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Interview

11.08.2020

100 Tage im Amt: So läuft's bei Sendens neuer Bürgermeisterin

Claudia Schäfer-Rudolf ist seit 100 Tagen Bürgermeisterin in Senden. Damit ist sie in der Sendener Geschichte die erste Frau an der Verwaltungsspitze.
Bild: Horst Hörger

Plus Claudia Schäfer-Rudolf ist neue Bürgermeisterin in Senden. Im Wahlkampf plädierte sie für mehr Gemeinsamkeit - das sieht sie erreicht. Mit manchem hat sie aber auch zu kämpfen.

Frau Schäfer-Rudolf, wie waren die ersten 100 Tage im Amt als Bürgermeisterin in Senden?

Claudia Schäfer-Rudolf: Überwiegend schön. Es macht mir riesigen Spaß und trotz so manch harter Realität ist es ein wunderbarer Job, in dem ich mit tollen Leuten zu tun habe. Auch der Draht zu den umliegenden Kommunen und zum Landratsamt ist gut. Es gehen Türen auf, an die ich nicht klopfen muss. Es ist ein schönes Gefühl, wenn andere von sich aus Unterstützung anbieten.

Vor Ihrer Kandidatur haben Sie zugegeben, sich in Verwaltungsvorgängen nicht gut auszukennen, aber hart daran arbeiten zu wollen. Haben Sie sich in den Alltag der Verwaltung eingelebt?

Schäfer-Rudolf: Die Leute im Rathaus haben mich toll aufgenommen und es mir sehr einfach gemacht: Sie waren teilweise sehr nachsichtig, haben mir vieles ausführlich erklärt. Langsam werden die Abläufe tatsächlich immer mehr zur Routine. Trotzdem musste ich mich insofern umgewöhnen, als dass manches einfach langsamer läuft als gedacht und gewünscht. Es herrschen alleine schon so viele Fristen und Vorgaben etwa für Ausschreibungen. Mit zunehmender Routine durfte – und bei unangenehmeren Dingen musste – ich viele Themen auch tiefer kennenlernen.

Was meinen Sie damit?

Schäfer-Rudolf: Beispiel Kemptener Straße, da haben sich schon einige Bürger in der Bürgersprechstunde über den vielen Lkw-Verkehr beschwert. Weil es eine Staatsstraße ist, können wir da in Sachen Lastwagen-Fahrverbot nichts tun. Ich würde mir wünschen, dass die Kommune mehr auf örtliche Gegebenheiten eingehen könnte. Unangenehm war auch die Dreifachturnhalle, von deren wirklich schlechtem Zustand im Stadtrat niemand zuvor wusste – auch ich nicht. Dazu kommt die Corona-Pandemie und deren Auswirkungen, das erschwert uns die Arbeit natürlich schon sehr.

Wie sieht denn die derzeitige Lage in Sachen Corona in Senden aus?

Schäfer-Rudolf: Es weiß keiner, wie lange sich die Auswirkungen durch Corona hinziehen werden. Wir sind froh, dass der Staat der Kommune bei den wegbrechenden Gewerbesteuereinnahmen unter die Arme greift. Dennoch ist es so: Die Einnahmen sind unklar, die Ausgaben hoch. Aber Stillstand ist keine Lösung, Maßnahmen müssen weitergehen und ein Stück weit ist es auch unsere Aufgabe als Kommune, zu investieren und damit die Wirtschaft anzukurbeln. Es braucht Mut und Vertrauen. Denn durch diese schwere Zeit kommen wir nur zusammen gut durch.

Das Wort ‚zusammen‘ passt auch gut zu Ihrem Wahlkampf. Sie hatten das Ziel, mehr Gemeinsamkeit und einen neuen Ton im Stadtrat und der Verwaltung zu etablieren. Wie steht es damit?

Schäfer-Rudolf: Ich habe das Gefühl, es läuft wunderbar. Das Klima im Rathaus ist gut, die Zusammenarbeit mit den Kollegen ist wirklich toll und macht Spaß. Mit dem Stadtrat funktioniert die Zusammenarbeit ebenso gut. Auch hier stoße ich auf viel Verständnis, wenn es bei den Abläufen in der Sitzung noch nicht 100-prozentig rundläuft, ich mich also, während ich die Sitzungen leite, teilweise bei meinen Kollegen aus der Verwaltung rückversichern muss.

Es ist ja sicherlich auch ein ziemlicher Unterschied von der Stadträtin und Freiberuflerin zur Bürgermeisterin, oder?

Schäfer-Rudolf: Klar, als Stadträtin kann ich eine Idee einbringen, ohne mir Gedanken darüber zu machen, wie das im Detail funktioniert. Insofern ist es als Stadträtin theoretisch einfacher. Als Bürgermeisterin muss ich gleich weiterdenken und deswegen manchmal auch einen Traum platzen lassen. Aber das derzeitige Sendener Gremium ist gut, es gibt viel Fachkenntnis und realistische Ideen.

Wie sieht denn Ihr beruflicher Alltag derzeit aus, wie lange arbeiten Sie?

Schäfer-Rudolf: Meine Arbeitszeit ist völlig unterschiedlich, manchmal sind es acht Stunden am Tag, manchmal auch 14 ohne Pause. Generell ist ja zurzeit weniger los – auch coronabedingt. Ich habe bisher nur ein Grußwort gehalten. Es stehen zwar viele Kennenlern-Termine an, aber gerade die Wochenenden sind ruhig. Das ist für die Vereine schade, aber auch für mich, denn genau diese Termine sind es, in die ich gerne Zeit investiert hätte. Vermutlich sind es derzeit um die 50 Stunden pro Woche, aber die Zeit geht schnell vorbei, es gibt immer etwas zu tun.

Was haben Sie als erstes Projekt in Senden angepackt?

Schäfer-Rudolf: Das war der für Herbst geplante Umzug der Musikschule ins Bürgerhaus. Parallel laufen natürlich Projekte wie der Bahnhofsumbau. Die Bahn ist mit ihren Maßnahmen bis Mitte 2023 fertig. Wir schreiben nach der Sommerpause die Mehrfachbeauftragung für das Bahnhofsumfeld aus, dann haben wir mehrere Vorschläge, was wir rund um den Bahnhof machen können. Anfang 2021 ist unsere Planung fertig. Aber das Umfeld wird sicher etwas zeitverzögert zur Bahn-Baustelle fertig, denn die Bahn nutzt teilweise unsere Flächen für ihre Baustellen-Einrichtung. In Senden muss man sich außerdem noch um ein paar Altlasten kümmern, zum Beispiel Mayser und was aus der Fläche wird.

Apropos Altlasten: Kommt es Ihnen so vor, als ob Sie nun für früher gemachte Fehler geradestehen müssen?

Schäfer-Rudolf: Ich werde nicht persönlich dafür verantwortlich gemacht, aber dennoch übernehme ich die Verantwortung. Ich kann nicht ändern, was war – aber, was wird. Mein Ansporn ist, es besser zu machen.

Sie haben mit der Aktion Leselust, dem Förderverein St. Elisabeth und dem Freundeskreis des IGV einige ehrenamtliche Tätigkeiten. Bleibt Ihnen bei all den neuen Herausforderungen noch Zeit dafür?

Schäfer-Rudolf: Ja, das hoffe ich sehr. Und ich würde meine Ehrenämter gerne auch weiter machen. Bei einigen stehen Neuwahlen an, die wegen Corona verschoben wurden.


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