Das Mindelheimer Forum war Schauplatz für die Premiere der "Southern Wrestling Zone", einer neuen Wrestling-Promotion, die im Allgäu Fuß fassen will. Das erste Event mit acht Kämpfen war schon einmal sehenswert. Im November soll das zweite Event folgen.Foto: Axel Schmidt
Möglicherweise muss der Werbeslogan der Stadt Mindelheim demnächst umgeschrieben werden: Als „Stadt der Kultur und Lebensfreude“ wirbt sie bislang für sich. Als „Stadt der Show und Kampfsportfreude“ könnte sie sich in einschlägigen Foren und Fankreisen einen Namen machen. Denn die Wrestling-Premiere im Forum war ein gelungenes Event.
Wrestling, diese Mischung aus Show und Sport, mit überzeichneten Charakteren und spektakulären Kämpfen im Ring, lockte gut 100 Fans ins Mindelheimer Forum. Die sollten ihr Kommen nicht bereuen.
Erster Auftritt der „Southern Wrestling Zone“ in Mindelheim
Für Veranstalter Dominik Schien, der in der Szene seit Jahren als Don Sheen bekannt ist, war es durchaus ein Wagnis. Denn das Allgäu sei in Sachen Wrestling ein weißer Fleck in der Landschaft. Diesen will er nun mit der neu gegründeten Promotion „Southern Wrestling Zone“ zum Leben erwecken. Dafür sei Mindelheim der ideale Standort, weil über die Autobahn gut zu erreichen und mit Freizeitangeboten wie dem Skyline Park oder der Therme in Bad Wörishofen mit einem zusätzlichen Freizeitangebot gesegnet.
Premiere in Mindelheim: Die Wrestler lassen das Forum erbeben
Erstmals findet in Mindelheim ein Wrestling-Event statt. Dabei stehen sich Kämpfer mit Namen wie "Geiler Schnauzer", Terrible Ted jr. oder Sir Aldwyn gegenüber.
„Die Location ist klasse“, zeigte sich Schien vor der Veranstaltung vom Mindelheimer Forum begeistert. Ebenso von der Resonanz. „Für das erste Mal ist das Event hier ganz gut besucht“, sagt er und überlässt im Anschluss dem Ringsprecher Mau Fernando die Eröffnung des Abends. Der verspricht „pure Energie“ und ruft die ersten Kämpfer herein: Dave Blane trifft dabei auf David Adili.
Die Wrestler verstehen ihr Handwerk und unterhalten die Zuschauer bestens
Schnell wird klar: Die Protagonisten des Abends verstehen ihr Handwerk. Nicht nur, dass sie verschiedene Wrestling-Moves intus haben, sie agieren auch gut mit dem Publikum. Dave Blane und David Adili ist der Ring beispielsweise nicht genug und sie kämpfen einfach außerhalb weiter. Den Zuschauern gefällt's, die Ringrichter haben ihre Mühe.
Im zweiten Kampf des Abends wird dann von Beginn an klar, wer die Guten und wer die Bösen sind. Im gemischten Tag-Team treten Ace und Warchild Saga (eine recht zierliche junge Dame) gegen die düsteren Marrow und Nicky Foxley an – und nutzen jede Möglichkeit, ihre Gegner auf die denkbar unfairste Art und Weise zu besiegen. So kommt zwischendurch sogar eine Spraydose zum Einsatz.
Dann hat der „geile Schnauzer“ seinen Auftritt
Es folgt ein Sieg von Bobby Blue gegen Andrew Creed aufgrund der Disqualifikation Creeds. Dann steigt Aaron Insane gegen den Lokalmatadoren Leo Bronson aus Kaufbeuren in den Ring und macht mit diesem kurzen Prozess. „Habt ihr hier nichts Besseres?“, fragt der wunderbar unsympathische Insane in die Runde. Die Antwort kommt prompt: in Form eines prägnanten Schnurrbarts. Kevin Kaiden, der unter dem Kampfnamen „der geile Schnauzer“ seit sechs Jahren durch die Wrestling-Ringe zieht, sieht sich genötigt, diesen Aaron Insane aus „Nauheim, nicht Bad Nauheim“ in die Schranken zu weisen.
Kevin „der geile Schnauzer“ Kaiden gewinnt sein Match gegen Aaron Insane unter dem Jubel der mitgereisten Fans.Foto: Axel Schmidt
Weil Kaiden aus der Nähe von Schwabmünchen stammt, hat er eine größere Fangemeinde mit dabei, die ihn mit lauten Wechselgesängen anfeuert und ihm so die nötige „Schnauzerpower“ gibt. Natürlich gewinnt am Ende der Schnauzer gegen den großmäuligen Insane. „So nah hatte ich es noch nie“, sagt Kevin Kaiden über den Austragungsort Mindelheim. In Wien sei er schon im Ring gestanden, ebenso in Hannover.
In der Pause verkaufen die Wrestler T-Shirts und Autogrammkarten.Foto: Axel Schmidt
Das Heimspiel ist für den 31-Jährigen aber etwas Besonderes. „Ich bin einer der Guten“, sagt er und verrät, wie er sich auf die jeweiligen Kämpfe vorbereitet. „Ein solcher Kampf ist gar nicht mal von so langer Hand geplant. Heute habe ich zehn Minuten vorher mit meinem Gegner gesprochen, das reicht. Mit ihm hatte ich auch noch nie einen Einzelkampf“, erzählt Kaiden, ehe er sich in der Kampfpause an seinen Merchandising-Stand stellt und wie die anderen Wrestler auch T-Shirts und Autogrammkarten verkauft. Bei Kaiden gibt es sogar einen Schnauzer zum Ankleben zu kaufen.
Ein Schwergewichtsmatch beendet den unterhaltsamen Abend
Nach der Pause geht es rasant weiter. Das Tag-Team Skyfall, zwei brave Burschen, die auch in einer Boygroup gut aufgehoben sein könnten, stehen sich dem Joker-Gesicht Sir Aldwyn und seinem in einer Zwangsjacke steckenden Teamkollegen 591 gegenüber. Auch hier ist schnell klar, wer die Guten und wer die Bösen sind, am Ende siegt Skyfall. Ardit Alija und Chris Rush stehen sich danach gegenüber, hier behält Rush die Oberhand. Es folgt eine Verve, wie sie im Wrestling-Universum nicht unüblich ist: Plötzlich nämlich steht Dave Blane wieder im Ring, vertreibt zunächst Chris Rush, um sich dann noch an Ardit Alija abzuarbeiten.
Die Wrestling-Show hatte spektakuläre Kämpfe zu bieten.Foto: Axel Schmidt
Es folgt der Auftritt von „Zebra“ Derek Bryce und seinem Gegner Halfdan Sigurdsson aus Oslo. „Mach das Zebra fertig“, wird dieser von einem Fan angefeuert. „Welches denn?“, fragt er zurück und zeigt auf Bryce und den Ringrichter, der ein schwarz-weiß gestreiftes Hemd trägt. Ob es diese Unsicherheit war, die zur Niederlage führt? Richtig in Schwung kommt der Ring dann im letzten Kampf des Abends: Michael Noel (110 Kilogramm) misst sich in einem Schwergewichts-Duell mit Terrible Ted jr. (130 Kilogramm). Hier geht der „schreckliche Ted“, dessen gewaltiges Rücken-Tattoo eine Mangafigur darstellt und gar nicht so schrecklich wirkt, als Sieger hervor und beendet einen archaischen, aber äußerst unterhaltsamen Abend.
Dominik Schien, alias Don Sheen, war zufrieden mit dem ersten Wrestling-Event in Mindelheim.Foto: Axel Schmidt
Wer dieses Wrestling-Event verpasst hat, sollte sich den 21. November im Kalender anstreichen. Dann nämlich kommt die Southern Wrestling Zone erneut nach Mindelheim. „Es werden dann auch andere Gesichter dabei sein“, verspricht Dominik Schien. Denn eines sei klar: „Wir wollen nicht stagnieren.“
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