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Neu-Ulm

07.12.2015

100 Jahre alt – und hochaktuell

Großen Beifall gab es für Enrico de Paruta (Zweiter von links) und die Musiker bei der „Heiligen Nacht“ im Brückensaal.
Bild: Wilhelm Schmid

Enrico de Paruta lässt Ludwig Thomas Weihnachtsgeschichte „Heilige Nacht“ auch an ungewohntem Ort strahlen. Wie immer für einen guten Zweck.

In den vergangenen zehn Jahren, so Direktor Armin Brugger in seiner Begrüßung, hat sein Institut mit der „Heiligen Nacht“ bereits eine „stolze fünfstellige Summe“ für die Kartei der Not, das Leserhilfswerk unserer Zeitung, eingespielt, und das bisher meistens in barock glänzenden weihevollen Kirchenräumen. Aber anno 2015 erlebte man alles ganz neu und doch vertraut. Das biblische Geschehen der Herbergssuche wirkte dank der Erzählkraft de Parutas, als ob es gerade jetzt erst passiert wäre. Die „felsenharten Betlehemiten“ hatten offensichtlich eine „Obergrenze“ für die Aufnahme von Fremden festgelegt, und so mussten Maria und Josef mit dem Stall vorliebnehmen, den ihnen der arme „Simmei“ bereitstellte. Und das alles, nachdem zuerst der reiche „Manasse“ die Wanderer im Schnee stehen gelassen und der nicht minder geldige „Josias“ ein Musterbild an Ignoranz und Spießbürgertum an den Tag gelegt hatte – hier drängten sich aktuelle Parallelen geradezu auf.

Dabei versäumte es de Paruta nicht, mit der Präsentation von Josefs „Base“, der Frau des „Josias“, für komödiantische Auflockerung zu sorgen. Zutiefst beeindruckend erschien auch die Rolle des Handwerksburschen „Hansei“, der seinen bescheidenen und doch so wichtigen Beitrag für das Gelingen der beschwerlichen Reise der Heiligen Familie nach Betlehem leistete und der dafür mit einer Erscheinung belohnt wurde, die an den Traum des heiligen Martin nach seiner Mantelspende erinnerte.

Was das Ganze aber auch für Gäste, die Ludwig Thomas „Heilige Nacht“ in der Enrico-de-Paruta-Fassung schon wiederholt erlebt hatten, faszinierend machte, war die musikalische Gestaltung, die weit über eine „Umrahmung“ hinausging. Caroline Schmidt-Polex, Harfe, und Perry Schack, Gitarre, bereiteten nicht nur die harmonischen Grundlagen, sondern ließen dabei immer wieder ihre Virtuosität aufblitzen. Tenor Moritz Kugler beeindruckte durch seinen Wechsel zwischen Kopf- und Brustregister und verlieh den altbekannten weihnachtlichen Weisen Strahlkraft und die beiden „Engelsstimmen“ Charlotte Brödenfeld und Maximilian Breitruck setzten dem Ganzen mit ihren anrührenden Liedinterpretationen die Krone auf. So beschloss anhaltend-dankbarer Beifall einen denkwürdigen Vortragsabend.

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