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Ulm

15.06.2017

Ana Popovic im Ulmer Zelt: Gitarrenheldin im Lederkleidchen

Sexy Auftritt im Ulmer Zelt: Ana Popovic gastierte dort ihrer Band.
Bild: Felix Oechsler

Ana Popovic zeigt virtuose Spielkünste, eine große Bandbreite und gerät mit ihrer Band in einen regelrechten Rausch. Dennoch fehlt der Musikerin etwas.

Das Problem mit den alten Geschlechterklischees ist: Sie halten sich hartnäckig. Gitarrenhelden haben nun mal männlich zu sein. Ana Popovic ist erkennbar weiblich und zeigt das auch gerne. Im Ulmer Zelt geht sie mit Lederkleidchen und Bleistiftabsätzen auf die Bühne. Und sie kann höllisch gut spielen, keine Frage. Doch wer die Debatten unter ihren YouTube-Videos verfolgt, sieht sich immer wieder mit der Geschlechterfrage konfrontiert. Wird sie nur so gefeiert, weil sie vor allem ein „hot girl“ ist, das da Gitarre spielt? Kaum wirft einer diese Frage auf, hebt das übliche Hauen und Hämen an.

Jetzt mal beiseite mit dem Geschlechtsthema, schließlich geht es ja um Musik. Also: Die gebürtige Serbin Ana Popovic ist eine wirklich gute Musikerin, die mit flinken Fingern auf ihrer verhauenen Stratocaster schöne virtuose Sachen zaubert. Dazu singt sie mit leicht verruchter Stimme und deckt musikalisch eine ordentliche Bandbreite ab, von Blues bis Funk und Swing ist wirklich eine Menge geboten.

Das hat allerdings diesmal nicht gereicht, um das Zelt so voll zu machen wie vor zwei Jahren. Daran gemessen ist der Zuspruch jetzt recht mittelprächtig. Der Auftritt braucht eine Weile, bis er so richtig Fahrt aufnimmt, denn Ana Popovic ist gerade erst aus den USA gekommen und trifft gerade mal eine halbe Stunde vor Beginn ein. Entsprechend klingen die ersten Stücke noch etwas verhalten, der Sound muss noch am Mischpult nachjustiert werden, doch dann spielt sie sich zusammen mit ihrer fabelhaften Band in einen Rausch – und das bei drastisch zunehmender Lautstärke, die gen Ende doch recht kräftig in die Trommelfelle beißt.

Den spannendsten Moment erlebt das Konzert, als Ana Popovic weitgehend unverzerrt klar und glasig den Blues spielt. Die Läufe perlen ihr aus den Fingern und alles klingt leicht, unbeschwert und sehr elegant. Das hat noch deutlich mehr Klasse, als alles davor und danach, was zwar gut ist, aber nicht komplett überwältigend. Ana Popovic ist technisch hoch versiert, doch der völlig eigenständige, unverkennbare Ton, wie ihn ein Steve Ray Vaughan hatte oder Eric Clapton immer noch hat, fehlt ihr leider. Auch die von Blues-Rockern immer wieder gerne vorgeführten Jimi-Hendrix-Stücke klingen nicht wirklich Hendrix-like, so wie das etwa Steve Lukather von Toto aus dem Effeff beherrscht.

Was bei den Auftritten von Solo-Künstlern meist zu wenig gewürdigt wird: die Band. Die ist exzellent. Das Zusammenspiel funktioniert traumhaft. Vor allem Bassist Ronald Jonker treibt seine Leute immer wieder an und gibt die Rampensau. Er spielt am Ende ein furioses Solo und legt die Posen hin, die normalerweise den Chefgitarristen vorbehalten bleiben. Aber, das ist schon wieder so ein Geschlechterklischee. Ana Popovic post nicht, sie verzieht kaum den Mund. Gitarrenheldinnen müssen es den Kerlen ja nicht gleichtun.

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