Unterallgäuer Sportlerehrung: Landrat Eder zeichnet in Mindelheim zahlreiche Sportler und Mannschaften aus
Sportlerehrung
Unterallgäuer Sportler erhalten Medaillen und Tipps von einer Olympia-Teilnehmerin
Landrat Alex Eder zeichnet rund 130 Sportler und Funktionäre für deren Leistungen aus. Als Überraschungsgast spricht eine Olympionikin den Sportlern Mut zu.
Bei der Sportlerehrung zeichneten Landrat Alex Eder und BLSV-Kreisvorsitzender Benjamin Adelwarth rund 130 Einzelsportler und 33 Mannschaften aus.Foto: Axel Schmidt
Schon im Foyer des Mindelheimer Forums wurde klar, dass es sich bei der diesjährigen Sportlerehrung des Landkreises Unterallgäu um eine besondere handelt: In Vitrinen wurden sämtliche Landkreis-Medaillen ausgestellt, die Jahr für Jahr an die erfolgreichen Sportlerinnen und Sportler ausgegeben werden.
Das hatte einen Grund: Die Sportlerehrung fand in diesem Jahr zum 50. Mal statt. „Sport hat eine große Tradition im Unterallgäu“, sagte Landrat Alex Eder zu Beginn des Ehrungsabends. Die gelte es zu bewahren.
130 Vertreter von traditionellen und modernen Sportarten werden geehrt
Zusammen mit dem Vorsitzenden des BLSV-Kreises Unterallgäu-Memmingen, Benjamin Adelwarth, überreichte der Landrat in den folgenden zwei Stunden allen geladenen 130 Einzelsportlern die neue Landkreis-Medaille, deren Vorderseite in diesem Jahr die Wallfahrtskirche Maria Steinbach in Legau ziert. Die beiden ließen es sich dabei nicht nehmen, mit jedem ein paar Worte zu wechseln, sich mitunter auch die Erfolge oder gar Sportarten erklären zu lassen.
Ein Abend für den Sport: die Unterallgäuer Sportlerehrung in Mindelheim
Der Landkreis Unterallgäu zeichnet in Mindelheim seine erfolgreichen Sportler des vergangenen Jahres aus. Mit dabei: eine ehemalige Olympia-Teilnehmerin als Überraschungsgast.
Etwa von Bastian Dörr, der heuer erstmals auf der Sportbühne stand. Er betreibt die Sportart „Cable Wakeboard“: Dabei wird ein Sportler von einer Wasserski-Anlage über das Wasser gezogen, jedoch steht er nicht auf einem Paar Skiern, sondern auf einem Wakeboard. „Wir haben in Memmingen eine eigene Anlage, wo in diesem Jahr auch die Allgäuer Meisterschaft am 11. Juli ausgetragen wird“, sagte Dörr nach seiner Ehrung.
Bastian Dörr (Mitte) machte bei der Ehrung noch schnell ein Selfie mit Benjamin Adelwarth und Alex Eder.Foto: Axel Schmidt
Er selbst hat schon an bayerischen, deutschen oder den österreichischen Meisterschaften teilgenommen. „Unseren Sport macht die Community aus: Es ist zwar ein Einzelsport, aber wir feuern uns alle gegenseitig an und freuen uns, wenn einem Teilnehmer ein besonderer Move gelingt“, erklärt Dörr. Der Sport sei außerdem für jedes Alter geeignet, als Beweis nennt er seine Tochter: „Sie fährt mit ihren sieben Jahren auch schon auf dem Wakeboard.“ Und steht vielleicht auch einmal auf der Bühne bei der Sportlerehrung.
Manche Geehrte sind eine feste Institution bei der Unterallgäuer Sportlerehrung
Dort fanden sich viele Sportler im Laufe des Abends ein, die praktisch schon zum Inventar der Veranstaltung gehören: langjährige Schützen wie Michael Dreher aus Stetten, Erich Huber aus Memmingerberg oder Karolin Vogt aus Tussenhausen, die Geher des SV Breitenbrunn um Felix, Andrea und Joachim Maier oder die Riege der Sportabzeichenträger des TSV Bad Wörishofen. Ebenfalls eine Institution sind die Schwimmer des TSV Bad Wörishofen und TSV Mindelheim, die Radfahrer des VC Mindelheim und des RSC Bad Wörishofen oder die Turnerinnen des TSV Markt Wald.
Erstmals dabei waren dieses Mal auch die jungen Turnerinnen des TSV Mindelheim. Das Trio um Leonie Bartenschlager, Alena Kuci und Finja Reymann hatte im vergangenen Jahr die schwäbische Meisterschaft in der AK7/8 gewonnen. „Vier Stunden pro Woche trainieren wir“, sagte Finja Reymann.
Benjamin Adelwarth (links) und Landrat Alex Eder (rechts) rahmen die jungen Turnerinnen des TSV Mindelheim ein (weiter von links): Finja Reymann, Leonie Bartenschlager und Alena Kuci.Foto: Axel Schmidt
Dass es dabei zu Unfällen kommen kann, sah man Leonie Bartenschlager an, die an Krücken ging. Das rot-glitzernde Turndress trug sie dennoch, während ihre beiden Teamkolleginnen auf der Bühne noch eine kleine Turneinlage zum Besten gaben. „Ich bin beim Training umgeknickt, deswegen habe ich nicht mitgemacht“, sagte sie. Aber die Medaille tröstete darüber hinweg. Es war die erste, aber möglicherweise nicht die letzte Auszeichnung dieser Art.
Zwei langjährige Funktionäre erhalten großen Applaus
Den zweiten Teil des Festabends, der im Stadttheater stattfand, eröffneten zunächst die beiden Hip-Hop-Tänzerinnen Penelope Pflaum und Yade Usmann, die beide zuvor ihre Medaillen für ihre Erfolge bei süddeutschen und deutschen Meisterschaften erhalten hatten. Dann schritten Eder und Adelwarth erneut zur Ehrungs-Tat: „Ich bin froh, dass ich heute so viele Hände schütteln durfte“, sagte BLSV-Kreisvorsitzender Adelwarth. Das zeige, dass der Sport einen hohen Stellenwert im Landkreis habe. „Sport ist der Kitt unserer Gesellschaft“, fügte Landrat Eder an. Damit Vereine funktionierten, benötige es aber auch viele ehrenamtliche Helfer. Zwei von ihnen wurden dann besonders geehrt: Martin Loracher und Thomas Wegst. Loracher ist seit über 35 Jahren aktives Mitglied in der Fußballabteilung des TSV Kirchheim. Wegst gehört dem TSV Bad Wörishofen von Kindesbeinen an und startete 1999 seine Funktionärstätigkeit dort als Abteilungsleiter der Leichtathleten. Mittlerweile führt Wegst den Verein seit 2015 als Vorsitzender an.
Yade Usmann (links) und Penelope Pflaum eröffneten mit Hip-Hop-Moves den zweiten Teil des Festabends.Foto: Axel Schmidt
Überraschungsgast Susi Erdmann spricht über ihren Werdegang
Erdmann hat an fünf Olympischen Spielen teilgenommen und dabei eine Silber- und zwei Bronzemedaillen im Rodeln und im Zweierbob gewonnen. „Die schönsten Spiele waren 1994 in Lillehammer“, sagte sie und schwärmte von der tollen Stimmung bei den Wettkämpfen und der Bodenständigkeit der Spiele. Vom Gigantismus, der sich seitdem bei Olympia breitgemacht hat, hält sie nichts. „Ich bin ja jetzt in Rente und habe heuer das erste Mal die Olympischen Spiele live im Fernsehen verfolgt. Ich weiß nicht, wo der Weg des Wintersports hinführt“, sagte sie mit Blick auf die großen Entfernungen der Wettkampfstätten heuer in Cortina.
Landrat Alex Eder (links) und BLSV-Kreisvorsitzender Benjamin Adelwarth (rechts) bei der Talkrunde mit Susi Erdmann.Foto: Axel Schmidt
Ihre prägendste Olympia-Teilnahme sei die Bronzemedaille 1992 in Albertville gewesen: „Es waren die ersten Spiele für die gesamtdeutsche Mannschaft. Da ist für uns Athleten aus der ehemaligen DDR ganz schön viel eingeprasselt, was wir nicht kannten“, erzählt sie. Sie habe sich damals sehr viel Druck gemacht. Zu viel, denn den Start in den ersten Lauf habe sie komplett verhauen. Als Sechste waren ihre Chancen auf eine Medaille äußerst gering. „Das war ein Schlag ins Gesicht. Ich bin dann in den Wald neben der Bahn gegangen und habe geheult.“ Doch dann hat ihr Kämpferherz wieder zu schlagen begonnen. „Ich habe mir ausgerechnet, welche Zeiten ich in den drei weiteren Läufen fahren muss, um eine Medaille zu holen. Die war mein Ziel.“ Drei Läufe und drei Bestzeiten später hatte sie ihre Bronzemedaille gewonnen. „Das war die emotionalste Medaille für mich“, sagt sie heute.
Susi Erdmann bei der Sportlerehrung: „Selbstreflexion ist ungeheuer wichtig“
Das gab sie auch allen anwesenden Sportlerinnen und Sportlern mit: „Geht den Sport mit Spaß, aber auch Disziplin an. Und lernt, mit Niederlagen umzugehen. Selbstreflexion ist ganz wichtig, um besser zu werden. Man muss aus Fehlern lernen.“ Erdmann ist im Harz aufgewachsen und wurde aufgrund ihrer Größe früh für den Sport entdeckt. „Leichtathletik war aber nichts für mich. Dann haben sie mich auf den Schlitten gesetzt – und das war es dann. Die Geschwindigkeit und die Fliehkräfte haben es mir angetan“, sagte sie. Mit zwölf Jahren ging es in die Sportschule: „Von da an hieß es jeden Tag: Schule, danach Training.“ Es sei hart und anstrengend gewesen, „aber wenn man das nicht macht, wird man auch nicht in die Weltspitze kommen“, sagte Erdmann. Aus ihrem Jahrgang, der mit 30 Sporttalenten gestartet war, hätten am Ende nur vier Abitur gemacht, darunter auch der erfolgreiche Biathlet Frank Luck.
Susi Erdmann war angetan von der schön gestalteten Seite im Gästebuch des Landkreises.Foto: Axel Schmidt
Auch wenn die Ausbildung in der ehemaligen DDR hart war, so hatte der Sport eine ganz andere Akzeptanz in der Gesellschaft als heute. Als Bundeswehrsoldatin, die nach ihrer aktiven Karriere für die Sportausbildung der Soldaten zuständig war, sei es für sie erschreckend zu sehen, wie schwer sich junge Menschen heute mit Koordination und Kondition tun. Deswegen plädiert sie für mehr Schulsport: „Die Kinder müssen raus und sich bewegen!“ Worte, die in Mindelheim gut ankamen.
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