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03.03.2009

Auch Speditionen müssen mit Talfahrt rechnen

Vöhringen Alle reden von Rezession, nur die Spedition "Harder Logistics - Danieli & Spann" nicht. "Noch nicht", dämpft Firmenchef Marcello Danieli aufkeimende Hoffnungen, dass seine Branche von der derzeitigen Talfahrt der Wirtschaft verschont bleibt. "Im Moment läuft es noch gut, aber es gibt Indizien dafür, dass Veränderungen anstehen." Eine Meinung, die von anderen Speditionsunternehmen geteilt wird.

Mit Veränderungen meint Danieli, dass Aufträge wie neue Maschinen vom Hersteller zum Kunden zu transportieren und dort zu installieren, rarer geworden sind. "Die Unternehmen halten sich mit Investitionen zurück." Was Danieli indes beobachtet, ist der Trend der Firmen zur Konzentration ihrer in Deutschland ansässigen Betriebe. "Die werden in Billiglohnländer verlegt. Dabei kommen Polen und Tschechien schon gar nicht mehr in Betracht, sondern es geht nach Rumänien oder Aserbeidschan." Gerade habe die Firma Kneipp, so Danieli, ihre Produktionslinie in China neu aufbauen lassen. "Eine Firma aus Schwaben geht sogar nach Mexiko, wieder eine andere siedelt sich in Argentinien an."

Im Augenblick ist das mittelständische Unternehmen mit 61 Mitarbeitern damit beschäftigt, den international arbeitenden Kosmetikkonzern L'Oreal von Cardiff/Südengland nach Karlsruhe bzw. Paris zu verlagern. "Das Werk in England wird geschlossen und wir haben den Auftrag den Umzug durchzuführen." Solche Werksverlagerungen gehören zu den Spezialgebieten von Harder Logistics. In den letzten Jahren war die Firma besonders mit Objektverlagerungen betraut. Dazu gehören auch Überseeumzüge. Ein wenig stolz ist Danieli darauf, dass sich Vöhringens größtes Unternehmen des Know-hows der ortsansässigen Spedition bedient, wenn Mitarbeiter ins Ausland umziehen. Schwerpunkt ist die Umsiedlung komplexer Anlagen. "Wir bauen komplett Produktionslinien ab und richten sie am neuen Standort wieder ein. Das ist nur mit entsprechendem Fachpersonal möglich, also Mechatroniker, Elektroniker oder Ingenieure." Doch trotz dieser Spezialisierung strebt Danieli eine größere Diversifikation an. "Dazu zählen auch Umzüge der einfacheren Art wie Haushalte oder Büros."

Das Thema Lkw-Maut ist für die Vöhringer Spedition kein so großes Problem. "Wir sind angesichts unserer Angebotspalette auf lange Autobahnfahrten nicht angewiesen." Überseeumzüge gehen per Container und Schiff auf die Reise.

Auch Speditionen müssen mit Talfahrt rechnen

Wenn das Thema Rezession zur Sprache kommt, kann sich Marcello Danieli in Rage reden: "Die hochgradige Gier der Großunternehmer nach mehr Geld, hat uns in diese Lage gebracht." Zu wenig Geld sei in Forschung und Modernisierung von Anlagen gesteckt worden. Dass die Politik das zugelassen hat, ist verantwortungslos." Allerdings Jammern werde die Situation wenig ändern. "Wir müssen lernen mit geringeren Beträgen zu leben und zu überleben. Auch wir werden uns neue Investitionen dreimal überlegen." Für seine Spedition zählt: Die Mitarbeiter und damit die Arbeitsplätze zu erhalten. "Das ist unser Kapital, denn unsere Beschäftigten sind nicht nur hoch motiviert, sondern verstehen auch etwas davon, was sie tun. Bevor man Mitarbeiter entlässt, fährt man lieber ein kleineres Auto." Apropos Auto: "Wir sind froh, dass wir keinen großen Kundenanteil in der Automobilbranche haben, also keine Auto- und Zulieferfirmen bedienen müssen."

Denn dieser Branche ginge es wirklich nicht gut. "Wenn das Gewerbe über Schwierigkeiten zu klagen hätte, dann ausschließlich wegen der Erhöhung der Autobahnmaut zum 1. Januar 2009. Wie kann eine Regierung nur Steuern erhöhen, wenn die Wirtschaftslage schlecht ist."

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