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Ulm

17.05.2015

Als Ulmer Türke zwischen den Welten

Der Verein Süddialog will Brücken zwischen den Kulturen bauen.
Bild: dpa

Wie ein Verein Brücken von Kultur zu Kultur bauen will

Wie schwierig für sie als Kinder das Leben in zwei Gesellschaften war, erzählen Atakan und Alpertonga: „In Deutschland war man der ‘Ausländer’ in der Klasse und in den Ferien bei den Verwandten in der Türkei der ‘Gedeutschte’“ – gerade wegen übernommener Werte wie Pünktlichkeit und Ordnung. Man wird in dieser Zwischenposition automatisch zum Vermittler“, erklärt Kostak Atakan. „Man erklärt den Eltern, was die christlichen Mitschüler an Weihnachten feiern, man erklärt der Tante aus der Türkei, was im Bescheid des Finanzamtes steht, man erklärt den Klassenkameraden, warum man nicht mit Schuhen in die Wohnung geht.“

Das Erklären setze sich noch heute fort: Sein neunjähriger Sohn frage ihn nach den Hintergründen des religiös motivierten Terrors, dem der Verein im Rahmen einer gemeinsamen Erklärung eine klare Absage erteilte. Terroristische Gewalt ist durch nichts zu rechtfertigen, sondern ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit und gegen menschliche Gemeinschaften, sagt Atakan.

In Ulm ist der Verein Süddialog noch relativ unbekannt; seit November 2014 hat er seinen Sitz in der Kronengasse. „Unser Ziel ist es, aus dem Nebeneinander der Kulturen, Etnien und Religionen in der Stadt ein Miteinander entstehen zu lassen“, sagt Burak Alpertonga. Etwa 150 Mitglieder hat der Verein. Mitglieder kommen auch aus dem Landkreis Neu-Ulm, aus Thalfingen beispielsweise, wo Burak Alpertonga lebt. Sie verstehen sich als Teil der Gesellschaft, für die sie Verantwortung tragen wollen. Entstanden ist der politisch neutrale Verein, der seinen Sitz in Tübingen hat, aus einer losen Vereinigung von Studenten, die sich 1998 um den Abbau von Ressentiments zwischen den Angehörigen unterschiedlicher Kulturen zu bemühen begannen. 2009 folgte die Vereinsgründung. Das akutelle Vereinsprojekt „Beni Tani“ beispielsweise greift den Wunsch jugendlicher Muslime auf, in der Gesellschaft im positiven Sinn sichtbar zu werden.

„Unser Wunsch ist es, einen Trialog entstehen zu lassen“, sagt Burak Alpertonga. Eine abrahamitische Ökumene also, ein christlich-islamisch-jüdischer Dialog, wie er auch von den Theologen Hans Küng und Karl-Josef Kuschel gefordert wurde. Um die gemeinsame Zukunft geht es, sagt Alpertonga. „Dazu ist es wichtig, die Gemeinsamkeiten der monotheistischen Religionen stärker zu betonen als die Unterschiede.“ Burak Alpertonga ist auch ein gern gesehener Gast im Ulmer Haus der Begegnung, wie Michael Hauser, der dortige Leiter betont. Der Süddialog-Geschäftsführer referierte dort über ein multireligiöses Stadtviertel in Istanbul, in dem Christen, Muslime un Juden Tür an Tür wohnen. Fast so wie in Ulm.

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