04.12.2013

Am richtigen Ort

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2 Bilder
Neues Ensemble: (von links) Landrat Erich Josef Geßner, Kulturreferent Walter Wörtz und Pater Rainer Rommens an der Wand mit den Kolmsperger-Ölskizzen. Links hängen die beiden Neuerwerbungen.

Das Roggenburger Klostermuseum hat zwei Ölskizzen von Waldemar Kolmsperger dem Älteren erworben. Die Motive der Bilder dürften Kirchenbesuchern gut bekannt sein

Die Klosterkirche in Roggenburg ist ein Juwel des Spätbarock. Doch ihre Deckenfresken stammen aus einer ganz anderen Zeit: Der Münchner Maler Waldemar Kolmsperger der Ältere schuf diese erst im Jahr 1901, über 50 Jahre, nachdem die ursprünglichen Bilder des Weißenhorner Meisters Franz Martin Kuen teils herabgestürzt, teils aus Sicherheitsgründen entfernt worden waren. Doch wie schon die Maler des Barock musste auch Kolmsperger seine Auftraggeber erst mit Ölskizzen überzeugen: Zwei dieser sogenannten Bozzetti zieren nun die Dauerausstellung im Roggenburger Klostermuseum: Der Landkreis hat die Gemälde „Weissagung Simeons“ und „Mariä Verkündigung“ für zusammen 7000 Euro aus Privatbesitz erworben. Landrat Erich Josef Geßner eine „kleine Sensation“, wie er bei der Präsentation der Ölskizzen sagte.

Ein weiteres Gemälde ist schon in der Sammlung

Die Bilder befinden sich in guter Gesellschaft: Schon 2000 erwarb der Landkreis den Entwurf für das Deckenbild „Christi Geburt“ für in etwa denselben Preis bei einer Auktion in Kempten. Die beiden Neuerwerbungen stammen ebenfalls aus Privatbesitz. Geßner zufolge wollte eine ältere Frau diese dem Bayerischen Nationalmuseum vermachen. Doch als Prior Rainer Rommens davon erfuhr, schaffte er es gemeinsam mit Museumsleiter Walter Wörtz, die Verantwortliche davon zu überzeugen, die beiden 1899 gemalten Bilder nicht ins Depot oder eine entfernte Außenstelle zu verfrachten, sondern sich bei der Eigentümerin für eine Rückkehr ins Kloster einzusetzen – mit Erfolg.

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Nun hängen die beiden Ölskizzen, in den Werkstätten des Nationalmuseums frisch gesäubert, an einer Wand mit „Christi Geburt“. Von den Kolmsperger-Entwürfen fehlt in Roggenburg nunmehr nur noch die „Kreuzabnahme“ – ob diese aber noch existiert, ist aber laut Museumsleiter Wörtz unbekannt. Schöpfer Waldemar Kolmsperger der Ältere (1852-1945) ist ein bedeutender Maler des Historismus, seine leuchtenden, neobarocken Bilder brachten ihm seinerzeit den Ruf ein, der „letzte Barockmaler“ zu sein. Von ihm stammt aber auch das mittelalterlich-byzantinisch anmutende Wandgemälde des heiligen Georg im Thronsaal von Schloss Neuschwanstein.

Neben den Kolmsperger-Ölskizzen sind im Klostermuseum seit Ende 2011 auch 20 Kupferstiche aus dem Leben des heiligen Norbert, des Gründers des Prämonstratenserordens zu sehen. Der mit lateinischen Texten von Sebastian Sailer versehene Zyklus „Vita S. Norberti“ kann nun erstmals auch in gedruckter Form mit nach Hause genommen werden: Heft fünf der Schriftenreihe des Klosters Roggenburg enthält die Stiche, eine Übersetzung der Texte von dem ebenfalls dem Orden angehörenden Professor Ulrich Leinsle und eine Einführung von Pater Rainer Rommens. Dieser ist von den Grafiken begeistert. „Sie sind wie kleine Rokokogemälde.“ Angesichts von dessen Qualität wagt er gar eine kühne Behauptung: Die Vorlagen könnten teilweise von Franz Martin Kuen stammen. Dieser sei Cousin von Sailer gewesen und habe für die Gebrüder Klauber, die Augsburger Kupferstechern, auch andere Entwürfe geliefert.

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