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31.10.2009

Auf die Feinfühligkeit kommt es an

Illertissen-Au Wünschelrutengänger werden innerhalb eines Tages - das bietet die Volkshochschule (VHS) Neu-Ulm in ihrem Programm an. "Teilnehmer, die des Rutengehens nicht fähig sind, erhalten die Kursgebühr zurück", heißt es in der Beschreibung. Es gibt also nichts zu verlieren.

Das dachte sich auch Christine Hohneker aus Unterroth und meldete sich an. "Ich habe vorher nicht gewusst, ob es funktioniert", sagt die 38-Jährige. Jetzt sitzt sie in einem Zimmer im ersten Stock des Rathauses Au und nimmt am zweiten Kurs teil. Zur Übung hat sie ihr Haus analysiert, Baujahr 1840. Zuerst habe sie kaum etwas gefunden, erklärt die Unterrotherin den anderen Teilnehmern. Sie zeigt ihnen den Grundriss des Hauses. Mit blauem Buntstift hat sie Streifen auf das Blatt gemalt - Wasseradern, die sie gefunden hat. "Dann habe ich entdeckt, dass unser Haus genau auf das Hartmann-Gitter gebaut wurde." Kein Zufall, wie sie glaubt.

Das Hartmann-Gitter, auch Globalnetzgitter genannt, ist eine Art von Strahlung, die man mit einer Wünschelrute erfühlen kann. Es ist die harmloseste, wie Anton Happ den Teilnehmern erklärt. Gefährlicher seien da Wasseradern, Gesteinsverwerfungen, Gesteinsbruch und die Kreuzungspunkte des "Curry-Netzes", das auch "Krebsnetz" genannt wird. Sie alle befinden sich unter der Erde, strahlen senkrecht nach oben und können so dem Menschen schaden - vor allem, wenn er auf diesen Strahlungsfeldern schlafe, erklärt Happ.

In seinem Kurs lernen die Teilnehmer, wie sie diese Strahlungspunkte finden können. "Die Rute ist dabei nur ein Werkzeug, vergesst das nicht", erklärt ihnen Anton Happ. "Das Material ist unwichtig. Wichtig ist der Kopf, die Feinfühligkeit." Der Kopf muss frei sein, Konzentration ist wichtig. "Man kann das nicht hauptberuflich machen, es zieht die Energie runter", sagt Happ. Der Verwaltungsangestellte geht auch in Firmen und zu Privatleuten, analysiert Wohn- und Arbeitsplätze.

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Heute ist das Rathaus in Au dran. Die Anwesenden schließen sich zu Zweierteams zusammen, untersuchen je ein Zimmer. Die 45-jährige Anneliese Konrad aus Tafertshofen beginnt im Seminarraum. Die Winkelruten in beiden Händen geht sie los, mit ruhigen, kräftigen Schritten von der einen Ecke des Raumes in die andere. Ihre Augen sind fast geschlossen, ihr Blick geht ins Leere. Sie konzentriert sich: auf Wasseradern.

Die Ruten in ihren Händen beginnen zu wackeln, sie verlangsamt ihren Schritt. Plötzlich drehen sich die beiden Plastikstäbe in die entgegengesetzte Richtung. "Hier ist etwas", sagt sie zu ihrem Kurspartner Josef Eisenbarth. Der legt einen Zettel auf die entsprechende Stelle: "Wasserader" steht darauf. Wenn die beiden fertig sind, wird der ganze Boden des Raumes mit Zetteln voll sein. Sie erleichtern später das Ausmessen.

Karl-Heinz Rettich, ein 49-jähriger Teilnehmer aus Neu-Ulm, war anfangs skeptisch. Nach dem ersten Kurs habe er wildfremde Leute mit der Wünschelrute durch die eigene Wohnung geschickt, erzählt er. "Die haben unabhängig voneinander immer dieselben Punkte gefunden." Das bestätigt Anton Happs Theorie, jeder Mensch - vor allem jedes Kind - sei feinfühlig. "Es wird ihm nur ausgeredet", sagt er. "Zum Rutengehen muss man die Feinfühligkeit, die man als Kind gehabt hat, wieder schulen."

Üben, üben, üben. Das sei am wichtigsten, erklärt Happ seinen Teilnehmern weiter. "Und an nichts denken, unvoreingenommen in den Raum hineingehen." Als Hilfsmittel sollen sich die Teilnehmer eine blaue Wand denken, wenn sie Wasseradern suchen. "Nur was ich mir vorstellen kann, kann ich finden", sagt Anton Happ. Er selbst brauche diese Hilfe inzwischen nicht mehr.

Wie stark ein Energiefeld ist, bestimmt Anton Happ mit einem Pendel und einer Tabelle mit der Einheit "Bovis". Ein normaler Mensch hat eine Stärke von rund 10 000 Bovis, erklärt Happ. Um die Energie einer Wasserader zu ermitteln, legt er die Tabelle auf die entsprechende Stelle und lässt das Pendel darüber schwingen. Auch dabei gilt: Das Material des Pendels ist zweitrangig; die Feinfühligkeit des Menschen bestimmt, in welche Richtung das Lot ausschlägt.

Hin und her, im gleichmäßigen Rhythmus schwingt die silbern-metallene Spirale in Peter Schlanders Hand. Der 38-jährige Weißenhorner ist Rettungsassistent. Er schwanke zwischen Schulmedizin und dem Esoterischen, sagt er. "Aber es gibt da was", das helfe, glaubt er - fernab von allen Spritzen und Pillen. Er macht Massagen mit Klangschalen und hat damit schon einigen Menschen in seinem Umfeld helfen können.

"Man muss dran glauben, dass es funktioniert", sagt Josef Eisenbarth dazu. Das sei wie beim Heilpraktiker. "Bei mir hilft es, weil ich dran glaube." Und was ist mit Skeptikern, die Rutengehen für Humbug halten? "Wer nicht dran glauben will, soll es nicht glauben", sagt Kursleiter Anton Happ und lacht.

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