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Gericht

11.07.2012

21 Jahre nach Vergewaltigung verurteilt

Heute 40-Jähriger erhält ein Jahr und neun Monate Jugendstrafe auf Bewährung

Neu-Ulm Wegen Vergewaltigung einer 16-Jährigen im Jahr 1991 ist am Dienstag ein heute 40 Jahre alter Mann zu einer Jugendstrafe von einem Jahr und neun Monaten, ausgesetzt zur Bewährung, verurteilt worden. Jugendstrafe deshalb, weil der Türke zur Tatzeit erst 19 Jahre alt und damit „Heranwachsender“ war, der obendrein gewisse „Reiferückstände“ hatte.

Der in Ulm geborene Angeklagte, heute verheirateter Vater eines Sohnes und in der Tourismusbranche in der Türkei tätig, hatte Ende Februar 1991 zusammen mit drei Freunden die Bekanntschaft eines Mädchens aus einem Neu-Ulmer Ortsteil gemacht.

Weil die angehende Bäckereiverkäuferin an einem Sonntagnachmittag ihren Bus verpasst hatte, boten sich die vier jungen Türken an, sie im Auto nach Hause zu fahren. Auf der Fahrt verabredete man sich auf den Montagvormittag, angeblich zum Kaffeetrinken. Das große Wort führte der Angeklagte: anders als seine Kumpane sprach der Gymnasiast fließend Deutsch. Seine Sprachkenntnisse waren aber sein einziges Pfund, das er in der Clique hatte. Während die Bekannten dank regelmäßigem Hilfsarbeiterlohn und Leben im Hotel Mama Statussymbole wie tiefergelegte BMW vorweisen konnten, hatte er gerade einmal 20 D-Mark Taschengeld in der Woche.

21 Jahre nach Vergewaltigung verurteilt

Vermutlich, um seinen Freunden zu imponieren, verfiel der damals 19-Jährige auf eine Idee, die zum Albtraum für das spätere Opfer wurde und die Bernhard Lang, Vorsitzender des Neu-Ulmer Jugendschöffengerichts, „zutiefst frauen-, ja menschenverachtend“ bezeichnete.

Punkt neun Uhr am Montag holte das Quartett die Auszubildende ab. In Ulm steuerte man nicht etwa ein Café an; der Angeklagte bat, noch kurz zur Wohnung zu fahren, in der er bei seinen Eltern wohnte, weil er noch Geld holen wollte. Da Vater und Mutter beim Arbeiten waren, kamen dann gleich alle mit – auch das Mädchen. Wie der Angeklagte gestern dem Gericht sagte, war der „Gedanke“, Sex mit der 16-Jährigen zu haben. Die jungen Türken folgerten aus dem Umstand, dass die junge Frau mit ihnen gegangen sei, sie „leicht zu haben ist“.

Dem war aber nicht so. Als der Angeklagte dem Mädchen in seinem Zimmer die „Briefmarkensammlung“ zeigte und zu fummeln begann, wurde er abgewiesen. Zunächst geschah nichts, man ging wieder zu den anderen Drei ins Wohnzimmer.

Mädchen mit Alkohol gefügig gemacht

Nachdem der erste Anlauf gescheitert war, einigten sich die Vier darauf, die neue Bekannte mit Alkohol gefügig zu machen. Die junge Deutsche bekam von diesem Vorhaben allerdings nichts mit – die Herrn parlierten Türkisch.

Die Runde trank Asbach-Cola, dem Mädchen servierte man zusätzlich noch mit Rum versetzten Kaffee. Als Erstes fiel ein Kumpel zwei Mal über das betrunkene Mädchen her, es folgte ein Anderer. Als der Angeklagte sich unter den Augen eines der Mittäter anschickte, sich an der jungen Frau zu vergehen, wurde er gestört, sodass es wohl nicht zum vollendeten Geschlechtsverkehr kam: Seine kleine Schwester war von der Schule nach Hause gekommen und hatte an der Haustür geläutet. Der vierte Kumpan hatte teilnahmslos herumgesessen, jedenfalls war er dem Opfer nicht zu Hilfe gekommen.

Während zwei der Kumpane wegen Vergewaltigung bereits 1992 zu Jugendstrafen verurteilt worden waren, war der 40-Jährige bis Mai dieses Jahres auf freiem Fuß. Kurz nach der Tat war er in der Türkei untergetaucht.

Allerdings bestand gegen ihn seit damals ein Haftbefehl. Im Mai dieses Jahres wurde er dann in Griechenland festgenommen und nach einmonatiger Abschiebehaft der deutschen Justiz überstellt.

Der Vorsitzende Richter Lang machte klar, dass der Angeklagte „die treibende Kraft“ gewesen sei. Nach den heute geltenden Vorschriften würde eine solche Tat weitaus härter bestraft werden. Allerdings habe das Gericht die Gesetzeslage aus dem Jahr 1991 berücksichtigen müssen.

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