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TSV Mindelheim: Auch im Jugendfußball hält die Spielanalyse Einzug in den Trainingsbetrieb

Jugendfußball

So bereitet sich die D-Jugend des TSV Mindelheim auf das „Spiel der Woche“ vor

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    Die beiden Trainer Benjamin Boxler (links) und Thomas Schlögel analysieren gemeinsam mit den D-Junioren des TSV Mindelheim ein Spiel in der BOL gegen den TSV Kottern.
    Die beiden Trainer Benjamin Boxler (links) und Thomas Schlögel analysieren gemeinsam mit den D-Junioren des TSV Mindelheim ein Spiel in der BOL gegen den TSV Kottern. Foto: Axel Schmidt

    Es ist mucksmäuschenstill in der Kabine der ersten Mannschaft des TSV Mindelheim. Von der Decke erhellt das leuchtende TSV-Wappen die Kabine, in der 14 Spieler der D-Jugend-Mannschaft auf den Bänken und der Massagebank sitzen und gebannt in Richtung Fernsehbildschirm blicken. Tags zuvor zog der FC Bayern München ins DFB-Pokalfinale ein. Doch dessen Szenen werden nun nicht gezeigt.

    Stattdessen schließt Trainer Benjamin Boxler seinen Laptop an den Bildschirm an und ruft die Veo-App auf. Dieses Tool gilt derzeit als das Maß der Dinge, wenn es um die Analyse von Amateurfußballspielen geht. Er wird in der nächsten halben Stunde Szenen aus dem Bezirksoberliga-Spiel des TSV Mindelheim gegen den TSV Kottern zeigen. Die Nachwuchskicker sehen also sich selbst in Aktion, ihre Fehler genauso wie gute Spielszenen.

    Der FC Memmingen nutzt diese Möglichkeit ebenso wie der TSV Mindelheim

    Der dänische Anbieter Veo, der Kameras samt Analyse-Software erfolgreich vertreibt, bietet jedem Verein die Möglichkeit, seine Spiele genau unter die Lupe zu nehmen. Die grünen Kameras, die auf einem Stativ vom Seitenrand ein komplettes Fußballspiel aufnehmen können, sind auch im Allgäu an vielen Standorten zu sehen. Dabei macht es keinen Unterschied, ob es sich um einen Regionalligisten wie den FC Memmingen handelt, oder um einen Kreisligisten wie den TSV Mindelheim.

    Immer mehr Amateurfußballteams zeichnen ihre Spiele mit sogenannten Veo-Cams auf.
    Immer mehr Amateurfußballteams zeichnen ihre Spiele mit sogenannten Veo-Cams auf. Foto: Matthias Becker

    Man muss sich das zwar leisten können und wollen, doch Peter Michelbach, Teammanager des TSV Mindelheim, ist von der Technik überzeugt: „Wir können die Kamera ja für sämtliche Spiele nutzen, egal, ob erste Mannschaft oder D-Jugend“, sagt er. Die rund 3000 Euro, die der TSV Mindelheim für die Hardware, also die Veo-Kamera samt Stativ, und das dazugehörige Analyse-Abonnement dafür hinblättert, seien gut investiertes Geld, meint Michelbach.

    Für die D-Junioren ist es etwas Besonderes, sich selbst im TV zu sehen

    Tatsächlich beeindruckt die künstliche Intelligenz (KI) der Analyse-Software. Sie filtert die Schlüsselmomente des Spiels heraus. Daneben haben die Trainer die Möglichkeit, selbst Szenen auszuwählen, die bestimmte Dinge veranschaulichen sollen. „Das ist der Spielzug des Jahrhunderts“, sagt etwa Benjamin Boxler in der Videoanalyse zu seinen D-Junioren. Er zeigt eine Spieleröffnung, die über drei schnelle Pässe vom eigenen Strafraum in die gegnerische Hälfe führt. „Ballgewinn, Klatschball, Doppelpass, tiefer Ball in die Spitze – da war alles drin“, lobt er. Die Spieler grinsen und nicken.

    Thomas Schlögel zeigt an einer Spielszene, wie die Mindelheimer D-Junioren ihr Anlaufverhalten verbessern könnten.
    Thomas Schlögel zeigt an einer Spielszene, wie die Mindelheimer D-Junioren ihr Anlaufverhalten verbessern könnten. Foto: Axel Schmidt

    Für sie ist es etwas Besonderes, sich selbst „im Fernsehen“ zu sehen. Auch wenn es einmal Fehler zu sehen gibt. Aus Fehlern lernt man schließlich am besten, bestätigen Benjamin Boxler und sein Trainerkollege Thomas Schlögel: „Wir zeigen gute Aktionen, sprechen aber auch Fehler an.“ Zu Saisonbeginn beispielsweise seien die offensiven Flügel „nahezu verwaist gewesen“ (Boxler). Nach dem Videostudium und dem anschließenden Training war diese Nachlässigkeit in der Folgezeit praktisch behoben. „Die Videos sagen mehr als Tausend Worte“, sagt Boxler. „Die Jungs sehen, was sie falsch gemacht haben, kommen dann selber drauf, wie sie es besser machen könnten – und machen das im nächsten Spiel auch besser.“

    Alle Fehler lassen sich auch durch die beste Analyse nicht abstellen

    Freilich: Ganz abstellen lassen sich Fehler auch durch die Veo-Analyse nicht. Weder bei den D-Junioren des TSV Mindelheim noch bei den Regionalligakickern des FC Memmingen. Doch sie vereinfacht die Arbeit der Trainer erheblich und schafft neue Möglichkeiten. Als Trainerlegende Esad Kahric mit dem FC Memmingen in der Saison 2010/2011 den Aufstieg in die Regionalliga schaffte, steckte Videoanalyse noch in den Kinderschuhen. Von künstlicher Intelligenz, die Spielszenen automatisch erkennt und sortiert, keine Spur. Stattdessen tauschten Trainer untereinander gebrannte CDs aus und sichteten Material am heimischen Rechner. Der heute 67-Jährige erinnert sich noch gut, wie er damals von Manuel Baum, seinerzeit Coach bei der SpVgg Unterhaching, heute Trainer des FC Augsburg, eine CD mit Szenen einer Drittligapartie gegen SV Wacker Burghausen erhielt. Der FC Memmingen traf später im Pokal auf Burghausen – und verlor dennoch 0:2. „Videoanalyse ist eben nicht alles“, sagt Kahric und lacht.

    Esad Kahric vom FC Memmingen ist ein großer Verfechter des digitalen Analyse-Systems.
    Esad Kahric vom FC Memmingen ist ein großer Verfechter des digitalen Analyse-Systems. Foto: Matthias Becker

    Dennoch bringen die Veo-Cams „riesige Vorteile“ mit sich, betont der sportliche Leiter des FC Memmingen. Standardsituationen ließen sich akribisch austüfteln, das Positionsspiel mit Ball gezielt verbessern. Vor allem aber eröffne die Technik neue Perspektiven auf den einzelnen Spieler. Ein Werkzeug, das nicht nur in der Trainingsarbeit, sondern auch im Scouting Gold wert sei. Kahric gerät regelrecht ins Schwärmen. Auch in Mindelheim sind sie von dieser Möglichkeit begeistert: „Ich kann jeden einzelnen Spieler anhand seiner Trikotnummer anwählen. Dann spuckt mir die KI sämtliche Szenen von ihm in diesem Spiel aus“, sagt Benjamin Boxler. Dazu gebe es noch zahlreiche Statistiken zu Ballbesitz, Torschüssen, Passquoten und so weiter, ergänzt Thomas Schlögel.

    Mindelheimer U13 empfängt am Samstag den FC Memmingen

    Sie bereiten ihre Mannschaft, die in der Bezirksoberliga im Kampf um den Klassenerhalt steckt, mit dieser Videoanalyse auf das kommende Heimspiel vor: Am Samstagvormittag (10.30 Uhr) empfangen die Mindelheimer dann den FC Memmingen. „Der FC Memmingen ist ähnlich stark wie der TSV Kottern“, sagt Boxler zu den Spielern. „Aber wie ihr in den Szenen seht: Wenn wir dagegen halten und alle gemeinsam draufgehen, dann kriegt auch eine spielstarke Mannschaft wie Kottern Probleme“, sagt Thomas Schlögel. „Die haben am Ende nur noch weite Bälle gespielt, was total untypisch ist für sie.“

    Auch am Samstag wird dann die grüne Veo-Kamera ihren Blick über das „Spiel der Woche“ der D-Junioren schweifen lassen, um den Trainern beider Mannschaften im Anschluss die Daten und Szenen für die Spielanalyse zu bieten. Denn: „Die Vereine tauschen sich untereinander aus“, wie Benjamin Boxler sagt. Hat sein Team ein Auswärtsspiel bei einem anderen Verein, der ebenfalls die Veo-Kamera nutzt, fragt er an, ob er die Aufzeichnung bekommen kann – und umgekehrt. „Es ist ein Geben und Nehmen.“ Gerade so, wie es Trainer vor Jahren mit Videokassetten oder – zu Kahrics Zeiten – mit CDs getan haben.

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