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Oberfahlheim

22.03.2019

20 Jahre Landkreismuseum: Ein Haus für Künstler, ein Haus für alle

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3 Bilder
Ein Blick in die Ausstellung: Im Oberfahlheimer Museum sind derzeit Werke von fast 100 Künstlern zu sehen (im Vordergrund zwei Sapri-Figuren von Alfred Bradler).
Bild: Andreas Brücken

Das Museum für bildende Kunst in Oberfahlheim feiert sein 20-Jähriges mit einer großen Ausstellung mit 100 Arbeiten. Die Landkreisgalerie ist in der Region längst etabliert – entgegen anfänglicher Befürchtungen.

Zum Geburtstag dürfen es auch mal rote Rosen sein. Der Bildhauer Hermann Bigelmayr lässt zum 20-jährigen Bestehen des Museums für bildende Kunst in Oberfahlheim Rosenblätter durch die Eingangshalle schweben. Manche nicht einmal handtellergroß, andere meterbreit – aber alle aus massivem Holz geschnitzt. „20 plus x“ hat der aus Freihalden (Landkreis Günzburg) stammende Künstler seine Installation genannt; er beschwört also auch die Zukunft der Landkreisgalerie im ehemaligen Bräuhaus. Doch auch die Vergangenheit kann sich sehen lassen, das zeigt die Schau „1999-2019: 20 Jahre Kunst in Oberfahlheim“, die am Freitag, 22. März, eröffnet wird. Gezeigt werden Arbeiten von fast 100 Künstlern, die schon einmal in den Räumen des alten Bräuhauses ausgestellt haben.

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Von Anfang an begleitet hat die Galerie Walter Wörtz, im Landratsamt zuständig für die Kunstsammlung und die Museen des Kreises. Er hat mit seinem Team auch die Ausstellung zusammengestellt. Doch der wichtigste Geburtshelfer des Museums war Franz Josef Schick, von 1974 bis 1996 Neu-Ulmer Landrat. Unter seiner Ägide begann der Landkreis nicht nur in der (damals neu eröffneten) „Kupferburg“ in Neu-Ulm, Kunst aus der Region auszustellen – er begann, sie auch zu sammeln. Doch damit nicht genug: Schick wollte, wie Wörtz es formuliert, „den professionell arbeitenden Künstlern eine Plattform geben“.

Das Bräuhaus war vor der Sanierung durch die Sparkasse eine Ruine

Den passenden Ort dafür fand der Kreis in Oberfahlheim, wo die Sparkasse das zuvor ruinöse Bräuhaus saniert hatte, um dort eine Filiale zu eröffnen. Doch das Projekt wurde nicht weiter verfolgt – und Sparkasse und Landratsamt machten gemeinsame Sache. Das Geldinstitut überführte das Gebäude in eine Stiftung und überließ es dem Kreis kostenlos, dieser wiederum trägt die Betriebs- und Personalkosten. Das war so im April 1999, als Schicks Nachfolger Erich Josef Geßner das Haus eröffnete, und ist bis heute so geblieben. Genau wie eine andere Konstante: Der Kreis kauft aus jeder Ausstellung ein Kunstwerk an. Dafür stehen laut Wörtz jedes Jahr rund 10000 Euro zur Verfügung. Entsprechend umfangreich ist die Sammlung inzwischen geworden: Sie umfasst 550 Arbeiten, die jeweils zu einem Drittel in den Amtsräumen des Kreises, im Depot und in der Dauerausstellung in Oberfahlheim untergebracht sind.

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Normalerweise. Denn für die Geburtstagsschau wurde das gesamte Gebäude ausgeräumt, um Platz zu schaffen für neue Kunst. Denn bei „20 Jahre Kunst in Oberfahlheim“ werden nur wenige bekannte Werke präsentiert. Vielmehr kontaktierte das Museumsteam nahezu alle Künstler, die in den vergangenen Jahren in Oberfahlheim zu Gast waren. Entsprechend groß ist das Spektrum der über alle drei Stockwerke verteilten Ausstellung: Sie umfasst Malerei, Skulptur, Grafik und Fotografie, dazu Installationen, kinetische und lichtkinetische Objekte, Abstraktes ebenso wie Figürliches, Konzeptuelles ebenso wie Naives. Die Künstlerauswahl repräsentiert die Idee des Hauses: Der Schwerpunkt liegt auf Kreativen aus dem Landkreis und der weiteren Region, dazu kommen vereinzelt Positionen aus dem restlichen Deutschland. Zu vielen Künstlern, sagt Kurator Wörtz, gebe es eine enge Beziehung, bekannte Namen der Region wie Michael Danner oder Peter Degendorfer wurden im Bräuhaus schon mehrfach gewürdigt. Aber auch verstorbene Künstler wie Tassilo Mozer, Thomas Kahl und Tomitaro Nachi, von dem die auffällige Skulptur „Unendlich“ vor dem Museumsgebäude stammt, sind vertreten.

Der Eintritt in Oberfahlheim war schon immer kostenlos

Natürlich: Eine Überblicksschau wie diese folgt keiner Erzählung, ist immer auch ein Gemischtwarenladen. Doch genau darin liegt ein Reiz: „20 Jahre Kunst in Oberfahlheim“ ist eine Leistungsschau der regionalen Kunstszene, bei der kaum ein wichtiger Name fehlt. Die Landkreisgalerie war immer als offenes Haus gedacht, als Angebot an alle Bürger. Deswegen war der Eintritt von Anfang an kostenlos, deswegen setzte Wörtz schwierigeren Positionen auch mal Zugängliches wie Landschaftsaquarelle entgegen, zumal seit der Etablierung der immer parallel zu den großen Präsentationen laufenden Kabinettausstellungen vor knapp zehn Jahren. „Professionell, aber nicht elitär“ sei die Landkreisgalerie, betont der 64-jährige Kurator. Und wohl auch deswegen – trotz anfänglicher Unkenrufe über die angebliche Unmöglichkeit eines Kunstmuseums auf dem Dorf – ist die Institution aus Wörtz’ Sicht ein wichtiger Teil des kulturellen Lebens in der Region. 5000 bis 8000 Besucher kämen jedes Jahr, durch das umfangreiche museumspädagogische Angebot würden auch Hunderte Kinder erreicht.

Und die Zukunft? Die sieht gar nicht schlecht aus. Noch vor dem Sommer soll im bereits jahrelang leer stehenden Gasthaus gegenüber ein italienisches Restaurant eröffnen (wir berichteten). Dann, so hofft Wörtz, werde das Landkreismuseum ein noch attraktiveres Ausflugsziel. Ein schönes Geschenk zum Geburtstag.

„1999-2019: 20 Jahre Kunst in Oberfahlheim“ wird am Freitag, 22. März, um 18 Uhr eröffnet. Die Vernissage beginnt aus Platzgründen nicht im Museum, sondern im Schützenheim des Nersinger Ortsteils. Es sprechen Landrat Thorsten Freudenberger und Armin Brugger, der Vorsitzende der Sparkassen-Stiftung. Musik kommt vom Saxofon-Quartett „Take Four“. Danach ist die Ausstellung bis 21. Juli zu sehen. Öffnungszeiten: Dienstag 16 bis 20 Uhr, Samstag/Sonntag/Feiertag 13 bis 17 Uhr (Karfreitag geschlossen). Eintritt frei.

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