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Landkreis

11.02.2019

Armut: Wenn das Geld für den Kindergeburtstag fehlt

Im vergangenen Jahr half die Kartei der Not beispielsweise einer alleinerziehenden Mutter. Sonst hätte sie nicht einmal die Geburtstagsfeiern für ihre Kinder vorbereiten können.

Die Kartei der Not zieht Bilanz: Die Stiftung konnte im vergangenen Jahr viel im Verbreitungsgebiet der Neu-Ulmer Zeitung bewegen. Wer geholfen hat und warum man „einfach helfen muss“.

Die allermeisten Notlagen entstehen aus Krankheit, Behinderung, Unfall, Tod eines nahen Angehörigen oder Trennung. Dazu kommt aktuell die massive Steigerung bei den Mieten. Gerade bei Alleinerziehenden und alten Menschen führen oft mehrere Faktoren dazu, dass ihr Leben aus den Fugen gerät. Im Verbreitungsgebiet der Neu-Ulmer Zeitung wurden im vergangenen Jahr 58 Hilfeanfragen unterstützt. Insgesamt half die Kartei der Not mit rund 29000 Euro. Dazu bei trugen 277 einzelne Zuwendungen, wobei der größte Spender mit 7000 Euro der Vereinsring Pfaffenhofen war. Damit konnte die Kartei folgende Hilfen leisten: Die Anfragen kamen in 24 Fällen von Familien mit gesamt 58 betroffenen Kindern. In 24 Fällen war eine chronische Krankheit und/oder eine Behinderung zu bewältigen. Damit sind Familien mit behinderten Kindern die häufigste unterstützte Zielgruppe.

Der Unterstützungsbedarf drehte sich auch oft um das Wohnen. So half die Kartei 13 Mal bei den Energiekosten oder Mietzahlungen, um zu verhindern, dass Menschen ihre Wohnung verlieren oder ohne Strom und Heizung sind. Besonders häufig, nämlich in 36 Fällen, wurde Unterstützung gewährt bei der Einrichtung wie etwa mit einer Kochmöglichkeit, einem Kühlschrank, einer Waschmaschine, einem Herd oder einem Bett mit Matratze. In neun Fällen unterstützte das Hilfswerk akut den Lebensunterhalt, also mit Lebensmitteln, Kleidung, Schuhen, oder durch die Übernahme von Gesundheitskosten.

Lebensmittelpakete für Bedürftige

Als Projekt wurde die Aktion „Neu-Ulm packt´s“ der Malteser gefördert, bei der regelmäßig Ehrenamtliche ein Lebensmittelpaket zu bedürftigen alten Menschen bringen, die kaum mehr aus dem Haus können. Hier fördert die Kartei der Not die Lebensmittel.

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Seit 1965 hilft die Kartei der Not unverschuldet in Not geratenen Menschen in der Region. Durch die Zusammenarbeit mit sozialen Beratungsstellen vor Ort ist gewährleistet, dass die Unterstützung der Kartei der Not auch tatsächlich bei den Bedürftigen ankommt und für den benötigten Zweck verwendet wird. Dabei kommt jede Spende komplett bei den Betroffenen an, weil alle Verwaltungskosten von der Mediengruppe Pressedruck getragen werden.

Die kleine Rente reicht nur für das Nötigste

Viele alleinstehende ältere Personen sind häufig auf die Hilfe der Kartei der Not angewiesen, da es kein familiäres Hilfesystem gibt. Die kleine Rente reicht gerade fürs Nötigste. Geschieht etwas Unvorhergesehenes oder geht ein Elektrogerät kaputt, ist das eine ausweglose Situation. Rücklagen sind nicht vorhanden. So ergeht es auch der alleinstehenden schwer kranken über 80-Jährigen, die mit einer minimalen Rente auskommen muss. Die Frau lebt sparsam und bescheiden und kann alle monatlichen Ausgaben gerade so bezahlen. Die in die Jahre gekommene Waschmaschine ging kaputt und eine Reparatur lohnte sich nicht mehr. Mithilfe der Beratungsstelle und der Kartei der Not konnte eine neue günstige Waschmaschine gekauft und so der Alltag der Rentnerin erheblich erleichtert werden.

Im Rahmen des Schattenkinderprojektes konnte die Kartei im vergangenen Jahr auch einer alleinerziehenden Mutter helfen. Der Alltag ist für sie und für die Kinder im Alter von 14, zwölf, elf und zehn Jahren nicht immer einfach und mit Sorgen behaftet. Die Mutter hat keine finanziellen Mittel für die Geburtstagsfeiern der Kinder. Für die meisten Kinder unvorstellbar – ist doch die Geburtstagsfeier das Selbstverständlichste der Welt. Um den vier Kindern unbeschwerte Stunden ohne Sorgen zu ermöglichen, unterstützte die Stiftung Kartei der Not die Familie nun bei der Geburtstagsfeier. Die Kinder hatten einen schönen Nachmittag. Zuerst durften sie ins Kino, und anschließend kochten sie mit ihren Freunden ein Geburtstagsmenü.

Schwere Schicksalsschläge muss auch die Familie mit zwei Kindern im Alter von elf und zwölf Jahren verarbeiten. Die Mutter leidet an Brustkrebs, der vor einigen Monaten wieder ausgebrochen ist. Eine geplante Strahlentherapie konnte noch nicht erfolgen, da es der Gesundheitszustand derzeit nicht zulässt. Der elfjährige Sohn ist an Muskelatrophie erkrankt und zu 100 Prozent schwerbehindert. Die Folgen dieser Erkrankung sind Muskelschwund, Lähmungen und eine verminderte Muskelspannung. Der Bub ist auf den Elektro-Rollstuhl angewiesen und kann sich ohne Hilfsmittel nur krabbelnd fortbewegen. Der Vater ist inzwischen krankgeschrieben, damit er Frau und Kinder versorgen kann. Die finanzielle Situation ist sehr angespannt und es bleibt nach Abzug der monatlichen Fixkosten nur wenig Geld zum Leben. Nun muss das Auto der Familie, das sie dringend für Arzt- und Therapiefahrten für Mutter und Sohn benötigt, repariert und gewartet werden. Die Familie kann sich die Kosten jedoch nicht leisten. Die Kartei der Not unterstützt die Familie bei der Reparatur.

Viele Einzelschicksale in der Region

Diese konkreten Fälle spielen zwar nicht im Landkreis Neu-Ulm, aber in der weiteren Umgebung. „Es gibt auch in unserer Region so viele Einzelschicksale und Unglücke, die bewegen und bei denen man einfach helfen muss. Wir freuen uns in der Kartei der Not deshalb sehr über jede Spende, weil unser Leserhilfswerk nur dank dieser Spenden wirklich die Not lindern kann“, sagt der Geschäftsführer des Leserhilfswerks, Arnd Hansen: „Dank an all unsere Leser für ihre großartige Unterstützung“.

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