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Weißenhorn/Landkreis

28.11.2019

Ärger über teure Sanierung des Gymnasiums Weißenhorn

Die Sanierung des NKG-Fachklassentrakts wird noch einmal deutlich teurer. Schuld daran sind nicht allein die nach oben strebenden Baupreise. Im zuständigen Abschuss des Landkreises gab es deshalb Ärger.
Bild: Andreas Brücken

Plus Kreispolitiker müssen schon wieder einen deutlichen Kostennachschlag für den Fachklassentrakt des NKG abnicken. Dabei wird manchem der Kragen zu eng.

Nicht jedes Amt scheint sich förderlich auf die Gesundheit auszuwirken, etwa das des Landrates. Manche Papiere, die auf dem Schreibtisch von Thorsten Freudenberger landen, verursachen bei ihm „Bluthochdruck“, wie er jetzt im Bau- und Planungsausschuss des Landkreises sagte. Etwa die jüngste Kostenaufstellung zur Teilsanierung des Weißenhorner Nikolaus-Kopernikus-Gymnasiums (NKG). Kurz gesagt: Die Angelegenheit wird noch einmal deutlich teurer – so teuer, dass einige Ausschussmitglieder ihrem Ärger freien Lauf ließen. Möglicherweise schwillt ihnen in einer der nächsten Sitzungen wieder der Kamm, denn das Projekt ist noch lange nicht abgerechnet – und es könnten noch unliebsame Überraschungen auftauchen.

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Ursprünglich wollte der Landkreis den sogenannten Fachklassentrakt des NKG zum geschätzten Gesamtpreis von rund 5,4 Millionen Euro gründlich aufpolieren. Doch noch bevor der erste Handwerker den Hammer in die Hand nahm, war dieser Ansatz nicht mehr zu halten. Zum einen hatte die Regierung von Schwaben erst nach einem Jahr Prüfung den Zuschussantrag beschieden. In dieser Zeit waren die Baupreise nach oben geklettert. Zum Anderen musste der Kreis deutlich mehr als veranschlagt für die Miete der Ausweichcontainer berappen. Im Laufe der Bauarbeiten passierte das, was bei er Sanierung ältlicher Bauten stets passiert: Es treten Dinge zutage, die niemand auf der Rechnung hatte und die nachgebessert werden müssen. Zudem meldete die Schule zusätzlichen Bedarf an, etwa bei der Möblierung. Und die Baupreise? Waren schon wieder gestiegen.

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NKG: Mietcontainer treiben Kosten in die Höhe

Im Februar nickte der Bau- und Planungsausschuss grummelnd einen Kostennachschlag von 565000 Euro ab. Bei der jüngsten Sitzung am Mittwoch sollten die Kreispolitiker noch einmal 360000 Euro zusätzlich bewilligen. Damit liegt die aktuelle Kostenschätzung für das NKG-Projekt bei 6,61 Millionen Euro. Diese Summe weist das Landratsamt in den Unterlagen für die Ausschusssitzung als „Zwischenstand“ aus. Das sind 1,4 Millionen mehr als kalkuliert. Da wurde manchem im Raum der Kragen zu eng.

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Kurt Baiker (FWG) zeigte sich „erschüttert“, wie er sagte. Sein Hauptargument in der Diskussion: Der zu sanierende Gebäudetrakt sei nicht gründlich genug untersucht worden, bevor die Kostenberechnung gemacht wurde. Er sprach von einem „lässigen Umgang“ mit Steuermitteln: „Ich finde es absolut nicht okay, was uns hier untergejubelt werden soll.“ Der Grüne Helmut Meisel sah die Dinge ähnlich. Die „Grundlagenermittlung“ sei nicht vollständig gewesen. „Dafür geben wir einen Haufen Geld aus“, kritisierte Wolfgang Schrapp (FWG). Er hält die Voruntersuchung für „schlampig“, dem müsse ein Riegel vorgeschoben werden.

Ärger über teure Sanierung des Gymnasiums Weißenhorn
25 Bilder
Spritzige Gala am NKG
Bild: Andreas Brücken

Allerdings sei tatsächlich manches einfach nicht abzusehen gewesen, beteuerte Joachim Müller, der zuständige Fachbereichsleiter im Landratsamt. Es gebe nun einmal ein gewisses Restrisiko bei der Sanierung bestehender Gebäude. So mussten etwa Estrichflächen entfernt werden, weil sie mit künstlichen Mineralfasern belastet waren. Wie ein Vertreter des zuständigen Planungsbüros Nething erklärte, seien zwar in jedem Stockwerk die Böden von ein bis zwei Räumen vorher untersucht worden, aber es habe sich gezeigt, dass unterschiedliche Dämmmaterialien verbaut worden waren. Deshalb musste der komplette Estrich raus. Um die Oberflächen in jedem Schulraum zu untersuchen, hätte das Gebäude geräumt werden müssen. Das jedoch wäre nach Ansicht von Baiker während der Schulferien kein Problem gewesen. Dass sich erst während der Arbeiten herausstellte, dass Fassadenbleche mit dem Untergrund verklebt waren und sich deshalb nicht einfach demontieren ließen, hätte man vorher feststellen können, monierte Baiker ebenfalls. Da hätte es genügt, vorher mal mit dem Schraubenzieher drunter zu fahren, um das herauszufinden.

Der Landrat nahm seine Verwaltungsmitarbeiter in Schutz, die hätten bei der Überwachung des Bauprojekts gute Arbeit geleistet. Manchmal gebe es eben Sachzwänge und Probleme, die schnell gelöst werden müssen. Damit reagierte er auf den Vorwurf, die Kreisräte hätten viel früher über die Probleme informiert werden müssen. Baiker meinte, in diesem Fall sei auch eine Sondersitzung angebracht. Joachim Müller hielt dagegen: Bei überraschend auftretenden Problemen müsse oft schnell entschieden werden. Die Baustelle könne nicht bis zu einer Sondersitzung stillgelegt werden, das wäre dann noch teurer.

Apropos teurer: Noch sind nicht alle Sanierungsarbeiten erledigt und bei der Neugestaltung der Außenanlagen „läuft es auch nicht reibungslos“, wie Müller sagte. Es könnte also noch ein bisschen kostenintensiver werden. Zumindest die jüngste Teuerung hat der Ausschuss einstimmig gebilligt, auch wenn Wolfgang Schrapp dabei heftig das Gesicht verzog.

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