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Ulm

03.07.2019

Abt zieht um: Zugpferd mit ungewisser Zukunft

Als Eisenwarenhandel wurde Abt am Münsterplatz gegründet. Der Bau, in dem das Haushaltswarengeschäft sich heute befindet, wurde 1959 gebaut und gilt als sanierungsbedürftig.
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Als Eisenwarenhandel wurde Abt am Münsterplatz gegründet. Der Bau, in dem das Haushaltswarengeschäft sich heute befindet, wurde 1959 gebaut und gilt als sanierungsbedürftig.

Ende der Woche schließt das Haushaltswarengeschäft Abt den Stammsitz am Münsterplatz. Der vom Müller-Konzern forcierte Umzug in die Hirschstraße wirft Fragen auf.

Eine 1879 begonnene Tradition geht am Samstag zu Ende: 140 Jahre nachdem Carl Abt am Münsterplatz begann, Eisenwaren zu verkaufen, fällt der Vorhang. Zumindest am Münsterplatz 7. Abt eröffnet neu am Donnerstag, 25. Juli, im Ex-KL-Ruppert in der Hirschstraße. Was mit der traditionellen Abt-Immobilie wird, steht in den Sternen. Anfragen beim Eigentümer, der Firma des Drogeriekönigs Erwin Müller, blieben unbeantwortet. Auch bei der Stadt Ulm weiß man nicht, wie es weiter geht. „Es ist noch kein Bauantrag bei uns eingegangen“, sagt Ulms Baubürgermeister Tim von Winning.

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Was will Erwin Müller?

Allerdings stehe die Stadtspitze in Kontakt zu Müller. Denn die Ecke sei ein städtebaulich wichtiges Glied der Kette Platzgasse-Münster-Stadthaus-Hirschstraße. Nach den Informationen von von Winning hat Müller noch keine Entscheidung getroffen, was mit dem sanierungsbedürftigen Nachkriegsbau mit 5000 Quadratmetern Verkaufsfläche geschehen soll. Prinzipiell habe er, was den Rahmen des Bebauungsplans angeht, alle Freiheiten: Von Wohnungen, über Handel bis hin zur Gastronomie.

Ein Abriss und Neubau sei bereits grundsätzlich mit der Stadtverwaltung durchgesprochen worden. Denn sollte Müller hier eine Tiefgarage miteinplanen, hat das Rathaus ein Wörtchen mitzureden, was die Zufahrt angeht. Und die könne selbstverständlich nicht über den Münsterplatz oder die Fußgängerzone in der Platzgasse erfolgen – übrig bleibt nur Pfaufengasse oder Rebengasse. Die Firma Müller habe sich bisher „sehr kooperativ“ gezeigt. Eine Kernsanierung werde offenbar von Müller auch in Erwägung gezogen, eine Entscheidung sei jedoch noch nicht gefallen. Aufgrund der städtebaulichen „sensiblen Ecke“ habe von Winning Müller empfohlen, Entwürfe mehrerer Architekten einzuholen.

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Umzug bei Abt ist angelaufen

Der Umzug bei Abt ist am Dienstag sichtbar angelaufen. Und zwar von oben nach unten: In der Spielwarenabteilung im dritten OG werden die Waren bereits in Kisten verpackt. Manche mit „Lager“ gekennzeichnet, die mannshohen Deko-Teddybären tragen Schildchen: „Ich bin beim Umzug dabei“.

Obwohl Abt-Filialchef Thomas Jacobi Teil des Vorstands der Ulmer City Marketing ist, weiß auch Ulms Citymanager Henning Krone kaum etwas über die Pläne Müllers. Nach seinen Informationen soll bis zu einer endgültigen Entscheidung über die Zukunft der Immobilie hier ein Abt-Müller-Outlet einziehen. Krone hofft, dass das Traditionshaus Abt der Anziehungspunkt bleibt, der er in der Vergangenheit war. „Abt war und ist ein absolutes Zugpferd.“ Müller gebe es überall, aber Abt nur in Ulm. Auch durch die Übernahme des Müller-Konzerns von Geschäftsmann Erwin Hutter vor zwei Jahren habe Abt nicht nachgelassen und sei „ein Level höher“.

Schrauben zu Cent-Beträgen bei Abt

Auch Josef Röll, der Einzelhandelsbeauftragte der Ulmer Industrie- und Handelskammer (IHK), bezeichnet Abt als „wichtigen Leuchtturm“ in der regionalen Handelslandschaft. Allerdings glaubt Röll nicht, dass Müller alle Traditionen des Hauses fortführen wird. Die Eisenwarenabteilung im Untergeschoss etwa, in der Schrauben zu Cent-Beträgen einzeln gekauft werden können, sei in absoluter 1A-Lage betriebswirtschaftlich nicht darstellbar. Dass Abt durch den Umzug in die ähnlich großen Räume in der Hirschstraße an Umsatz verliert, glaubt Röll nicht. „Die Lage ist nicht schlechter.“ Und ganz offensichtlich investiert Müller in die Räume des früheren Bekleidungsgeschäfts, wie ein Blick durch die offene Eingangstür zeigt: Es wird gestrichen und auch die Elektrik wird offenbar erneuert. Der neue Abt wird größer als der frühere KL-Ruppert, der einst die Verkaufsfläche mit 3000 Quadratmetern angab. Denn das Geschäft „Cookmal - Erlebniswelt des Kochens“, das über die Pfauengasse zugänglich war, ist längst dicht und wird Abt zugeschlagen.

Abt war ein großer Konzern

Abt war vor der Insolvenz im Jahr 2003 nicht nur das Haushaltswarengeschäft am Münsterplatz. Neben dem Eisenwaren- und Haushaltsgeschäft umfasste die Carl Abt KG das Sport-Fachgeschäft in der Frauenstraße (Heute Sport Klamser) einen Großhandel für Eisenwaren und einen für Industrie und Handwerk, den „Hogaka“-Großhandel für Hotel-, Gaststätten- und Kantinenbedarf und „Picobello“ einen Handel für Rasenmäher und Reinigungsgeräte.

Die Zukunft des zahlungsunfähigen Traditionshauses am Ulmer Münsterplatz wurde 2004 durch den Günzburger Unternehmer Hermann Hutter und eine Investorengruppe gesichert. Hutter päppelte das Haus mit etwa 100 Mitarbeitern auf, gewann beispielsweise vor zehn Jahren den „Zukunftspreis Handel Baden-Württemberg“. Nun ist die Zukunft wieder ungewiss.

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