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13.06.2009

Ab zum "Depperl-Test" - aber nur zum Spaß ...

Ulm Rot, blau, gelb. Schnell und nur für einen kurzen Moment blinken die bunten Kreise auf dem Computerbildschirm auf. "Oh Gott, jetzt wird es kompliziert", sagt die junge blonde Frau, die davor sitzt. Sie lächelt nervös. Aber nur ganz kurz. Dann kneift sie die Augen zusammen. Blickt konzentriert auf den Bildschirm und atmet tief ein. Sie schüttelt kurz ihre Hände aus, bevor sie ihre Finger wieder auf das Gerät legt und angespannt auf den Bildschirm starrt. Auf einem Tastenfeld muss sie die Farben nachdrücken. Blau, grün, weiß.

Plötzlich ertönt ein heller Piepston. Jetzt sollte die junge Frau eigentlich einen weißen rechteckigen Knopf drücken. Zu spät. Denn schon leuchtet das nächste Licht auf. Mit dem linken Fuß drückt sie ein Pedal am Boden. "Das war ja nüchtern schon schwer, aber mit etwas Alkohol kann man es fast nicht schaffen", sagt sie. Das Gerät, das der jungen Dame so zu schaffen macht, ist ein Reaktionstest. Er ist Teil der Medizinisch-Psychologischen Untersuchung (MPU), der sich viele Autofahrer stellen müssen, wenn sie ihren Führerschein abgeben mussten. Doch die junge Frau ist keinesfalls betrunken Auto gefahren oder hat zu viele Punkte in Flensburg gesammelt. Sie nimmt an einer Informationsveranstaltung des TÜV Süd teil. In einem Ulmer Hotel werden zwei wichtige Schritte des Leistungstests, der umgangssprachlich auch als Idiotentest bezeichnet wird, nachgespielt. Der Reaktionstest ist in der Realität die erste Maßnahme, um seinen Führerschein wieder zu bekommen.

"Die MPU findet nicht bei ein bisschen Kleinkram statt", sagt Verkehrspsychologe Thomas Wagenpfeil. Wer mit über 1,6 Promille am Steuer erwischt wurde, unter Drogen Auto fährt oder 18 Punkte auf seinem Verkehrskonto in Flensburg hat, der muss nicht nur für einige Monate seinen Führerschein abgeben, sondern auch nach der Sperrfrist zur MPU. "Das sind Verkehrsteilnehmer, die Schwierigkeiten haben, ihr Verhalten wieder in Griff zu kriegen", sagt Wagenpfeil. Wiederholungstäter. Diese sollten ihr Fehlverhalten erkennen und ihre "guten Vorsätze", dieses zu ändern, auch in die Tat umsetzen, erklärt der Verkehrspsychologe. Mit der MPU soll nachgewiesen werden, ob die Fahrer dieses Ziel auch erreicht haben. In der Bevölkerung ist die Angst vor dem Leistungstest groß. Viele Gerüchte kursieren um die MPU. "Es gibt keinen Anlass, Panik zu schieben. Aber es ist wichtig, die MPU ernst zu nehmen", sagt Wagenpfeil.

Panik bekommen die MPU-Kandidaten vor allem, wenn es um das psychologische Gespräch geht. "Das ist kein Frage-und-Anwort-Spiel", sagt der Verkehrspsychologe. Kein Test, bei dem man die Antworten auswendig lernen kann. Dieser zweite Schritt der MPU wird im Raum nebenan durchgespielt. Ein Freiwilliger ist schnell gefunden. Er schlüpft in die Rolle eines Verkehrssünders, der nach sieben Monaten seinen Führerschein wieder zurück möchte. Der Fahrer sei, so lautet die Angabe des Rollenspiels, mit 1,85 Promille erwischt worden. "Ich habe mich nur ein bisschen müde gefühlt", versucht sich der Tester herauszureden. Er gibt sich übertrieben gelassen. Er schlägt die Beine übereinander, lehnt sich weit in seinen Stuhl zurück und blickt dem Psychologen fest in die Augen. Er möchte den Vorfall herunter spielen. Sonst würde er nie so viel trinken und sich dann keinesfalls ans Steuer setzen, betont er weiter. "Ich war selbst überrascht, dass es so viel war. Ich hätte mich auf 0,4 Promille eingeschätzt." Die Szene wirkt sehr realistisch. Der Mann versucht alles, um den Verkehrspsychologen zu überzeugen, dass er seinen Alkoholkonsum im Griff hat. Und die Alkoholfahrt nur "ein einmaliger Ausrutscher war". Doch: Das sind Ausreden, die laut Wagenpfeil viele Psychologen während den Gesprächen zu hören kriegen. "Wenn er sonst nicht so viel trinken würde, hätte er sich nicht einfach nur müde gefühlt", entlarvt er die Lüge. Bei 1,85 Promille bekämen ungeübte Trinker nicht einmal den Schlüssel in die Zündung. Offenheit, das ist es, was Wagenpfeil von Betroffenen fordert.

Ab zum "Depperl-Test" - aber nur zum Spaß ...

Wagenpfeils Kollege Thomas Grotzer leitet das Gebiet Baden-Württemberg der TÜV Süd Pluspunkt GmbH und ist unter anderem für den Ulmer Raum zuständig. Jede Woche werden in Ulm Informationsabende rund um das Thema MPU angeboten. "Ich halte volle Transparenz rund um die MPU für äußert wichtig. Sie ist die beste Grundlage für eine angstfreie Teilnahme an der MPU", ist er sich sicher. Die Gerüchte, die rund um die MPU im Umlauf sind, wollen die beiden Verkehrspsychologen widerlegen. Kaum jemand, so heißt es im Volksmund, würde den Idiotentest bestehen. "Circa 63 Prozent bekommen ihren Führerschein wieder", betonen hingegen die Verkehrspsychologen. Dennoch: Knapp 35 Prozent der Teilnehmer schaffen es nicht. "Die negativen Ergebnisse entstehen aber nicht, weil die MPU so schwierig ist, sondern weil die Betroffenen oft schlecht informiert sind und mit völlig falschen Erwartungen ins Gespräch gehen", sagt Grotzer. Die Zeit ohne Führerschein sollte zur Auseinandersetzung mit dem Missverhalten führen. Egal ob Alkohol, Drogen oder eine zu aggressive Fahrweise zum Führerscheinverlust geführt hat. Vor allem Alkohol am Steuer dürfe nicht heruntergespielt oder verharmlost werden, betont Grotzer. Denn: Zu viele, die schon einmal mit Alkohol am Steuer erwischt wurden, werden rückfällig. Und diese hätten nicht nur ein Gläschen Bier getrunken, sondern weit tiefer in die Flasche geschaut.

Infoabend

Jeden Dienstag findet um 18 Uhr ein kostenloser Infoabend über die MPU in der Hirschstraße 22 in Ulm statt.

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