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Ulm

23.01.2013

An der Villa scheiden sich die Geister

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Ein Zankapfel der Ulmer Bürger und Parteien ist diese Villa: Sie stammt aus dem Jahr 1921 und soll nach Ansicht vieler Anwohner unter anderem aus heimatgeschichtlichen und kulturellen Gründen erhalten bleiben. Der Eigentümer will auf dem Grundstück stattdessen neue Wohnungen errichten lassen.
Bild: Andreas Brücken

Parteien und Bürger streiten um den Abriss der Magirus-Villa. Die Bürgerinitiative für den Erhalt hatte heute ein Geschenk für Ulms Oberbürgermeister.

Die Wellen schlagen hoch im Streit um den Erhalt der Magirus-Villa am Galgenberg in Ulm. Sogar einen wortwörtlichen Galgen aus Holzbalken hatten die Gegner des Abrisses am Wochenende aufgebaut, mit dem sie drastisch veranschaulichten, wie sie die Sachlage sehen. Die Bürgerinitiative „Ausverkauf Galgenberg“ übergab am Mittwoch ihre Unterschriftensammlung gegen den Abriss an Ulms Oberbürgermeister Ivo Gönner (SPD).

Wie berichtet, plant die Firma Casa Nova für einen privaten Investor, der das Gebäude gekauft hat, dieses abzureißen und ein Appartementhaus mit Luxuswohnungen zu errichten. Die Villa in der Fürsteneckerstraße baute 1921 der Sohn von Conrad Dietrich Magirus, dem Gründer des heutigen Nutzfahrzeug- und Brandbekämpfungsunternehmens Iveco Magirus. Zwischenzeitlich waren dort das Ulmer Brotmuseum und die Eiselen-Stiftung untergebracht.

Die CDU-Fraktion im Stadtrat nahm die Magirus-Villa zum Anlass, den Umgang mit geschichtsträchtigen Gebäuden in Ulm infrage zu stellen. In einem Brief an den Oberbürgermeister fordert Stadtrat Hans-Walter Roth die Verwaltung auf, jede Genehmigung eines Gebäudeabrisses im Ulmer und Neu-Ulmer Stadtgebiet „mit größter Sorgfalt“ zu prüfen und den historischen Wert zu hinterfragen – was ohnehin Aufgabe der Stadtverwaltung ist. Roth schreibt zudem, die Stadt solle „kommunales Kulturgut“ öffentlich benennen und sich für Um- und Neubau oder Abriss ein Vetorecht vorbehalten. Auch die Pfuhler CSU, die sich gegen den Abriss des Saalbaus einsetzt, schloss sich der Forderung an.

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Im Gegensatz dazu erklärte Reinhold Eichhorn von den Freien Wählern (FWG), dass sich die Fraktionsgemeinschaft hinter die Verwaltung stelle: „Sie hat denkmalschutz- und naturschutzrechtlich äußerst korrekt gearbeitet.“ Rüdiger Reck von der FWG sagte, das Vorgehen der Abrissgegner sei unverständlich: „Wenn es ein Baurecht gibt, muss jeder Bürger darauf vertrauen können, dass er dann auch bauen darf.“ Zudem wies er darauf hin, dass – sollte für den Galgenberg eine Erhaltungssatzung beschlossen werden – in Zukunft weder Umbau noch Erweiterung oder Abriss möglich wäre, obwohl es dort zehn bis 15 vergleichbare Häuser gebe: „Das will sicher niemand.“

Genau diese Satzung regten die Grünen an: Besonders im Hinblick auf die Stadtteile, die in den nächsten Jahren saniert und umgewandelt werden sollen, müsse geprüft werden, wo in Ulm die Einführung einer Erhaltungssatzung sinnvoll sei. Mit einer Erhaltungssatzung werden beispielsweise bestehende Gebiete wegen ihrer städtebaulichen Eigenarten geschützt.

Unterdessen nahm Oberbürgermeister Ivo Gönner im Rathaus 1635 Unterschriften entgegen, die die Bürgerinitiative zum Erhalt der Magirus-Villa gesammelt hatte. Daran anschließend diskutierten die Vertreter der Initiative mit Gönner. Dieser versicherte erneut, dass die Stadt nie ein Vorkaufsrecht gehabt habe – und dass die Baugenehmigung rechtens sei. Da die Obere Denkmalschutzbehörde in Tübingen das Gebäude nicht als Kulturdenkmal eingestuft habe, bleibe ihm keine Handhabe. Er versprach jedoch, die Unterschriften mit der Bitte um nochmalige Überprüfung nach Tübingen weiterzuleiten. Die aufgebrachten Bürger konnte er aber kaum beruhigen: „Ulm soll sein unverwechselbares Gesicht erhalten und pflegen“, sagte Initiativen-Mitglied Arthur Klenk bei der Übergabe.

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