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Weißenhorn

11.10.2014

Am Bahnhof dampft der Cappuccino

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4 Bilder
Im neuen Bistro des frisch sanierten Bahnhofs herrscht schon reger Betrieb: Morgens und um die Mittagszeit finden sich dort hungrige und durstige Weißenhorner ein.
Bild: Alexander Kaya

Mit ihrem Bistro „Endstation“ haucht Pächterin Kerstin Veser dem markanten Gebäude in Weißenhorn neues Leben ein. Dafür brauchte sie mehr als nur ein bisschen Farbe

In den Bombenächten des Zweiten Weltkriegs suchten die Weißenhorner im Keller des Bahnhofsgebäudes Schutz – heute erfüllt der Duft von Kaffee und Cappuccino das historische Haus: Mit ihrem Bistro „Endstation“ fügt Pächterin Kerstin Veser aus Attenhofen der bewegten Geschichte des markanten Bauwerks an der Herzog-Georg-Straße ein neues Kapitel hinzu. In den zurückliegenden Tagen lief das Café bereits im Probebetrieb, jetzt hat es offiziell geöffnet. Dunkle Holztische, Lederbänke und Barhocker laden zum Verweilen ein, in den Vasen stecken rote Rosen. Bis zu 40 Personen finden in dem Bistro Platz. An Gästen fehlt es nicht: „Die Ersten haben nur mal vorsichtig reingeschaut, aber gestern war es dann morgens schon richtig voll“, freut sich Gastronomin Veser.

Nach einer stressigen Vorbereitungszeit und schweißtreibenden Einrichtungsarbeiten können sie und ihr sechsköpfiges Team nun endlich brühen, kochen und zapfen: „Wir freuen uns sehr, dass es los geht“, sagt die Pächterin, die hungrigen und durstigen Fuggerstädtern am Bahnhof einiges bieten will. Morgens gibt es Backwerk, mittags ein Tagesgericht und abends Pizza und Cocktails – und zwar solange die Gäste bleiben wollen. Denn einen offiziellen Ladenschluss hat die „Endstation“ bisher nicht.

Rote Fassade, grüne Fensterläden und ein neues Dach: Das im Jahr 1878 erbaute Bahnhofsgebäude hat zuletzt eine Rundumerneuerung erhalten. Mühlenbesitzer Alexander Engelhard hatte das Haus, wie berichtet, Anfang des Jahres von der Stadt gekauft. Der Attenhofer investierte eine sechsstellige Summe in den Ausbau: „Mit ein bisschen Farbe war es nicht getan.“ So habe sich kurz nach dem Kauf gezeigt, dass es Schäden am Dach gibt. „Das haben wir dann gleich neu gemacht.“

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Auch von innen ist das Haus kaum wiederzuerkennen: Einige Wände mussten weichen, andere sind hinzugekommen. Zudem wurden alle Leitungen für Strom und Wasser neu verlegt und Toiletten eingebaut – diese sollen künftig Bürgern und Bahnreisenden offen stehen. Wer durch die elektrische Tür durch den Haupteingang kommt, betritt einen nagelneuen Holzboden. Es riecht nach frischer Farbe. Ganz fertig ist der Bahnhof aber nicht – das Vordach fehlt noch, genauso wie der Lastenaufzug auf der Nordseite. „Der liegt schon bei mir Zuhause“, sagt Engelhard, der mit einem Zollstock zu Gange ist. Es bleibt einiges zu tun: „Ich bin eigentlich jeden Tag da.“ Trotzdem sei er noch nicht dazu gekommen, in der „Endstation“ eine Kaffee zu trinken. Das will der Attenhofer aber spätestens bei einem Tag der offenen Tür nachholen, den er im November ausrichtet, sobald die Sanierung abgeschlossen ist.

Anders als der Eigentümer sind mehrere Weißenhorner schon im Bahnhof eingekehrt. Um die Mittagszeit füllt sich das Bistro: Mit sichtlichem Genuss versenkt ein Mann seine Nase im Milchschaum seines Heißgetränks, Kerstin Veser reicht zwei Teller mit Käsespätzle über den Tresen, derweil zapft ihr Mann Michael ein Weißbier.

Die Nachfrage nach dem Gerstensaft war offenbar schon groß – in dem bauchigen Glas sammelt sich hauptsächlich Schaum. „Das Fass ist leer“, ruft Michael. Der Gast nimmt die kleine Wartepause mit Humor. „Kein Problem.“

Das Pächterehepaar fühlt sich von den Weißenhornern bisher gut angenommen. „Manche kommen morgens sogar mit einem früheren Bus, um vor der Zugfahrt noch in Ruhe einen Kaffee trinken zu können“, berichtet die Neu-Wirtin, die zuletzt fünf Jahre als Angestellte in der Gastronomie gearbeitet hat. Mit der „Endstation“ wagte sie nun den Schritt in die Selbstständigkeit. „Ihr großer Traum“ sei der eigene Laden zwar „nicht unbedingt“ gewesen, aber als sich die Möglichkeit bot, habe sie zugeschlagen. „Es ist natürlich ein bisschen ein Risiko dabei, aber das gibt es immer im Leben.“

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