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14.03.2019

Alte Patienten – ein Zuschussgeschäft

Die Betreuung alter Menschen ist aufwendig und teuer – für die Geriatrie in Illertissen ein Zuschussgeschäft.

Die Verluste der Kreiskrankenhäuser werden auch in diesem Jahr nicht sinken. Dennoch will die Klinikleitung das Angebot verbessern und etwa Herzpatienten besser versorgen

Josef Kränzle von den Freien Wählern wollte es ganz konkret wissen: Wie viel legt die Kreisspitalstiftung bei den Ge-riatriepatienten pro Person und Tag drauf? Es sind etwa 50 Euro, sagte jetzt der medizinische Direktor Dr. Andreas Keller im Krankenhausausschuss des Landkreises. 250 bis 260 Euro kostet die Versorgung eines alten Menschen in der geriatrischen Abteilung der Illertalklinik, doch von den Kassen werden etwa 50 Euro zu wenig gezahlt – ein Zuschussgeschäft also. Stiftungsdirektor Marc Engelhard nannte das einen „überschaubaren Betrag“. Alte Menschen brauchen enorm viel Pflege, erklärte Keller, „das ist ein wahnsinniger Aufwand“. Diese Kosten tragen mit dazu bei, dass die drei Kliniken im Landkreis weiterhin tiefrote Zahlen schreiben. Das wird auch in diesem Jahr so sein, wie aus den Eckdaten des Wirtschaftsplans 2019 hervorgeht, den Engelhard am Donnerstag den Mitgliedern des Ausschusses erläuterte.

Das Personal kostet die Kliniken am meisten

Da der Jahresabschluss für 2018 noch nicht erstellt wurde, verglich Engelhard die Schätzungen für dieses Jahr mit dem Ergebnis von 2017. Damals wurde ein Minus von 13 Millionen eingefahren. Heuer sieht es nicht besser aus. Die Kreisspitalstiftung geht von einem Verlust in Höhe von fast 14 Millionen Euro aus. Ein wesentlicher Grund dafür sind die Personalkosten, die 70 Prozent aller Ausgaben verschlingen, Unter anderem müssen Tariferhöhungen im Öffentlichen Dienst aufgefangen werden.

Das war auch ein wichtiger Grund, warum im Jahr 2017 der Verlust drastisch in die Höhe ging. Standen die Kliniken 2016 noch bei 7,3 Millionen Euro Minus, so waren es 2017 schon 13 Millionen. Wie ein Vertreter des Bayerischen Kommunalen Prüfungsverbandes (BKPV) erläuterte, der gerade den Jahresabschluss unter die Lupe nimmt, wurde damals die Eingruppierung der Beschäftigten im Tarifvertrag für den Öffentlichen Dienst (TVöD) geändert. Das verursache Mehrkosten von allein einer Million Euro. Das erklärt allerdings nicht die gesamte Steigerung der Verluste. Dazu wollte sich der Vertreter des BKPV in der Ausschusssitzung nicht äußern. Allerdings habe die neue Entgeltordnung im Tarifvertrag auch andere Häuser getroffen, die bis dato verlustfrei arbeiteten und mittlerweile in den roten Zahlen stecken.

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Wann sinkt endliche das Defizit der Kliniken?

Der Landkreis Neu-Ulm muss bekanntlich die Verluste der Krankenhäuser ausgleichen. Im aktuellen Haushaltsplan, der noch nicht verabschiedet ist, stehen allein für dieses Jahr 14,57 Millionen Euro, die aus den vergangenen Jahren abzuzahlen sind. Insgesamt muss der Kreis 19,2 Millionen Euro für die Kliniken aufbringen, denn er hat ja unter anderem noch eine Krankenhausumlage an den Freistaat Bayern abzuführen. Die beträgt allein knapp 4,4 Millionen Euro. Der Rest entfällt auf Abschreibungen. Neu-Ulms Oberbürgermeister Gerold Noerenberg bemängelte beim Blick auf die mittelfristige Finanzplanung, dass die Defizitzahlen weiterhin nicht spürbar sinken, dabei habe Engelhart doch ein Einsparpotenzial von neun Millionen Euro ausgemacht.

Bessere Betreuung für Herzpatienten

Wegen der schlechten Finanzsituation sah Noerenberg die Pläne der Spitalstiftung kritisch, an der Donauklinik ein Herzzentrum aufzubauen. Davon verspricht sich die Stiftung eine engere Zusammenarbeit der drei Standorte und eine Verbesserung der Behandlung, da die Einrichtung zentral geleitet wird. Hinzu soll eine sogenannte Chest Pain Unit (CPU) in Weißenhorn. Eine solche Einrichtung nimmt sich der Patienten mit akuten Brustschmerzen an. Dort kann relativ zügig abgeklärt werden, ob diese ein Zeichen einer Herzerkrankung sind oder nicht. Dafür will die Klinikleitung die seit Jahren leer stehende Station zwei in Weißenhorn nutzen. Nach Darstellung von Engelhard macht solch eine Einrichtung Sinn, denn der Rettungsdienst rückt in 25 bis 30 Prozent aller Fälle aus, weil Menschen über unklare Schmerzen in der Brust klagen. Außerdem sei die CPU auch wirtschaftlich attraktiv.

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