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04.03.2009

Am Unterelchinger Schützensee beißen die Fische und die Fischer

Neu-Ulm (kr) - Der Angelausflug eines 31 Jahre alten Heidenheimers war für den Mann quasi doppelt schmerzhaft: zum einen, weil ihm damals im August im Laufe einer Rangelei ein angeblich betrunkener Petrijünger in die Schulter biss, zum anderen, weil ihn gestern das Amtsgericht Neu-Ulm wegen Beamtenbeleidigung zu einer Geldstrafe von 450 Euro (15 Tagessätze zu 25 Euro) verurteilte.

Mit Freunden beim Fischen

Der 31-Jährige war - ordnungsgemäß ausgerüstet mit einer sogenannten Tageskarte - zusammen mit Freunden an den Unterelchinger Schützensee zum Fischen gefahren. Die Clique ließ es sich gut gehen, es wurde Bier ("fünf, sechs Halbe") getrunken und auch das Angelglück ließ nicht zu wünschen übrig - immerhin konnten die Freunde sich vor Ort eine Fischsuppe kochen.

Das Unheil kam, als die Blase spätabends abrücken wollte und ihre Camping-Utensilien im Auto verstauen wollte. Offenbar störte einen Petrijünger, der ebenfalls an diesem Tag die Angel ausgeworfen und dabei mutmaßlich ebenfalls dem Gerstensaft zugesprochen hatte, die laute Musik aus dem Autoradio. Auf einen Wortwechsel folgte eine Rauferei, in welcher der lärmempfindliche Hobby-Fischer den Weißen Hai machte und dem Heidenheimer eine heftige Bisswunde zufügte. Ein Arzt attestierte eine "zum Teil offene Biss-Quetschwunde" mit circa zehn Zentimetern Durchmesser.

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Der Beißer ging straffrei aus: Die Staatsanwaltschaft stellte ihre Ermittlungen ein, da nicht herauszufinden war, wer mit dem Zoff angefangen hat.

Dass der Heidenheimer sich gestern als Angeklagter vor Amtsgerichtsdirektor Dr. Bernt Münzenberg wiederfand, hatte mit dem Nachspiel zu tun.

Als der Beißer von den Freunden des 31-Jährigen weggezerrt worden war, rief er die Polizei. Die rückte gleich mit einem kleinen Großaufgebot von drei Streifenwagen an. Vor Ort war die Lage zwar zunächst unübersichtlich, jedoch ruhig, wie ein am Einsatz beteiligter Beamter sagte. Die Polizisten nahmen als Erstes die Personalien aller Beteiligten auf - auch die des 31-Jährigen. Wohl um die weiteren Ermittlungen zu erleichtern, wollten sie an Ort und Stelle auch gleich Fotos der Männer machen. Und auch für die Promillewerte interessierten sie sich. Bis auf den 31-Jährigen machten auch alle Petrijünger mit. Der Angeklagte wollte partout nicht, dass ein Bild von ihm geschossen wird, und auch den Alkomattest verweigerte er, wie der uniformierte Zeuge sich erinnerte.

Angetrunken und aggressiv

Überhaupt sei der "erkennbar betrunkene" Heidenheimer sehr aggressiv aufgetreten, so der Polizist - erkennbar an der "Mimik" und dem Umstand, dass er sich provozierend vor den Gendarmen aufgebaut habe. Das genügte offenbar, denn der Mann wurde in Sicherheitsgewahrsam genommen. Ganz freiwillig ging das nicht: Die Polizisten brachten ihn zu Boden und legten ihm Handschellen an. Gefesselt ging es anschließend zur Inspektion an der Reuttier Straße. Bevor der Heidenheimer dort seine Zelle beziehen durfte, musste er sich bis auf die Unterhose ausziehen - aus Sicherheitsgründen, damit er sich nicht eventuell selbst Leid zufügt.

Zehn Minuten später tauchten erneut zwei mit einer Digitalkamera bewaffnete Polizisten auf, um das am Schützensee Versäumte nachzuholen. Der halb nackte Heidenheimer weigerte sich erneut. Um seiner juristisch relevanten Missachtung der Fotografen Ausdruck zu verleihen, machte er den berühmt-berüchtigten "Effenberg" - sprich: Er zeigte den Polizisten den ausgestreckten Mittelfinger. Um ein Haar hätte ein Beamter das auch noch bildlich festhalten können - der lahme Auslöser der Dienstkamera machte ihm aber einen Strich durch die Rechnung.

Der Heidenheimer Verteidiger Ferry Bilics stellte in seinem Plädoyer der Neu-Ulmer Polizei ein nicht allzu gutes Zeugnis aus. Die Polizisten - gegen zwei wird wegen Nötigung ermittelt - hätten überreagiert. "Der Mann hat überhaupt nichts gemacht. Er wollte nur keine Fotos machen lassen." Die Vorgehensweise der Ordnungshüter charakterisierte er süffisant als "jung, forsch, dynamisch, ehrgeizig". Als "Armutszeugnis" bezeichnete er, dass sein verletzter Mandant nicht einmal gefragt wurde, ob er ärztliche Behandlung wolle. Sein Urteil: "Eine extreme Stress- und Provokationslage", in der sein Mandant war. Sein Antrag: Die Straftat soll als entschuldigt gelten. Oberstaatsanwalt Markus Schroth, der eine Einstellung des Verfahrens abgelehnt hatte ("Beleidigung von Polizisten wird generell nicht eingestellt"), plädierte auf 40 Tagessätze zu 25 Euro.

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