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28.03.2009

Älter als der Dom zu Speyer

Altenstadt (grr) - Auf dem Friedhof im Markt Altenstadt steht eine der ältesten Kirchen des Landkreises. Das kleine Portal in der nördlichen Seitenwand der katholischen Pfarrkirche Mariä Geburt wurde wohl im neunten Jahrhundert von einem kunstfertigen Steinmetz gemeißelt. Altenstadts Vergangenheit reicht in römische Besatzungszeit zurück.

Urkundlich belegt ist die Kirche auf dem Friedhof erst fürs Jahr 1300, als der Gemeinde ein Ablassbrief ausgestellt wurde. Der könnte auf den Beginn oder auch das Ende von Umbauten am damals schon fast 500 Jahre alten Gotteshaus hinweisen. Mit den Einnahmen aus dem Ablass dürfte die Baumaßnahme finanziert worden sein. Fürs Jahr 1397 wird die Weihe eines neuen Kirchenaltars überliefert. Gut 200 Jahre später lässt der Ortsherr, Freiherr Franz Gebhard von Rechberg, die Kirche renovieren. Vielleicht war er von der Verwandtschaft im benachbarten Kellmünz dazu angeregt worden. Die hatte 1594 ihr uraltes Martinskirchlein in Filzingen renovieren, teilweise umbauen und mit neuen Bildern ausmalen lassen.

Die Altenstadter Kirche erhielt zugleich mit einer Renovierung ums Jahr 1600 einen neuen Glockenturm. Ihr Chor wurde im Stil der Renaissance ausgemalt. Spätere Generationen übertünchten nach dem sich wandelnden Zeitgeschmack diese Bilder. Die Renovierung von 1948 legte sie wieder frei. Sie sind allerdings nur teilweise erhalten. Am Chorgewölbe lassen sich die Brustbilder der Kirchenlehrer Hieronymus und Gregor und der Evangelisten Johannes und Lukas einigermaßen klar erkennen.

Im Chorbogen sind links die klugen, rechts die törichten Jungfrauen dargestellt, deren Schicksal der Evangelist Matthäus im 25. Kapitel schildert. Der Scheitel des Chorbogens zeigt ein Bild des Weltenrichters.

Älter als der Dom zu Speyer

Den Beleg für das ungewöhnliche Alter der Altenstadter Kirche liefert das Portal in der nördlichen Seitenwand. Es reicht zurück in eine Entstehungszeit weit vor der Romanik. Typisch für die heute so bezeichnete karolingische Kunst im neunten und zehnten Jahrhundert ist neben anderem der plastische Schmuck der gedrehten und geflochtenen Bänder, wie sie hier den Eingang in die Kirche auf beiden Seiten begleiten. Mit ihrer nun wohl ins neunte Jahrhundert zu datierenden Entstehungszeit ist die Pfarrkirche Mariä Geburt in ihren ältesten Teilen nur um wenige Jahrzehnte jünger als die 798 fertiggestellte Pfalzkapelle Karls des Großen in Aachen, Kernstück aller karolingischen Baukunst. Etwa gleichaltrig wie das Altenstadter Portal sind die Stiftskirchen in Fulda und Bad Hersfeld, die Klosterkirche in Corvey an der Weser, St. Georg auf der Bodenseeinsel Reichenau. Gut 200 Jahre nach Altenstadt erst wurde mit dem Bau des Speyerer Doms begonnen und noch einmal hundert Jahre danach mit dem Kaiserdom in Worms.

Dass Altenstadts Pfarrkirche auf ein derart hohes Alter zurückblickt, ist kaum verwunderlich. Der Ortsname deutet darauf hin, dass die Gegend hier auf dem rechten Illerufer seit dem Rückzug der römischen Besatzungstruppen im dritten Jahrhundert ununterbrochen besiedelt war. Die Zeit der Völkerwanderung überstand der Ort wohl. Allerdings tritt er erst im 12. Jahrhundert in die urkundlich greifbare Geschichte ein. Er wird als Eigentum der Pfalzgrafen von Tübingen genannt, die 1085 das Kloster Blaubeuren gründeten.

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