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13.06.2009

588 Euro erbeutet - sechs Jahre Gefängnis

Ulm Wegen schweren Raubs hat die Zweite Große Strafkammer des Ulmer Landgerichts unter Vorsitz von Gerd Gugenhan einen 21-jährigen Beschäftigungslosen zu sechs Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Der in Ulm wohnende Mann eritreischer Herkunft hatte am frühen Morgen des 21. März eine Spielothek in der Weststadt überfallen und 588 Euro erbeutet. 20 Minuten nach diesem bewaffneten Raubüberfall wurde er in einer Spielhalle in der Nähe von der Polizei festgenommen.

Kleinlaut räumte der Angeklagte ein, dass die Anklage von Staatsanwalt Michael Bischofberger im Großen und Ganzen stimme. Er habe sich damals in akuter Geldnot befunden, nachdem ihm die Stadt Ulm eine Zahlungsaufforderung über 120 Euro geschickt und mit Zwangsmaßnahmen gedroht habe: "Ich hätte in den Knast müssen."

Seine Freunde hätte er nicht anpumpen können, die hätten auch kein Geld gehabt. Da sei ihm der Gedanke an einen Überfall gekommen. Die Spielhalle in der Nähe seiner Wohnung bot sich als Tatort an, weil sie schon früh morgens geöffnet hat. Gegen 7.50 Uhr betrat er das Etablissement, in dem sich neben der 22 Jahre alten Aufsicht und einer weiteren Frau keine Besucher aufhielten. Er hatte sich einen Pullover über den Kopf gezogen. Mit seinem blanken Schweizer Taschenmesser in der einen Hand herrschte er die Aufsicht an: "Geld her, aber schnell!" Mit insgesamt 588 Euro verschwand er.

Die beiden überfallenen Frauen lösten sofort Alarm aus. Die Polizei war schnell zur Stelle. Die Täterbeschreibung war so genau, dass der Räuber 20 Minuten später in einer anderen Spielhalle in der Ulmer Weststadt verhaftet werden konnte.

588 Euro erbeutet - sechs Jahre Gefängnis

"Ich wollte der Aufsicht nichts antun, sie nicht verletzen", beteuerte der geständige Angeklagte. Das Opfer selbst hat diesen morgendlichen Überfall weniger gut verkraftet.

Die junge Frau ist seit fünf Wochen zu einer psychiatrischen Behandlung in einer Klinik untergebracht. Sie konnte auf ärztlichen Rat auch nicht als Zeugin vor Gericht aussagen. Ihre richterliche Vernehmung wurde auf Video aufgezeichnet und unter Ausschluss der Öffentlichkeit im Schwurgerichtssaal in die Beweisaufnahme eingebracht.

Dieser Verhandlungssaal im Ulmer Justizpalast ist erst vor Wochen mit moderner elektronischer Technik ausgerüstet worden. Bei diesem Prozess gab es eine Premiere. Die Aufnahmen der Überwachungskamera in der Spielothek wurden - von der Richterbank aus gesteuert - auf einer großen Leinwand und einem Monitor an der Wand gezeigt. Allein diese Aufnahmen hätten als Beweis genügt!

Die Große Strafkammer ging mit ihrem Urteil von sechs Jahren Freiheitsentzug ein halbes Jahr über den Antrag der Staatsanwaltschaft hinaus. Der Ulmer Rechtsanwalt Ralph E. Walker als Verteidiger hatte auf zwei Jahre ohne Bewährung plädiert. Sollte das Urteil rechtskräftig werden, muss der Verurteilte einen Teil der Strafe in Deutschland verbüßen und wird dann in sein Heimatland abgeschoben.

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