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Theater Ulm

16.01.2016

Als Frau macht Mann was mit

Traumjob Tante? Gunther Nickles (Mitte) mit Jörg-Heinrich Benthien (links) und Wilhelm Schlotterer.
Bild: Martin Kaufhold

Bei der Premiere von „Charleys Tante“ sind die Zuschauer rundum zufrieden – vor allem mit der Optik und einem Schauspieler

Es waren die bekannten Verfilmungen mit Heinz Rühmann und Peter Alexander, die das Premierenpublikum von Brandon Thomas’ Farce „Charleys Tante“ im Großen Haus des Theaters Ulm vor dem inneren Auge hatte. In Ulm sorgt Gunther Nickles, in der in den frühen 60er-Jahren angesiedelten Inszenierung des 1959 geborenen Murat Yeginer, als Verkörperung von Charleys Tante, für beste Unterhaltung. Die Besucher äußerten sich in der NUZ-Umfrage sehr positiv.

Klaus Gerstenmaier kam aus Stuttgart erstmals ins Theater Ulm. „Die Inszenierung hat mir ausgesprochen gut gefallen“, wertet er. „Sie ist sehr charmant, witzig und mit feiner Hand gemacht. Neue Pointen sind hervorragend eingeflochten. Natürlich ist es einfach schön, die alten Werbesprüche zu hören; das ist nicht betulich – das ist einfach sehr gut.“ Freilich sei „Charleys Tante“ kein Shakespeare, sagt Gerstenmaier. „Aber gerade das Genre Komödie muss man auch beherrschen!“

Ulms designierter OB Gunter Czisch lobt Yeginers Inszenierung ebenfalls. „Ein wirklich lustiger Abend! Bemerkenswert kurzweilig! Ich habe schon Jahre hier im Theater nicht mehr so gelacht.“ Gerade die Leute zum Lachen zu bringen sei eine hohe Kunst, sagt Czisch. Das gelinge der Inszenierung vor allem in der Anpassung von Pointen aus der Zeit der Verfilmungen im Wirtschaftswunder ans Heute.

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Jürgen und Renate Götz (Ulm) diskutieren nach der Premiere mit Freunden über die Inszenierung. „Wir fragen uns gerade, ob ‚Charleys Tante‘, das man früher superlustig fand, noch in die heutige Zeit passt.“ Gunther Nickles aber sei auf jeden Fall großartig. „Dass er am Ende selbst nicht mehr weiß, ob er Mann oder Frau ist – solche Rollen kann Nickles einfach supergut.“ Die Idee, den Butler gegen einen Gastarbeiter auszutauschen, kam bei dem Ehepaar sehr gut an.

Großes Lob bekommt Nickles auch von Jürgen Steinacker. „Die Dynamik der Gags über den ganzen Abend zu halten, ohne dass es abgleitet – dazu gehört viel.“ Die Inszenierung sei sehr spaßig, sagt der Ulmer, und Walter von Have auf der Bühne wiederzusehen, habe Freude bereitet.

Die Ulmerin Dörte Kamcke erzählt: „Ich liebe die alten Verfilmungen von ‚Charleys Tante‘!“ Deshalb habe ihr Murat Yeginers Inszenierung auch sehr gut gefallen. „Die aktuellen Gags bereichern den Abend, aber es ist auch schön, dass die Kostüme so in die Zeit der Verfilmung passen.“

Doch warum die Zeit des Wirtschaftswunders? Murat Yeginer, der Regisseur, hat sie nur mehr am Rande miterlebt. „Ich war sechs Monate alt, als ich 1960 mit meinen Eltern aus der Türkei nach Deutschland kam“, erzählt er. „Ich wollte, dass die älteren Zuschauer in Erinnerungen schwelgen und die jüngeren sich die Zeit vorstellen können, in der ihre Eltern jung waren.“ Die Mode jener Zeit etwa sehe er nämlich derzeit in den Schaufenstern widergespiegelt. „Selbst der Trend zur früheren Heirat scheint gerade wiederzukommen.“ Wichtig sei ihm aber gewesen, den antiquierten Butler gegen einen jungen Gastarbeiter auszuwechseln. (köd)

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