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Flüchtlinge

11.03.2016

Asylunterkunft: Ärger ist noch nicht verraucht

Diese ehemaligen Fabrikhalle soll in eine Unterkunft für Flüchtlinge umgebaut werden, in der 66 Asylbewerber untergebracht werden können.

Über 150 Bürger kommen zur Informationsveranstaltung über das Vorhaben im Unterelchinger Dammweg. Kritik an Landratsamt und Bürgermeister wird laut

Als ein Glas vom Podium in der Unterelchinger KSV-Halle herunterfiel, dachte man kurz: „Scherben bringen Glück“. Doch schnell wurde klar, dass es in der folgenden Diskussion um die Unterbringung von 65 Asylbewerbern im Unterelchinger Dammweg an diesem Abend wohl mehr Scherben als Glück geben würde.

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Eigentlich sollte die Veranstaltung vor allem darüber informieren, was zu tun ist, wenn die Asylsuchenden ankommen. Als Beispiel sollten die Mitglieder des Arbeitskreises Asyl unter der Prämisse „Helfen, statt Vorurteile pflegen“ über ihre positiven Erfahrungen mit den ersten Flüchtlingen im ehemaligen „Adler“ berichten. Das passierte zwar sporadisch. Die meisten Fragen betrafen aber längst feststehende Tatbestände.

So wurde Elchingens Bürgermeister Eisenkolb als „Thalfingen-Versteher“ bezeichnet, der seinen Wohnort aus der Flüchtlingsbelegung heraushalte und alles den Unterelchingern zumute. Der etwas konsternierte Bürgermeister antwortete, dass es in den anderen Ortsteilen keine entsprechenden Baulichkeiten gebe und weder er noch der Gemeinderat Einfluss darauf hätten, wenn ein privater Haus-, Wohnungs- oder Gebäudebesitzer seine Räume an das Landratsamt vermiete. Von Karin Beth, beim Landratsamt verantwortlich für Flüchtlingsfragen, wollte ein Fragesteller wissen, wieso das Amt an dubiose Hausbesitzer Wuchermieten bezahle und wie lange die Mietverträge laufen würden. Beth und Baujurist Martin Mommers erklärten daraufhin mehrfach, dass das Landratsamt lediglich „ortsübliche Mieten“ bezahle, sie aber aus privatrechtlichen Gründen keine Vertragsdetails nennen dürften.

Asylunterkunft: Ärger ist noch nicht verraucht

Bürgermeister Eisenkolb sagte zu dem Vorwurf, die Gemeinde verlasse sich nur auf die ehrenamtlichen Helfer des Freundeskreises und tue selbst nichts für die Integration der Flüchtlinge: „Wir bezahlen die Nebenkosten, wir stellen Kindergartenplätze und die Schule zur Verfügung und wir schaffen die Infrastruktur, damit der Helferkreis seine Aufgaben erfüllen kann“. Er wies auch darauf hin, dass die Gemeinde bisher sechs Asylbwerber in Minijobs beschäftigt habe.

Mitglieder des Freundeskreises bezeichneten es als wichtigsten Beitrag zur Integration, die Menschen aus ihrer Isolation in den Unterkünften herauszuholen. Sie versuchten dies, in dem sie die Flüchtlinge in Sportvereine vermittelten, sie zu Kulturveranstaltungen mitnehmen und in der Kleidertruhe nicht nur Kleidung, sondern auch einen Treffpunkt bei Kaffee und Kuchen anbieten würden. Der Freundeskreis wolle eine Kultur des Willkommens schaffen, sowie Hilfe zur Selbsthilfe anbieten. Dies habe dazu geführt, dass die Asylsuchenden bei allen Unterschieden und Gemeinsamkeiten in Kultur und Religion Rat und Tat für alle Lebenslagen fänden. Nach Erfahrung des Freundeskreises seien die anfänglichen Befürchtungen der Bevölkerung zunehmend einem Verständnis für die Notsituation gewichen.

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