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Interview

22.08.2020

100 Tage im Amt: So läuft's bei Pfaffenhofens Bürgermeister Sebastian Sparwasser

Pfaffenhofens Bürgermeister Sebastian Sparwasser an einem idyllischen Plätzchen an der Roth in Pfaffenhofen. So ruhig wie am Fluss ist es im Alltag des Bürgermeisters nicht immer.
Bild: Andreas Brücken

Plus Sebastian Sparwasser ist seit Mai Bürgermeister in Pfaffenhofen. Beim Spaziergang am neuen Rothuferweg erzählt er, wie die ersten 100 Tage im Amt waren.

Herr Sparwasser, seit etwas mehr als 100 Tagen sind Sie Bürgermeister in Pfaffenhofen. Wie fühlt sich das an?

Sparwasser: Aufregend und intensiv. Es ist immer etwas los, jeder Tag bringt neue Themen. Aber nach wie vor gehe ich jeden Morgen gerne ins Büro.

Welche Themen sammeln sich denn gerade auf Ihrem Schreibtisch?

Sparwasser: Aktuell arbeiten wir beispielsweise daran, den Container am Friedhof barrierefrei zu gestalten. Die Entwicklung der Hauptstraße ist natürlich auch ein großes Projekt in Pfaffenhofen. Da gab es bereits sehr viele Gespräche mit den Anliegern. Auch ein professioneller Städteplaner soll hinzugezogen werden. Vor Kurzem haben wir dafür die städtebauliche Förderung zugesagt bekommen.

Sprechen Bürger Sie auch manchmal direkt auf Themen an?

Sparwasser: Oh ja, ständig. Die Bandbreite an Themen, auf die ich angesprochen werde, ist so vielfältig wie die Bereiche des Lebens.

Der Marktgemeinderat hat seit Mai 13 neue Räte von insgesamt 20. Wie läuft dort die Zusammenarbeit zwischen den „alten Hasen“ und den Neulingen?

Sparwasser: Die Arbeit ist sehr gut angelaufen. Wir können konstruktiv diskutieren und pflegen alle ein kollegiales Miteinander. Es ist schön, dass es auch neue Ideen gibt, wenn neue Köpfe mitbestimmen. Auch mit dem Zweiten und Dritten Bürgermeister bin ich in einem sehr guten Austausch.

Ihr Wahlkampfspruch war „Gemeinsam. Pfaffenhofen. Gestalten“. Wie kann man den Ort noch schöner machen?

Sparwasser: Da gibt es sicher viele Möglichkeiten. An der Hauptstraße könnten sich auf jeden Fall noch ein paar Geschäfte ansiedeln. Oder auch gerne noch mehr Gastronomie im Kernort. Gestalten bezog sich allerdings nicht in erster Linie auf „schöner machen“, sondern vor allem darauf, Dinge anzupacken.

Was haben Sie denn in den ersten Monaten schon angepackt?

Sparwasser: Anlässlich des neuen Rothuferweges haben wir die Grünanlagensatzung erlassen. Eigentlich hätten wir auch gerne ein Fest zur Einweihung des Weges veranstaltet, aber das lässt Corona derzeit nicht zu. Die vergangenen Tage haben wir überlegt, was wir mit unseren leer stehenden Gebäuden an der Hauptstraße machen. Auch zum Radwegenetz in den Ortsteilen habe ich in den vergangenen Wochen viele Gespräche geführt. Besonders freue ich mich natürlich, dass wir die Bauplätze am Hasenäcker nun ausschreiben konnten.

Wie wird es nach der Ferienpause weitergehen? Was steht auf der Agenda?

Sparwasser: Auf jeden Fall werden wir die Rückübertragung der Abfallbewirtschaftung an den Landkreis diskutieren. Aktuell sind die Gemeinden selbst für den Betrieb der Wertstoffhöfe und die Entsorgung verantwortlich. Diese Aufgaben wieder dem Kreis zu übertragen, ist eine Grundsatzfrage für die Kommunen im Landkreis. Noch bis Ende September läuft außerdem die Bewerbungsphase für die Baugrundstücke am Hasenäcker. Dann wird das Auswahlverfahren beginnen, wobei wir die Plätze nach sozialen Kriterien vergeben.

Mit 16 Bauplätzen ist ein erster Schritt getan. Wie sehen Sie das Thema Wohnen auf lange Sicht?

Sparwasser: Man muss weiter den Druck aus dem Wohnungsmarkt nehmen. Auch altersgerechtes Wohnen ist in Pfaffenhofen ein großes Thema. Der Trend bei den jungen Leuten, wieder zurück aufs Land zu ziehen, den merkt man hier auch. Ich selbst bin ja von München wieder in den Landkreis zurückgekommen.

Apropos München: Vermissen Sie Ihre Arbeit beim Bund der Vertriebenen?

Sparwasser: Manchmal schon (lacht). Ich bin nach wie vor noch in Kontakt mit meinen ehemaligen Kolleginnen und Kollegen. Aber ich bin sehr gerne Bürgermeister in Pfaffenhofen und tatsächlich sind die beiden Berufe sehr ähnlich. Die Gremienarbeit, viele Begegnungen, die Finanzsachen. Inhaltlich ging das fast nahtlos über.

Wie der Bürgermeister mit den Demonstrationen in Pfaffenhofen umgeht

Seit Anfang Mai finden in Pfaffenhofen regelmäßig Demonstrationen zur Wiederherstellung der Grundrechte und zur Abschaffung der Corona-Maßnahmen statt. Spaltet Corona die Marktgemeinde?

Sparwasser: Ich würde nicht unbedingt von spalten sprechen. Es gibt hier schon unterschiedliche Meinungen, wie man mit den Maßnahmen umgehen sollte. Aber insgesamt stelle ich in Pfaffenhofen seit Beginn der Krise eine große Solidarität fest. Die Menschen halten zusammen und suchen einen gemeinsamen Weg des Umgangs mit der Krise, so hatten wir von Beginn an sehr aktive Ehrenamtliche in der Nachbarschaftshilfe.

Waren Sie selbst bei einer der Demonstrationen vor dem Rathaus?

Sparwasser: Die erste Kundgebung war an meinem ersten Tag im Amt, am 1. Mai. Da hab ich natürlich mal kurz vorbeigeschaut.

Welche Auswirkungen wird die Corona-Krise in naher Zukunft auf Pfaffenhofen haben?

Sparwasser: Zum einen werden wir Einbußen bei der Gewerbesteuer haben, aber vor allem die Einkommensteuer wird uns hart treffen – da gehe ich schon von Einbrüchen von 15 bis 20 Prozent aus. Wir müssen dann natürlich Prioritäten setzen und uns überlegen, welche Projekte wir durchsetzen möchten und welche verschoben werden müssen.

Was wird in den kommenden Jahren auf jeden Fall realisiert werden?

Sparwasser: Die Renovierung der alten Schule und der Neubau der Kindertagesstätte sind Riesenprojekte, die uns die nächsten zwei bis drei Jahre auf Trab halten werden. Mit dem Neubau wollen wir die Kinderbetreuungsplätze fast verdoppeln. Dafür ist auch schon ein fester Betrag im Haushalt eingeplant.

Auch das Rathaus soll größer werden. Ist der Grund eine wachsende Zahl an Mitarbeitern oder wollen Sie es nur gerne geräumig haben?

Sparwasser: Die Aufgaben für die Verwaltung wachsen. Man muss dazu auch sagen, dass den Kommunen immer mehr Aufgaben aufgehalst und die Themen immer komplexer und vielfältiger werden. Der Klimaschutz, die Digitalisierung, oder der Datenschutz sind etwa solche Themen. Im Moment reicht der Platz im Rathaus noch aus, aber perspektivisch gesehen werden wir auch in der Verwaltung mehr Mitarbeiter und somit mehr Räume benötigen.

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