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Ulm/Vöhringen

03.07.2020

200 Jahre Wieland: Optimismus trotz Krise

Mit viel Gespür für den richtigen Moment, Mut und Unternehmergeist hat sich Wieland seit 200 Jahren entwickelt. Der traditionelle Werkstoff Kupfer wird auch in Zukunft verwendet werden.
Bild: Wieland

Plus Von der Glockengießerei zum Weltkonzern. Warum der Arbeitgeber von über 3300 Menschen in der Region trotz Kurzarbeit und Stellenabbau positiv in die Zukunft blickt.

In der Rosengasse machte Philipp Jakob Wieland den Anfang: Vor 200 Jahren wurde der heutige Weltkonzern als Glockengießerei in Ulm gegründet. Das Jubiläumsjahr ist für den global führenden Anbieter von Halbfabrikaten aus Kupfer und Kupferlegierungen aber ein schwieriges.

Angesichts des Einbruchs der Wirtschaft von historischem Ausmaß, verlaufe das Geschäft vor allem in Europa und Nordamerika deutlich schwächer als in den vergangenen Jahren. Im laufenden Jahr erwartet das Unternehmen gruppenweit einen Umsatzrückgang von etwa zehn bis 15 Prozent im Vergleich mit dem Vorjahr. Den Umsatz gab die Wieland Gruppe für das Geschäftsjahr 2018/19 mit 3,34 Milliarden Euro an.

3000 Wieland-Mitarbeiter in Kurzarbeit

Durch den Rückgang der Nachfrage in für Wieland wesentlichen Marktsegmenten – wie zum Beispiel der Automobilindustrie und dem Maschinenbau – sei die Auslastung in den Produktionsstätten signifikant gesunken, teilt die Firmenleitung um Chef Erwin Mayr auf Anfrage unserer Zeitung mit. Kurzgearbeitet wird in Vöhringen und Ulm. Wieland habe in Deutschland aktuell etwa 3000 Mitarbeiter in Kurzarbeit. Dabei schwanke der Umfang der Kurzarbeit sehr stark von Abteilung zu Abteilung. Die Regelungen sehen momentan eine maximale Laufzeit von 18 Monaten vor.

200 Jahre Wieland: Optimismus trotz Krise

Ob das ausreiche und ob die Regelungen durch die Bundesregierung angepasst werden würden, lasse sich derzeit noch nicht sagen. Das hänge sehr stark von der wirtschaftlichen Entwicklung im Herbst und Frühjahr 2021 sowie einer etwaigen zweiten Phase der Corona-Infektionswelle ab. Der Bausektor sei in Europa am wenigsten von der Krise betroffen. Hier habe es kaum Einschränkungen durch die Corona-Pandemie gegeben. Außerdem sind die Zinsen weiterhin extrem niedrig, was den Wohnungsbau antreibe. Auch das weltweite Geschäft für Hochleistungsrohre für die Kälte- und Klimatechnik laufe weiterhin gut, fast völlig unberührt von der Corona-Krise.

Bei Wieland werden Stellen abgebaut

Besonders stark hingegen leide der Automobilbau. „Unsere Kunden hatten ihre Werke wochenlang geschlossen und nun fehle das Vertrauen der Konsumenten in diesen unsicheren Zeiten, größere Anschaffungen, wie zum Beispiel ein neues Fahrzeug, zu tätigen“, sagt Mayr. Eine Folge der Krise ist Personalabbau.

Wieland nutzte „im Wesentlichen die natürliche Fluktuation der Belegschaft“, das heißt, derzeit werden frei werdende Stellen nicht oder – wo notwendig – nur intern nachbesetzt. In Einzelfällen, wo der Nachfrageeinbruch durch die Corona-Krise „langfristige strukturelle Probleme“ aufdeckt beziehungsweise verstärke, könne Wieland „Entlassungen nicht vermeiden“. Konkrete Zahlen in Sachen Stellenabbau nennt Wieland auf Nachfrage nicht. Derzeit seien am Stammsitz in Ulm 1185 Menschen in der Stammbelegschaft beschäftigt, in Vöhringen 2136. Weltweit beschäftigt die Wieland Gruppe etwa 9000 Mitarbeiter.

Wieland-Chef: "Wir bleiben optimistisch"

„Wir bleiben optimistisch, denn jede Krise bietet auch Chancen und letztendlich wird ein Aufschwung folgen – dies ist lediglich eine Frage der Zeit“, sagt Mayr. Wieland nutze die schwierige Zeit, um sich „noch besser aufzustellen und das Unternehmen fit für die nächsten 200 Jahre“ zu machen. Der Bereich Forschung, Entwicklung und Innovation werde aktuell ganz besonders gefördert.

Halbzeuge aus Kupfer und Kupferlegierungen seien heutzutage wichtiger denn je, so Mayr. Sie finden vielfältigen Einsatz in elektronischen Anwendungen, Kühlung von Rechenzentren, der Herstellung von Smartphones, Laptops und vielen mehr. Megatrends wie Urbanisierung, Klimawandel, Elektromobilität und Konnektivität fordern intelligente Lösungen – oft basierend auf hochwertigen Kupferwerkstoffen von Wieland.

Mut und die Innovationsfähigkeit des Gründers habe sich fest in der DNA des Unternehmens verankert. Mayr: „Wir glauben an den Werkstoff Kupfer und an die Fähigkeit unserer Mitarbeiter. In dieser Kombination sind wir langfristig gut aufgestellt. Die Wieland Gruppe ist inzwischen weltweit Marktführer für hochwertige Kupferhalbzeuge und damit optimal aufgestellt, um die nächsten 200 Jahre unserer Firmengeschichte erfolgreich zu gestalten.“

In was für Tätigkeiten die Zukunft Wieland führen könnte, ist in einem eigenem Internetauftritt zum Jubiläum nachzulesen. Die Rede ist etwa von fliegenden Autos oder Quantencomputern der dritten Generation, die der Branche ab 2040 volle Auftragsbücher bescheren könnten: Spezielle Kupferlegierungen würden benötigt, so die Vision, um Nanosensoren unter verschiedensten Klima- und Umgebungsbedingungen in die Netzwerke einzubinden. Schöne neue Kupferwelt: Ende 2030 könnten sich dadurch der Kupferverbrauch innerhalb von zehn Jahren verdoppeln. "

Ausstellung in Ulm und später in Vöhringen: „Vergangenheit – Gegenwart – Zukunft“ bei Wieland

Aufgrund der Pandemie sagte das Unternehmen Feiern zum Jubiläum ab. Nicht abgesagt wurde eine Ausstellung: Diese folgt dem Konzept des Jubiläumsjahres: „Vergangenheit – Gegenwart – Zukunft“. Exponate geben Einblicke in die Geschichte der Wieland Gruppe und erläutern anschaulich, in welchen Bereichen des täglichen Lebens Halbfabrikate der Wieland Gruppe heute zur Anwendung kommen. Zu sehen ab Mittwoch, 8. Juli, in den Räumen der Ulmer Sparkasse in der Neuen Mitte. Ab Dienstag, 22. September, ist „Wieland mit allen Sinnen“ im Eychmüller-Haus in Vöhringen zu sehen.

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