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Neu-Ulm

27.01.2021

Ankerzentrum Neu-Ulm: Ziehen im Februar erste Flüchtlinge im Speicherbau ein?

Ziehen im Februar nach gut anderthalb Jahren die ersten Flüchtlinge im Ankerzentrum in Neu-Ulm ein?
Foto: Alexander Kaya

Plus Aktuell steht das Speichergebäude im Starkfeld in Neu-Ulm noch immer leer. Doch wohl schon bald sollen Flüchtlinge einziehen. Die Polizei ist vorbereitet.

Schon längst sollten eigentlich Flüchtlinge in dem Speichergebäude im Starkfeld in Neu-Ulm wohnen. Doch daraus wurde nichts, zumindest bislang. Noch immer steht das markante siebenstöckige Haus leer. Jetzt kommt aber offenbar Bewegung in die Angelegenheit. Wohl schon bald sollen erste Asylbewerber in das Ankerzentrum einziehen.

Die dafür zuständige Regierung von Schwaben hält sich auf Anfrage unserer Redaktion zwar bedeckt. Ein genaues Datum könne nicht genannt werden, so Karl-Heinz Meyer, Leiter der Pressestelle. Eine "zeitnahe Belegung" sei aber anvisiert. Genauer will er mit seinen Angaben nicht werden. Sobald es soweit sei, werde man die Öffentlichkeit und auch die örtlichen Medien informieren. Derzeit liefen Planungen und Vorbereitungen. So müsse beispielsweise noch Personal eingestellt werden, sagt Meyer.

Ziehen schon zum 1. Februar Flüchtlinge in den Speicherbau in Neu-Ulm ein?

Wie unsere Redaktion aber aus Sicherheitskreisen erfahren hat, sind die Vorbereitungen inzwischen darauf ausgelegt, dass bereits zum 1. Februar erste Flüchtlinge in das Speichergebäude einziehen sollen. Die Polizei verweist in der Frage des genauen Datums zwar auf die Regierung von Schwaben. Aus Sicht des Präsidiums Schwaben Süd/West in Kempten wäre ein Einzug ins Ankerzentrum im Februar aber möglich. "Wir sind abgestimmt und könnten starten", sagt Polizeisprecher Holger Stabik. Die Vorbereitungen in Sachen Sicherheit seien demnach abgeschlossen.

Das Konzept sieht unter anderem vor, dass das Ankerzentrum durchgehend von einem Sicherheitsdienst überwacht werde - 24 Stunden lang und an jedem Tag der Woche. Sodass klar sei, wer hineingeht oder auch wer herauskommt. Ein ungehinderter Zugang ins Ankerzentrum sei nicht möglich, erklärt Stabik. Weitere polizeiliche Maßnahmen seien dann davon abhängig, wie viele und welche Menschen - ob Einzelpersonen oder Familien - dort untergebracht sind.

Ankerzentrum soll kein Drogen-Umschlagplatz werden wie in der Reuttier Straße

Zwar sei davon auszugehen, dass mit der Eröffnung der Flüchtlingsunterkunft auch die Kriminalität ansteige, eine Gefahr für die Bevölkerung aber bestehe nicht, beteuert der Polizeisprecher. Auch das Risiko, dass im Starkfeld - neben der Asylbewerberunterkunft in der Reuttier Straße - ein weiterer Drogen-Umschlagplatz in Neu-Ulm entsteht, stuft Stabik als gering ein. Ankerzentren seien nicht darauf ausgelegt, dass sich die Menschen dort länger aufhalten. Die Polizei rechnet mit einer "höheren Fluktuation", die offensichtlich nicht ins Geschäft mit Betäubungsmitteln passt.

„Anker“ steht für „Ankunft, Entscheidung, Rückführung“. Die umstrittenen Aufnahmestellen sollen für schnellere Entscheidungen in Asylverfahren sorgen. Bereits 2016 wurde das Speichergebäude in Neu-Ulm für die Unterbringung von Flüchtlingen hergerichtet, damals aber nicht benötigt worden – dann übernahm die Regierung von Schwaben das Gebäude. Im Sommer 2019 und eigentlich spätestens mit der Schließung des großen Ankerzentrums in Donauwörth sollte der Speicherbau aus der Nazi-Zeit seiner neuen Bestimmung zugeführt werden, zusammen mit weiteren, kleineren Unterkünften in Augsburg, Mering und Kempten. Doch bislang tat sich nichts.

Ankerzentrum Neu-Ulm: Bislang kein Widerstand aus der Bevölkerung

Der Plan damals war, das Gebäude im Starkfeld mit Alleinstehenden und Familien zu belegen, die überwiegend aus der Türkei, Nigeria und Gambia stammen. Bis zu 250 Menschen sollten dort untergebracht werden. Dass der Speicherbau im Gewerbegebiet somit die größte Flüchtlingsunterkunft im Landkreis Neu-Ulm werden könnte, dagegen regte sich bisher kein nennenswerter Widerstand in der Bevölkerung. Eine Informationsveranstaltung der Regierung im Frühjahr 2019 verlief vor lediglich drei Dutzend Interessierten ausgesprochen ruhig. Bei einer ähnlichen Veranstaltung in Mering im Kreis Aichach-Friedberg, wo ebenfalls über eine solche Großunterkunft informiert wurde, war es dagegen hoch her gegangen, zumal die rechtsextreme Identitäre Bewegung die Diskussion für einen Auftritt missbrauchte.

Sowohl die Neu-Ulmer Stadtverwaltung als auch das Landratsamt verweisen bei Anfragen zum Beginn der Belegung und zum Zeitrahmen an die Regierung von Schwaben. Die Stadt habe zwar Kenntnis darüber, dass die Anker-Dependance belegt werden soll. "Ein genauer Zeitpunkt ist uns jedoch nicht bekannt", sagt Stadtsprecherin Sandra Lützel. Mit Blick auf eine nun mögliche Belegung sei es der Stadt aber nach wie vor wichtig, die Bevölkerung und die im Starkfeld ansässigen Unternehmen "möglichst frühzeitig und auch transparent zu informieren".

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