könne.“ Er konnte. Und, was noch wichtiger war, er bekam grünes Licht von seinem Arbeitgeber Pro Physio in Mindelheim. Robin Etmans, einer der Geschäftsführer des Gesundheitszentrums, weiß um die Chance, die sich Alexander Kähler bot: „Er hat diesen Wunsch von Anfang an offen kommuniziert. Und da wir ja auch die Entwicklung unserer Mitarbeiter fördern wollen, gab es nichts, was dagegen spricht.“

Wie ein Türkheimer Cristiano Ronaldo traf

Seitdem ist Alexander Kähler etwa alle acht Wochen im Einsatz für das Team Luxemburg. Nations League, EM-Qualifikation – mittlerweile hat der 26-Jährige 19 Länderspiele betreut. Mit seinem Kollegen, dem 68-jährigen Armand Welbes, versteht er sich bestens, ebenso mit den Spielern – was auch Gründe für die weitere Zusammenarbeit waren. Nach und nach haben sich durchaus auch Freundschaften entwickelt. „Aber eine fachliche Distanz muss man trotz allem wahren“, sagt Kähler. Wenn ein Spieler angeschlagen oder verletzt ist, wird das zuerst mit den Ärzten, dann mit dem Trainerstab besprochen. „Klar, dass der Trainer immer die beste Mannschaft aufstellen will. Aber wenn es aus unserer Sicht nicht geht, dann vertraut er uns voll“, beschreibt Kähler das Verhältnis.

Luxemburg hat nur noch Profis im Nationalteam

Zudem seien die Spieler mittlerweile ausnahmslos Profis. „Es ist kein Amateur mehr mit dabei“, sagt Kähler. Mit Kapitän Laurent Jans (SC Paderborn), Florian Bohnert und Leandro Martins (beide FSV Mainz 05) spielen drei Luxemburger in der Ersten Bundesliga. Andere sind mit ihren Teams international im Einsatz. Das macht sich bei Länderspielen bemerkbar. „Jeder von ihnen weiß um die Wichtigkeit von Regeneration.“ Selbst nach Siegen wie dem 4:0 gegen Moldawien in der Nations League wird nicht ausschweifend gefeiert. Die Kombination aus Alkohol und zu wenig Schlaf sei schließlich das Schlimmste für einen Profisportler, der wenige Tage später wieder fit auf dem Feld stehen soll.

Schließlich will Luxemburg nicht mehr als der Punktelieferant Europas gelten. Die Zeiten seien vorbei, so Kähler. „Seit geraumer Zeit wird wirklich ansehnlicher Fußball gespielt.“ Die Ergebnisse unterstreichen dies. In der Nations League steigt man in die C-Liga auf, in der EM-Qualifikation muss man sich zwar mit Rang vier zufriedengeben. Die höchste Niederlage bleibt jedoch das 0:3 in Portugal. „Die Portugiesen haben mit voller Kapelle gespielt“, erinnert sich Kähler an jenen Abend im Oktober. Auch im Rückspiel vor zwei Wochen hieß es nur 0:2. „Früher hätte man sich darüber gefreut, nur 0:2 zu verlieren. Heute ärgert man sich schon.“

Um ein Autogramm hat der Türkheimer nicht gebeten

Nach diesen Spielen klatschte er auf dem Platz mit Cristiano Ronaldo ab. „Aber um ein Autogramm oder Selfie habe ich nicht gebeten. Das wäre gegenüber unseren Spielern nicht so toll“, sagt Kähler. Wie lange er diesen Spagat zwischen Luxemburgs Nationalteam und seinem Arbeitsplatz in Mindelheim noch machen will? „Im Fußball kann es schnell gehen“, sagt Kähler und lacht. Doch es sei ein Traum, mit dieser Mannschaft einmal an einem großen Turnier teilnehmen zu können.

Ein weiterer Traum sei die Teilnahme als Physiotherapeut bei den Olympischen Spielen. Die Weichen dafür hat er schon einmal gestellt: „Ich habe mich beim Deutschen Olympischen Sportbund für eine spezielle Fortbildung für Physiotherapeuten beworben.“

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