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Ulm

12.06.2015

Alkohol am Steuer: Besuch in Unfallchirurgie soll Jugendliche abschrecken

Nach einem schrecklichen Unfall soll ein neues Projekt Jugendliche aufklären und warnen.
Bild: Dagmar Hub

Durchtanzte Nächte, dazu massig Alkohol und dann ins Auto. Wie ein Projekt Jugendliche an schlimme Folgen denken lassen soll. Der Anlass ist konkret und erschütternd.

Das Schicksal der 18-Jährigen, die am frühen Karfreitagmorgen bei einem Autounfall im Ulmer Ortsteil Böfingen ums Leben kam, soll anderen jungen Menschen möglichst erspart bleiben: Erstmals lud die Unfallchirurgie des Universitätsklinikums 16- bis 18-jährige Schüler zu einem Unfall-Präventionsprogramm auf den Oberen Eselsberg.

Der Hochrisikogruppe der Führerscheinanfänger soll ein Gespür für vermeidbare Risiken im Straßenverkehr vermittelt werden. Der Tod des jungen Mädchens, das auf dem Rücksitz eines Fahrzeugs saß, das mit überhöhter Geschwindigkeit gegen einen Mast am Straßenrand prallte, gab Notfallmedizinern Anlass, das weltweit erfolgreiche Projekt „P.A.R.T.Y.“ in Ulm auszuprobieren.

„Feiern bis der Arzt kommt“: Der flapsige Spruch wird zu oft bittere Wahrheit. In der deutschen Bevölkerung macht die Altersgruppe der 18- bis 25-Jährigen acht Prozent aus, bei den tödlichen Verkehrsunfällen ist diese Altersgruppe zu 30 Prozent vertreten.

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Notfallmediziner haben das Projekt erarbeitet

Die Realität der Notfallmediziner und der Mitarbeiter des Rettungsdienstes ist häufig mit den Folgen von Alkohol- und Drogengenuss, Selbstüberschätzung und neu entdeckter Freiheit konfrontiert. Der griffige Name des Präventionsprojekts, der an durchtanzte Nächte mit cooler Musik und Alkohol denken lässt, ist ein Akronym, das ins Deutsche übersetzt „Prävention von alkohol- und risikobedingten Traumen bei Jugendlichen“ bedeutet.

Beim Start des Projekts arbeiteten Notfallmediziner, Mitarbeiter des Rettungsdienstes, ein Physiotherapeut, ein Polizeihauptkommissar und ein ehemaliger Traumapatient mit Schülern des Schubart-Gymnasiums.

In Gruppen lernten die Schüler Rettungsfahrzeuge, den Schockraum der Neuen Chirurgie, die Intensivstation und die Normalstation der Unfallchirurgie kennen. Unfallärztin und Projektleiterin Sigrun Traub erklärte den Jugendlichen Traumata als Verletzungen von Körper, Geist und Seele und erläuterte ihnen anhand von Röntgenbildern physische Unfallfolgen. Betroffene Stille herrschte unter den Schülern angesichts der unmittelbaren Nähe von Lebensmomenten, in denen gefeiert oder angegeben wurde, und den radikal zerstörenden Unfallfolgen, die sich die Schüler anhand gerade der gezeigten Bilder vorstellen konnten.

Der Zweiradfahrer, dessen Hochstart-Versuch an der Ampel scheiterte – und ein Röntgenbild des abgebrochenen Hüftkopfes, der sich in den Hoden schob. Bei solchen Bildern mussten die meisten der beteiligten Jugendlichen schlucken.

Bleibende Folgen verändern das Leben der Opfer

Wie sehr schwere oder bleibende Unfallschäden das Leben des Betroffenen, seine Familie und seinen Freundeskreis verändern, schilderte Polizeihauptkommissar Alfons Pfaff, der selbst als junger Mann seinen 19-jährigen Bruder bei einem Verkehrsunfall verlor. Pfaff arbeitet in der Verkehrsunfall-Prävention der Ulmer Polizei. Er zeigte den Jugendlichen ungestellte Unfallbilder eines Mercedes, mit dem eine Gruppe von sechs Jugendlichen verunglückt war.

Fahrer und Beifahrer starben an der Unfallstelle; von den schwer verletzten Überlebenden engagierten sich später zwei Jugendliche, Jens und Daniel, indem sie in einem Filmporträt über den Unfall und seine Auswirkungen berichten – vom Mädchen auf dem Rücksitz, das kreischend gebeten hatte, dass langsamer gefahren würde, davon, wie sie ausgelacht wurde.

Vom endlos scheinenden stummen Moment, als das Fahrzeug außer Kontrolle geriet, es sich auf die linke Seite legte und gegen einen Baum prallte. Vom Koma und dem langsamen Wiedererlernen der einfachsten Fähigkeiten, von den psychischen Traumafolgen. Jens konnte seine Ausbildung nicht beenden, weil er sich nicht mehr konzentrieren kann.

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