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Ulm

16.04.2015

Airbus spaltet die Kulturnacht

Ein Bild aus besseren Zeiten? Vor einigen Jahren gab es Raketen bei der Kulturnacht nur im Ulmer Museum.
Bild: Archivfoto: Alexander Kaya

Die Rüstungssparte des Airbus-Konzerns fördert auch 2015 die Großveranstaltung. Einige Institutionen haben deshalb schon abgesagt.

Ein Zentrum des Widerstands ist Radio Free FM. „Wir haben den Entschluss gefasst, nicht mitzumachen“, sagt Marc Ender, Mitglied des Vorstands. Aus seiner Sicht habe es dazu auch keine Alternative gegeben: In den Statuten stehe, dass es für militaristisches Gedankengut bei Free FM keinen Platz gebe. Doch ganz einfach war die Entscheidung trotzdem nicht, gibt Ender zu: „Es gab eine sehr angeregte Diskussion.“ Auch, weil es unter den ehrenamtlichen Mitarbeitern Airbus-Angestellte gebe. Eine Mehrheit sei aber dagegen, den Imagetransfer des Unternehmens mit Logo und Namen des Senders zu unterstützen. Um ähnliche Diskussionen überflüssig zu machen, will der Vorstand die Statuten in die Satzung des Senders übertragen. Demnächst sollen die Mitglieder darüber abstimmen.

Der freie Sender steht mit seiner Kritik nicht alleine da. Die Griesbad-Galerie etwa war wegen des Airbus-Engagements schon 2014 ausgestiegen. Damals war die ehrenamtlich betriebene Galerie mit ihrem Protest noch allein auf weiter Flur. Doch 2015 zieht die Debatte weitere Kreise, vor allem, aber nicht nur bei Kulturmachern aus dem links-alternativen Milieu. So schickte etwa die Autorin Adi Hübel ihre Absage gleich noch an die Ulmer Kulturbürgermeisterin Iris Mann und an die Presse. Sie schrieb: „Kultur und Waffen, Kultur und Rüstung, Kultur und Krieg passen einfach nicht zusammen.“

Laut Sabrina Neumeister, Leiterin der Hauptabteilung Kultur bei der Stadt Ulm, haben bislang acht Institutionen ihre Teilnahme abgesagt. Neumeister bedauert dies, steht aber zum Dreijahresvertrag mit dem Sponsor, der sich zuletzt unter anderem auch beim Berblinger-Jubiläum und beim A-cappella-Wettbewerb engagierte – stets ohne Proteste. Dem Konzern, der in Ulm vor allem im Bereich Radartechnik arbeitet, gehe es bei seinem Sponsoring nicht um Kundenwerbung: „Airbus ist mit seinen 2500 Mitarbeitern Teil der Stadtgesellschaft“, so Neumeister. Aber jeder Kulturschaffende müsse für sich selbst entscheiden, ob er den Rahmen der Veranstaltung und damit auch deren Sponsoren akzeptieren kann. Wie viel sich das Unternehmen die Partnerschaft kosten lässt, wollen die Verantwortlichen nicht verraten. Eine Ahnung gibt die anfangs zitierte Marketing-Broschüre. In dieser werden die Kosten einer Premium-Partnerschaft mit 12500 Euro beziffert.

Die Zahl der Anmeldungen bewegt sich laut Mareike Kuch vom Kulturamt der Stadt Neu-Ulm bislang in etwa auf dem Niveau vergangener Jahre. Kuch hat Verständnis für die Gegner, hält deren Argumente jedoch nicht immer für schlüssig. Schließlich sei das Rüstungsunternehmen auch ein großer Gewerbesteuerzahler und trage so, zumindest in Ulm, auch erheblich zum Kulturetat bei. „Airbus-Geld steckt eigentlich überall drin“, so Kuch. Ein Vergleich, den Martin Leibinger von der Griesbad-Galerie so nicht akzeptieren will. Gewerbesteuer habe nichts mit Werbung für ein Unternehmen zu tun. „Wenn man Sponsorengeld annimmt, muss man sich im Klaren sein, wofür man mit seinem Namen einsteht.“ Die Griesbad-Galerie werde in der Kulturnacht geschlossen bleiben.

Einige Verweigerer wollen am 19. September aber trotzdem öffnen und ein Programm anbieten. Eine Haltung, die Ulms Kulturdezernentin Neumeister scharf kritisiert: Damit schadeten diese den eigenen Kollegen – und nutzten letztlich doch die Infrastruktur und die Aufmerksamkeit, die durch die von ihnen abgelehnte Kulturnacht geschaffen wird. Zu den Teilverweigerern gehört auch die Volkshochschule Ulm. „Wenn der Sponsor bleiben sollte, werden wir nicht in das Heftchen gehen, keine Bändel verkaufen und deswegen auch nicht an der Ausschüttung teilnehmen“, sagt Vh-Leiterin Dagmar Engels. Doch gehe es ihr nicht vorrangig um den Protest gegen Airbus, sondern um die Einheit der Kulturnacht. Zu dieser passe ein Sponsoring durch eine Rüstungsfirma nicht. Engels’ Vorschlag: Die Kulturnacht sollte auf das Geld verzichten – und die Ausschüttungen an die Teilnehmer entsprechend reduzieren.

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