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Ulm

14.02.2019

Angestellte sollen ihren Arbeitsplatz täglich neu auswählen

Feste Arbeitsplätze sollen bei der AOK Ulm-Biberach der Vergangenheit angehören. Angestellte entscheiden täglich neu, wo sie arbeiten.
Bild: Daniel Naupold/dpa

Heute hier, morgen dort: Die Krankenkasse AOK Ulm-Biberach will leere Schreibtische nutzen und den Verkehr auf den Straßen verringern.

Autobahnen, Bundesstraßen und Innenstädte sind voll, auch in den Zügen ist es zu den Stoßzeiten der Pendler eng. Das Land Baden-Württemberg will den Verkehr eindämmen – indem weite Fahrten von Angestellten von zuhause zur Arbeit vermieden werden. „Betriebliches und Behördliches Mobilitätsmanagement“ heißt das Förderprogramm, dass das Stuttgarter Verkehrsministerium im Oktober 2018 aufgelegt hat – nach eigenen Angaben als erstes Bundesland überhaupt. Die AOK Ulm-Biberach hat ein Pilotprojekt gestartet, das Teil dieses Programms ist. Dabei sollen Mitarbeiter sich ihren Schreibtisch jeden Tag neu aussuchen – am besten immer an dem Ort, der am nächsten an ihrem Zuhause liegt. Die Auswahl treffen die Mitarbeiter per App. Arin nennt die AOK dieses Pilotprojekt, kurz für: Agile Raum- und Infrastruktur-Nutzung.

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Gearbeitet werden soll dort, wo es am sinnvollsten ist. Ein Beispiel: Eine Mitarbeiterin aus Achstetten muss also nicht mehr unbedingt zu ihrem Arbeitsplatz nach Ulm pendeln. Sie kann sich auch einen freien Schreibtisch im Kundencenter im nur fünf Kilometer entfernten Laupheim buchen und dort ihre Arbeit erledigen. Das ist möglich, weil nach Angaben der AOK Ulm-Biberach zu jedem Zeitpunkt 30 Prozent der Arbeitsplätze unbesetzt sind – wegen Urlaub, Freizeitausgleich, Krankheit, Seminaren oder Fortbildungen. Insgesamt 570 Angestellte arbeiten bei der Krankenkasse.

Pilotprojekt der AOK Ulm-Biberach

Diese ungenutzten Flächen sollen effizienter ausgelastet werden und anderen Mitarbeitern zur Verfügung stehen. Für alle Tätigkeiten soll es speziell eingerichtete Arbeitszonen geben. Wer konzentriert arbeiten muss, bucht einen Platz in einer Ruhezone, in der keine Gespräche oder Telefonate geführt werden. Für kleine und größere Meetings stehen spezielle Räume mit Bildschirmen und Computern zur Verfügung. Fest zugeteilte Büros und Schreibtische sollen für einige Angestellte also bald der Vergangenheit angehören. Das gilt auch für Geschäftsführerin Sabine Schwenk, die ihr Ulmer Büro zur Verfügung stellen wird und zukünftig selbst immer an dem Arbeitsplatz sitzen will, der zu ihrer jeweiligen Aufgabe passt. „Ich freue mich auf diese Herausforderung, denn sie verlangt, dass auch ich meine Gewohnheiten verändere“, wird Schwenk in einer Pressemitteilung der Krankenkasse zitiert. Ihr bisheriges Büro soll zu einem Besprechungszimmer werden. Auf diese Weise vermeide sie Staus und Fahrtzeit, Nerven und Abgase. Nach dem Einloggen im System erkennt Arin sofort, wer wo arbeitet und leitet die persönliche Telefondurchwahl zum jeweiligen Arbeitsplatz um.

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Das baden-württembergische Verkehrsministerium übernimmt ein knappes Viertel des etwa 400000 Euro teuren Projekts, das zunächst auf neun Monate ausgelegt ist. Nach dem Testlauf in der AOK-Bezirksdirektion Ulm-Biberach soll Arin auf weitere Standorte der Krankenkasse in Baden-Württemberg ausgeweitet werden. Vor allem die Landeshauptstadt ist Ziel von Pendlern: Jeden Tag fahren nach Angaben des baden-württembergischen Vorstandsvorsitzenden Christopher Hermann 1350 AOK-Mitarbeiter zur Arbeit nach Stuttgart.

Lesen Sie auch: Eine App ruft in Ulm Erste Hilfe

Winfried Hermann, Verkehrsminister von Baden-Württemberg, bezeichnet das Projekt der Krankenkasse in einer Pressemitteilung als klug und vorausschauend: „Kürzere Arbeitswege bedeuten weniger Stau, weniger Stress, vor allem aber auch weniger Luftschadstoffe in der Stadt.“ (mase/az)

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