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Unterallgäu
07.01.2022

Der Allgäuer Arbeitsmarkt trotzt der Pandemie

Ein Drittel mehr Stellen als 2020 boten Unternehmen aus dem Allgäu im Jahr 2021 an. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten war in diesem Jahr sogar höher als vor Corona.
Foto: Angelika Warmuth/dpa

Die Agentur für Arbeit vermeldet einen Aufschwung in unserer Region, teils sind die Zahlen sogar besser als vor Corona. Doch die gute Entwicklung der Wirtschaft hat auch Schattenseiten.

„Wir blicken auf ein ereignisreiches Jahr zurück“, sagt Maria Amtmann, die Leiterin der Agentur für Arbeit Kempten-Memmingen. Zu Beginn hatten die Corona-Beschränkungen die Kurzarbeit im Allgäu in die Höhe schnellen lassen, vor allem im Hotel- und Gastronomiebereich, aber auch bei körpernahen Dienstleistungen und im verarbeitenden, industriellen Gewerbe. Mit Beginn der Lockerungen im späten Frühling habe sich jedoch das „enorme wirtschaftliche Potenzial“ des bayerischen Allgäus gezeigt, so die Agenturleiterin: Betriebe meldeten so viele neue Stellen wie schon lange nicht mehr, und in einigen Regionen wurden bei den Arbeitslosenquoten sogar niedrigere Zahlen als im Vorkrisenjahr 2019 erreicht. Diese positive Entwicklung habe jedoch auch Schattenseiten.

Die Allgäuer Unternehmen spüren den Fachkräftemangel

Amtmann erklärt weiter: „Arbeitskräftemangel ist zum drängendsten Problem der Allgäuer Unternehmen geworden – und dies betrifft nicht nur den Hotel- und Gaststätten- und Pflegebereich. Auch Logistik und verarbeitendes Gewerbe suchen händeringend nach Fachkräften.“ Die seit Herbst wieder steigenden Inzidenzzahlen und die damit verbundenen Beschränkungen treffen erneut genau diese Branchen, so Amtmann weiter. „Während in der Pflege der Fachkräftemangel in Pandemiezeiten besonders besorgniserregend ist, führen zum Teil geringere Gästezahlen im Hotel- und Gastronomiebereich sowie Lieferschwierigkeiten im verarbeitenden Gewerbe wieder zu einem Anwachsen der Inanspruchnahme von Kurzarbeitergeld.“

Nichtsdestotrotz zeigt sich die Arbeitsagentur-Chefin optimistisch: „Die Arbeitslosenquote ist im Dezember im Vergleich zum Vormonat zwar um 0,1 Punkte auf 2,5 Prozent gestiegen, liegt damit aber um 0,7 Punkte niedriger als im Dezember 2020 – exakt auf dem Niveau des Dezembers 2019. Ich bin zuversichtlich, dass die Wirtschaft sich weiterhin robust zeigt.“

Alles, was man zum Allgäuer Arbeitsmarkt wissen muss

Hier die wichtigsten Kennziffern des Arbeitsmarkts 2021 im Überblick:

  • Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte: Zum Stichtag 30. Juni 2021 erreichte der Bestand an sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Agenturbezirk Kempten-Memmingen mit 281.535 Personen einen Höchststand seit drei Jahren und übertraf damit auch das Niveau des Vor-Corona-Jahres 2019 (3608 Personen mehr, ein Plus von 1,3 Prozent).
  • Arbeitslosigkeit: Die Arbeitslosenquote lag 2021 durchschnittlich bei 2,9 Prozent – 0,2 Punkte weniger als 2020 und 0,5 Punkte mehr als 2019. Damit waren 2021 durchschnittlich 11.242 Personen arbeitslos gemeldet – 857 Personen weniger als 2020 (minus 7,1 Prozent) und 2125 Personen mehr als 2019 (plus 23,3 Prozent). Im Durchschnitt ist die Arbeitslosigkeit nach einem starken Anstieg im Pandemiejahr 2020 in diesem Jahr in vielen Personengruppen wieder zurückgegangen; bei den über 55-Jährigen und den Langzeitarbeitslosen hingegen gab es einen weiteren Anstieg.
  • Offene Stellen: 2021 haben Unternehmen der Allgäuer Arbeitsagentur 16.060 offene Stellen gemeldet – 3974 beziehungsweise 32,9 Prozent mehr als 2020 und 1034 Stellen beziehungsweise 6,0 Prozent weniger als 2019. Durchschnittlich waren 2021 mehr als 6000 Stellen frei (23,4 Prozent mehr als 2020; 9,8 Prozent weniger als 2019).
  • Kurzarbeit: Auch 2021 blieb das konjukturelle Kurzarbeitergeld der wichtigste Faktor, um Arbeitslosigkeit von Arbeitnehmern zu vermeiden und für Unternehmen sicherzustellen, dass sie ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter behalten und den Betrieb nach Lockerung der Beschränkungen schnell wieder hochfahren konnten. Die Höchststände vom April 2020 wurden zwar 2021 nicht mehr erreicht, aber im Februar 2021 bezogen mehr als 4700 Unternehmen für über 37.000 Beschäftigte Kurzarbeitergeld. Insgesamt wurden den Firmen im Allgäu im vergangenen Jahr 206,5 Millionen Euro Kurzabeitergeld ausgezahlt. Seit März 2021 ging die Zahl der kurzarbeitenden Betriebe kontinuierlich zurück – durch die neuerlich notwendig gewordenen Beschränkungen ab November haben Anzeigen und Anträge jedoch wieder zugenommen. Da Unternehmen drei Monate Zeit für die Antragstellung haben, liegen aktuell valide Zahlen derzeit nur bis August 2021 vor.
  • Ausbildung: Das Ausbildungsjahr 2020/21 war geprägt von den Lockdowns. Die Schülerinnen und Schüler konnten deshalb nur eingeschränkt Praktika absolvieren und auch der Kontakt zu der Berufsberatung der Arbeitsagentur war eingeschränkt. Dies schlug sich in einer deutlich niedrigeren Ausbildungsbewerberzahl nieder (3260 Bewerber, ein Minus von 17,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr). Die Jugendlichen kompensierten häufig die geringere berufliche Orientierung mit dem Besuch einer weiterführenden Schule, heißt es vonseiten der Arbeitsagentur. Die Allgäuer Unternehmen fuhren dagegen ihre Ausbildungsbereitschaft kaum zurück und stellten 5874 Ausbildungsplätze zur Verfügung (minus 2,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr). Zum 30. September blieben 973 davon unbesetzt, während noch 84 Jugendliche auf Ausbildungssuche waren. Durch den Einsatz der Berufsberatung und die Nachvermittlungsaktionen zusammen mit der Industrie- und Handelskammer sowie der Handwerkskammer sei es aber gelungen, dass im Laufe des Herbstes noch eine Reihe dieser Jugendlichen einen erfolgreichen beruflichen Start absolvieren konnte. (mz, home)
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