Christoph Handfest (links) erklärt dem BLSV-Kreisvorsitzenden Benjamin Adelwarth die Unterschiede bei den Darts-Pfeilen.Foto: Axel Schmidt
Die Kardinalfrage gleich zu Beginn: Ist Darts wirklich Sport? „Aber klar doch“, sagt Christian Förg vom TSV Kammlach. „Es ist halt eher ein Sport für den mentalen Bereich“, pflichtet ihm Christoph Handfest bei.
Beide tragen ein gelb-schwarzes Trikot der „Kammelfighters“, wie auf dem Rücken zu lesen ist. Auch das ein Beleg dafür, dass es sich um eine Sportart handelt. Außerdem wird im Sportheim des TSV Kammlach auf vier Darts-Automaten gespielt. Von der Zimmerdecke baumeln Fußballtrikots des TSV Kammlach, auf Regalen an einer Wand sind Pokale aufgereiht, auf den Tischen im Gastraum stehen Wasser-, Limo- und Bierflaschen, ein Schild über dem Tresen wirbt für Leberkässemmeln. Mehr Sport geht nicht.
Seit zwei Jahren gibt es die Darts-Abteilung in Kammlach
Es ist Trainingstag der neuen Darts-Abteilung des TSV Kammlach. Seit April 2024 besteht diese und hat sich zu einem lebendigen Teil des Vereins entwickelt. „Wir wollten für die ehemaligen Fußballer etwas bieten“, erklärt Handfest. „Damit sie weiterhin Grund haben, herzukommen und nicht zu passiven Mitgliedern werden.“ Vor gut zwei Jahren reifte die Idee. Schließlich sei Darts ein geselliger Sport, der in nahezu jedem Alter betrieben werden kann. „Wir haben 50, 60 Telefonnummern in eine WhatsApp-Gruppe gepackt und einfach mal gefragt, wer denn Bock hätte, regelmäßig Darts zu spielen“, erzählt Christian Förg.
Die Kammelfighters gibt es seit zwei Jahren.Foto: Axel Schmidt
Bock hatten viele. Zur Freude von Förg. Der 47-Jährige wohnt mittlerweile in Kaufbeuren und ist einer von denen, die mit dem aktiven Fußball abgeschlossen haben. Den Kontakt zum TSV Kammlach aber wollte er nicht abreißen lassen. So trommelte er zusammen mit Christoph Handfest die Darts-Interessierten zusammen. Mittlerweile seien es rund 30 aktive Spieler, die sich zum großen Teil in sechs Mannschaften im Ligabetrieb wiederfinden. „Wir sind mit drei Mannschaften im Ligabetrieb des Royal Darts-Verband Allgäu gestartet – und alle drei Mannschaften sind gleich im ersten Jahr aufgestiegen“, sagt Handfest. Zudem wurde Alex Schulz als zweitbester Einzelspieler ausgezeichnet. An der Wand zeugen die Pokale von diesem Coup.
Drei Mannschaftspokale und eine Einzelauszeichnung sind im Vereinslokal ausgestellt.Foto: Axel Schmidt
Nun gelte es, die noch junge Abteilung mit einer langfristigen Struktur auszustatten, sagt Handfest. Dazu sollen auch Trainer ausgebildet werden: „Zwei unserer Spieler möchten in diesem Bereich einen Trainerschein absolvieren, um die sportliche Entwicklung weiter zu fördern“, sagt Handfest. Auch der Aufbau einer Darts-Jugendabteilung ist angedacht. Das Ziel der Kammlacher ist klar umrissen: „Wir möchten ein durchgängiges Angebot für alle Altersgruppen schaffen – von jung bis alt.“
Benjamin Adelwarth lässt sich die Geheimnisse des Darts-Sports erklären
Der Boden ist bereitet. Aktuell sind die Kammlacher Dartsspieler fleißig im Training. „Wir haben immer zwischen 15 und 20 Spieler hier“, sagt Handfest. So auch diesmal, als mit dem BLSV-Kreisvorsitzenden Benjamin Adelwarth ein Neuling zu Gast ist, der sich in die Geheimnisse des Dartssports einweisen lassen will. „Wie lange muss man denn trainiert haben, um in ein Ligaspiel gehen zu können“, fragt Adelwarth. Die Antwort, zumindest im Fall der Kammlacher: „Spielt keine Rolle. Du wirst praktisch ins kalte Wasser geworfen, dann spielt man einfach“, sagt Förg.
Christian Förg hat die Darts-Abteilung beim TSV Kammlach ins Leben gerufen.Foto: Axel Schmidt
Während die Spieler der Kammelfighters drei der vier E-Darts-Automaten für ihre Trainingsrunden in Beschlag nehmen, geben Förg und Handfest dem BLSV-Kreisvorsitzenden eine kurze Einweisung in den Sport. So erfährt Adelwarth, wie ein Dartspfeil aufgebaut ist. Dieser besteht aus vier Komponenten, die sich unterscheiden können: der Spitze, dem Barrel (Wurfkörper), dem Schaft und den Flügeln. Je nach Beschaffenheit ändert sich die Flugeigenschaft des Pfeils. Ein Pfeile-Set im E-Darts-Bereich ist ab etwa 30 Euro zu haben. „Nach oben ist der Preis offen“, sagt Christian Förg. „Du kannst dir auch ein Set eines Profis kaufen, das kostet dann das Zehnfache.“
Zwischen „501“ und „Shanghai“ – der E-Darts-Automat bietet viele Möglichkeiten
Nur ist damit nicht garantiert, dass man auch besser trifft. Das hängt von anderen Faktoren ab. So zeigt Förg Adelwarth zunächst den richtigen Stand: „Die Belastung ist auf dem vorderen Fuß, mit dem hinteren Fuß stabilisiert man seinen Stand. Dann versucht man, in möglichst einem Zug den Pfeil Richtung Board zu werfen.“ Die ersten Versuche Adelwarths sind zwar breit gestreut, doch sie treffen die Scheibe und bleiben dort auch stecken.
BLSV-Kreisvorsitzender Benjamin Adelwarth gibt beim Darts eine gute Figur ab.Foto: Axel Schmidt
Im weiteren Verlauf des Trainingsbesuchs werden seine Versuche immer besser. Beim Trainingsspiel „Shanghai“, bei dem nacheinander die Felder eins bis sieben auf der Scheibe getroffen werden müssen, legt er gut los: Er trifft die eins, danach die zwei. „Das gefällt mir“, sagt Adelwarth. Doch bei der drei ist Schluss. Es ist nur eine von vielen Spielmöglichkeiten, die der Automat hergibt. Am beliebtesten und bekanntesten ist „501 Double Out“. Dabei spielen zwei Spieler gegeneinander und versuchen möglichst schnell von 501 Punkten auf exakt null Punkte zu kommen. Es ist die Darts-Variante, die auch bei der WM in London gespielt wird.
Der TSV Kammlach richtete schon drei große Hobbyturniere aus
„Die Profis fangen ab 300 an, herunterzurechnen“, sagt Förg. Sprich: Mit welchen Trefferkombinationen sie möglichst schnell auf null kommen. Der schnellstmögliche Weg ist der legendäre „Neun-Darter“, also mit nur neun Würfen von 501 auf null zu stellen. Es ist dann das perfekte Spiel. Spoiler: Benjamin Adelwarth wird an diesem Abend keinen Neun-Darter schaffen. Doch das ist unwichtig. Denn die Faszination, die von diesem ehemaligen Kneipenspiel ausgeht, ist beeindruckend. Nicht nur in London, wenn die Darts-WM zum Jahresende wieder tausende Fans in den Ally Pally und weitere Millionen vor die Fernsehgeräte lockt. Auch im Unterallgäu ziehen Darts-Veranstaltungen die Massen an.
BLSV-Kreisvorsitzender Benjamin Adelwarth besucht bei seiner Trainingstour durch sämtliche Sportarten seines BLSV-Kreises diesmal die Darts-Abteilung des TSV Kammlach.Foto: Axel Schmidt
In Eppishausen findet seit einigen Jahren das größte Darts-Turnier im Allgäu statt, 64 Teams spielten heuer bis Mitternacht um den Sieg. Auch beim TSV Kammlach haben sie schon drei Hobby-Darts-Turniere veranstaltet. Zuletzt mit 28 Mannschaften, die auf acht Automaten spielten. „Natürlich kostümiert“, wie Förg grinsend erzählt. Schließlich gehört beim Darts auch ein fantasievoller Auftritt dazu. Die Kammlacher haben jedenfalls ein klares Ziel vor Augen: „Irgendwann wollen wir das zweitgrößte Dartsturnier im Allgäu austragen.“
Bunt ging es zu beim dritten Hobbyturnier des TSV Kammlach.Foto: Christoph Handfest
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