Die Hoffnungen auf eine konjunkturelle Belebung im Landkreis Unterallgäu, der Stadt Memmingen und in den westschwäbischen Kreisen Günzburg und Neu-Ulm haben sich nicht erfüllt – das zeigen die Ergebnisse der Konjunkturumfrage unter Handwerksbetrieben im vierten Quartal 2025. Die von der Handwerkskammer befragten Unternehmen beurteilen ihre eigene wirtschaftliche Lage mehrheitlich (82 Prozent) als gut oder befriedigend. Im Vergleich zum Vorquartal sind das zwei Prozentpunkte weniger. 18 Prozent bezeichnen ihre Lage als schlecht.
„Viele Betriebe schlagen sich trotz vielfältiger Krisen robust, viele zehren aber zunehmend von ihrer Substanz“; sagt dazu Ulrich Wagner, Hauptgeschäftsführer der HWK Schwaben. Im Bau- und Ausbauhandwerk seien rund vier von fünf Betrieben mit ihrer finanziellen Situation zufrieden. Dagegen ist die Lage bei den Handwerken für den gewerblichen Bedarf deutlich angespannter.
Den Handwerkern fehlen die Aufträge
Was den Betrieben zu schaffen macht, ist das Fehlen neuer Aufträge. 36 Prozent der Betriebe leiden unter ausbleibenden Neuaufträgen beziehungsweise einer geringeren Nachfrage. Lediglich zwölf Prozent melden ein Auftragsplus. Vom Auftragsmangel besonders betroffen sind die Handwerke für den gewerblichen Bedarf und insbesondere die Metall- und Zuliefererbetriebe für die Industrie. Auch im Bauhauptgewerbe spüren die Zimmerer oder Maurer die Zurückhaltung ihrer Auftraggeber, wobei auch witterungsbedingte Umstände eine Rolle spielen. Das Fehlen neuer Aufträge führt auch dazu, dass die Auftragsbücher schmäler werden. Die Betriebe zehren von ihrem Auftragsbestand. Im vierten Quartal ist die gemessene Reichweite um eineinhalb Wochen von 8,9 auf nun 7,4 Wochen zurückgegangen.
Große Erwartungen, dass sich die Lage bald zum Positiven verändern wird, haben die Handwerksunternehmen aus der Region nicht. Lediglich zehn Prozent erwarten eine Besserung ihrer Lage. Dagegen sind 24 Prozent der Meinung, ihre finanzielle Situation werde sich in den kommenden Monaten verschlechtern. Besonders skeptisch sind die Handwerke für den gewerblichen Bedarf, die als Zulieferer oder Dienstleister stark von ihren oftmals industriellen Auftraggebern abhängig sind. Mit Sorge blicken die Betriebe auf die Auftragsentwicklung und fürchten, dass zu wenig neue Aufträge eingehen und in der Folge auch die Umsätze sinken werden.
Kritik an der Bundesregierung
„Der von der Bundesregierung angekündigte wirtschaftspolitische Kurswechsel lässt weiter auf sich warten“, kritisiert Wagner. „Ein weiteres verlorenes Jahr wäre für unsere Betriebe fatal.“
Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.
AnmeldenSie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren