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Ulm

23.01.2021

75 Jahre Demokratie in Ulm: So soll das gefeiert werden

Festliche Stunde im Rathaussaal: So sah es aus, als die Stadt Ulm 1946 zurück zur Demokratie fand. Die erste demokratische Gemeinderatswahl nach dem Zweiten Weltkrieg gewann die CDU damals mit 41,4 Prozent.
Foto: Stadt Ulm

Plus Vor 75 Jahren erlebte die Stadt Ulm die erste demokratische Gemeinderatswahl nach dem Zweiten Weltkrieg. 2021 soll ein Festjahr für die Demokratie werden.

Dieses Jubiläum soll ein Fest werden, Mut und Laune machen und begeistern für Demokratie. Aber Ulms Kulturbürgermeisterin macht auch den Ernst des Themas deutlich: „Wir erleben, dass die demokratischen Systeme heute sehr unter Druck stehen“, sagte Iris Mann bei der Präsentation des Festprogramms „75 Jahre Demokratie in Ulm“.

Als Beispiel nennt sie die Unruhen um das amerikanische Kapitol vom 6. Januar, aber: „Da müssen wir nicht nur über den Großen Teich blicken.“ Der Druck wachse, von innen wie von außen, von Verschwörungstheoretikern bis Autokraten. Gerade deshalb werde Ulm 2021 die Demokratie lebendig feiern.

Am 6. Juli 1946 fand die konstituierende Sitzung des Gemeinderats statt

Rückblick: Die konstituierende Sitzung des Ulmer Gemeinderats traf sich am 6. Juli 1946. Ein Festakt, kurz nach der ersten freien, demokratischen Wahl seit dem Grauen des Nationalsozialismus. 75 Jahre später möchte die Stadt dazu ein Themenjahr gestalten, mit vielen Akteuren und Institutionen aus dem Stadtleben. Die Botschaft an alle: „Zuhören, mitreden, gestalten“ für Demokratie. Iris Mann und das Kulturbüro der Stadt versprechen ein Programm mit einer „Vielfalt der Blickwinkel“.

Demokratie erwächst aus Schutt und Asche. Ulm, kurz nach dem Krieg.
Foto: Stadt Ulm

Demokratie bedeutet Teilhabe, das ist auch die Leitlinie des Programms. Die Kulturabteilung der Stadt hat dazu eine Projektförderung ausgeschrieben, für Demokratie-Aktionen zum Themenjahr. Das Ergebnis: zahlreiche Ideen. Die Schauspielerin Kathi Wolf trägt einen Film zum Jubiläum bei und auch Thomas Strobel befasst sich in seinem Leinwandprojekt mit Zukunftsvisionen der Demokratie: „Post Democracy“. Ein Menschenrechtsbanner wird die Künstlerin Heike Sauer vor dem Münster ausbreiten und zur Debatte auffordern. Eine Performance „Denktagebuch von Hannah Arendt“ plant Marianne Hollenstein.

Heike Sauers Aktion: „Menschenrechte betreten“.
Foto: Stadt Ulm

Das Museum Ulm widmet sich bei "75 Jahre Demokratie" Joseph Beuys

Wie viel Demokratie steckt in der Fettecke? Das Museum Ulm wählt den Kulturrevoluzzer und politischen Künstler Joseph Beuys als Beispiel für gelebte Demokratie. Eine Ausstellung wird zur Expedition in seine politische Denk- und Kunstwelt – sobald das Museum wieder öffnen kann. Titel: „Ein Woodstock der Ideen.“ Auch ein Talk-Format zur Beuys-Ausstellung sei geplant, eines von vielen „Mitmachangeboten im öffentlichen Raum“, erklärt Sebastian Huber von der Kulturabteilung. Bei einem Bürgerforum im Juli am Münsterplatz, live und digital, gibt es Gelegenheit zum Meinungsaustausch und zur Debatte. Auch die Künstler der „Utopia Toolbox“, die im Sommer 2020 Zukunftswünsche der Ulmer gesammelt haben, sollen mitwirken - bei einem interaktiven Aktionstag „Ulm open! Ulm besucht sich“ im September.

"75 Jahre Demokratie in Ulm" bietet auch Workshops gegen Hate-Speech

Im Stadthaus heißt der Appell: „Demokratie auslösen: Freiheit!“ Hier haben Kinder und Jugendliche die Chance, ihre persönliche Idee von Demokratie für eine Fotoausstellung in Bilder zu fassen. Zeitraum: September bis Dezember. Viele weitere Angebote richten sich an junge Menschen: In einem Planspiel können Grundschüler einmal selbst Stadtrat spielen und das Dokumentationszentrum Oberer Kuhberg (DZOK) ergänzt das Programm mit Workshops für junge Menschen zum Thema „Hate Speech“ – Hassrede, im Netz oder direkt, ganz ohne Filter. „Das sind zum Beispiel Entwicklungen, die einer Demokratie zu schaffen machen“, sagt Iris Mann. Und so organisieren DZOK, Volkshochschule und Stadtarchiv auch gemeinsam Vortragsreihen über Verschwörungstheorien. Aufklärungsarbeit – gegen Mythen wie Chemtrails und Bill-Gates-Chips im Impfstoff.

Demokratie möchte Ulm auch als Fest für die Jugend feiern.
Foto: Stadt Ulm

Die „Ulmer Denkanstöße“ sind ein Format für tiefe Gedankengänge. Auch diese Diskussionsreihe soll im März der Demokratie auf den Grund gehen. Wer sich aber ganz historisch mit Ulmer Geschichte befassen möchte, darf auf eine Ausstellung des Stadtarchivs im Haus der Geschichte gespannt sein. Im Fokus: das Ende des NS-Grauens und die konstituierende Sitzung 1946.

2021 ist in Ulm auch das Jahr des Gedenkens: 100 Jahre Sophie Scholl

Das Jahr 2021 prägen zwei Jubiläen, die das Herz der Demokratie betreffen: Ulm ehrt auch die NS-Widerstandskämpferin Sophie Scholl, die vor 100 Jahren in der Donaustadt geboren wurde. Christoph Hantel vom DZOK berichtet, dass Feierlichkeiten geplant sind. Ein Höhepunkt, falls er stattfinden kann: eine Matinee im Theater Ulm am 9. Mai, am Geburtstag der Sophie Scholl, gefolgt von einem Festgottesdienst.

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