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Türkheim
04.05.2022

Eine wilde Achterbahnfahrt für echte Cinemaniacs

Richtig, hier geht es um einen Horrorfilm. Das Foto zeigt (von links): Kai Erfurt, die Schauspielerin Claudia Katharina Bock, Regisseur Johannes Schärfke und Thomas Zeug.
Foto: Kathrin Elsner

Das Festival des sonderbaren Films in Türkheim ist eine Bühne für Talente. Ein Film wurde erst tags zuvor fertig, ein anderer per Handy gedreht.

Die grenzenlose Liebe zum Film war in Türkheim mehr als spürbar – bei Filmemachern, Filmliebhabern und den Organisatoren Kai Erfurt und Thomas Zeug gleichermaßen. Aus 540 eingereichten internationalen Filmen waren 35 Kurz- und drei Langfilme ausgewählt worden. Das Besondere: Keiner der rund 135 Gäste kannte das Pogramm. Das 26. „Cine-Maniacs Filmfestival“ wurde so zur einer „wilden Achterbahnfahrt“ durch Doku, Drama, Action und Horror.

Zum Einstieg in die lange Filmnacht verriet Michael Valentin die Zutaten für ein perfektes Filmfestival – natürlich per Film: „Filme, Action, Liebe, einen Schuss Humor, etwas Zeug und eine Prise Kai.“ Gemeint war Kai Erfurt. Valentin muss es wissen. Der Saarländer ist seit 15 Jahren Teil des Festivals. Und so war es dann auch. Erfurt und Zeug führten mit Gefühl und gelebter Leidenschaft für den Film durch den Abend – bis 4.30 Uhr morgens.

Die Organisatoren überraschen nicht nur das Publikum, sondern auch die Filmemacher

Besonderen Wert legten sie darauf, neben dem Publikum auch die Filmemacher zu überraschen. Sie präsentierten etliche junge Talente vor dem Abspielen ihres Filmes auf der Leinwand, holten sie für eine kurzes Interview nach vorne und zeigten ihnen ihre ehrliche und von Herzen kommende Wertschätzung. Und so war es auch für Clemens Helmchen ein ganz besonderer Abend – zum ersten Mal wurde einer seiner Kurzfilme auf einem Filmfestival auf der Kinoleinwand gezeigt. Da nahm der 33-Jährige mit seiner Freundin gerne die Reise aus Berlin auf sich und strahlte übers ganze Gesicht, als er von Thomas Zeug im Kinosaal dem Publikum vorgestellt wurde. In seinem anschließend gezeigter Kurzfilm „Herbert“ verarbeitete er nach eigenen Angaben eine Mobbing-Erfahrung. Helmchen zeigte so nicht nur Talent als Filmemacher, sondern auch die vorbildliche Einstellung, aus einer negativen Erfahrung etwas Positives zu machen.

Berhard Holzer war ebenfalls beim Filmfestival in Türkheim mit dabei.
Foto: Kathrin Elsner

Auch Filmtalente aus der Region waren eingeladen. Die 21-jährige Sophia Schuster aus Heimertingen gewann bereits mit 15 Jahren den Deutschen Jugendvideopreis. Ihre Schwester Hannah Schuster (18) sprang mit 13 Jahren kurzerhand für eine ausgefallene Schauspielerin ein und machte ihre Sache so gut, dass sie seitdem immer wieder vor der Kamera ihrer Schwester steht. Schuster darf bereits zum fünften Mal in Folge einen Film in Türkheim zeigen, diesmal „Odessa“, ein 15-minütiger Film über die erste große Liebe. Kai Erfurt hat diesen Film mit produziert, eine Szene wurde sogar im Türkheimer Freibad gedreht. Ein zweites junges Talent war aus Dießen am Ammersee angereist – Filmemacher Bernhard Holzer, der das Cine-Maniacs Filmfestival zum ersten Mal besuchte und dem mit „Collapsing Timeline“ ein anspruchsvoller Science-Fiction Kurzfilm gelungen ist, in dem der 23-Jährige zusätzlich als Schauspieler agierte. Sein ursprünglicher Wunsch als Kind war, Schauspieler zu werden. Als es dann für seine ersten kleinen Filmprojekte keine Helfer für die anderen Tätigkeiten gab, übernahm er kurzerhand das Schreiben, Regieführen, Schneiden und den Ton selbst – ein Multitalent war geboren. Auf die Frage, was das Besondere am Cine-Maniacs Filmfestival für Filmemacher ist, sagt Johannes Schärfke aus München: „Es geht darum das Filmemachen zu zelebrieren, nicht irgendwelche Preise zu gewinnen.“ Auch etliche der kinobegeisterten Besucher genießen die abwechslungsreiche Zusammenstellung des besonderen Films schon seit vielen Jahren. So fühlt es sich für Melanie Bestler aus Mindelheim, die seit 14 Jahren das Event nicht mehr missen möchte, schon wie eine „kleine Familie“ an, in die an diesem Abend aber auch Neulinge herzlich aufgenommen werden. Auch ihre filmbegeisterten Begleiter Jürgen Düringer und Simon Kraus aus Bregenz sind sich einig: „Jedes Jahr muss das sein.“

Um zwei Uhr nachts werden traditionell Energy-Drinks serviert, denn es geht noch lange weiter

Bei allen drei gezeigten Langfilmen handelte es sich um Premieren. Der japanische, deutsch untertitelte, Zeitreisefilm „Nach den unendlichen zwei Minuten“ war als sogenannter „Onetake“ in Echtzeit in einem Stück gedreht worden – mit dem Handy. Der zweite Langfilm „Das Licht aus dem die Träume sind“ sprach wohl vielen im Saal aus dem Herzen, denn er war, wie Erfurt in der Anmoderation betonte, eine „Liebeserklärung an Filme, an Kino, ans Filmemachen“. Sein Wunsch, nach dem Film nur glückliche Gesichter zu sehen, ging in Erfüllung.

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Um 2 Uhr nachts war die letzte Pause, in der traditionell Energy-Drinks verteilt wurden – auf dem Label waren der Cine-Maniacs Schriftzug sowie die Aliens aus dem Kurzfilm von Thomas Zeug zu sehen. Und wer dann immer noch nicht hellwach war, war es spätestens nach der abschließend gezeigten deutschen Premiere des Horrorfilms „X“, dessen gezeigte Fassung erst am Vortag um 12 Uhr fertig gestellt und per Kurier von Berlin nach Türkheim gebracht wurde. Echte Leidenschaft für den Film kennt bei Kino-Inhaber Kai Erfurt eben keine Grenzen – und so wird er bereits im Juni diesen Jahres mit der Planung des 27. Filmfestivals anfangen

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