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Bundestagswahl

18.09.2013

Aus dem Duo könnte ein Quartett werden

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Annette Schavan (CDU) und Hilde Mattheis (SPD) haben ihr Mandat sicher. Annette Weinreich (Grüne) hat eine große Chance, Listenkandidatin Julia Probst (Piraten) kann noch hoffen

Ulm Sie waren wochenlang auf Tour durch Städte und Dörfer, haben sich an Infoständen und auf Wochenmärkten gezeigt, besuchten Firmen und Seniorenheime, waren auf Kneipentour und diskutierten auf Podien: Neun Direktkandidaten treten bei der Bundestagswahl am 22. September im Wahlkreis Ulm an. Am Ende könnte alles so bleiben, wie es ist: Annette Schavan (CDU) und Hilde Mattheis (SPD) im Bundestag – das ist so gut wie sicher. Die Region könnte künftig aber sogar von einem Frauenquartett in Berlin vertreten sein. Denn auch die Ulmer Grünen haben diesmal eine große Chance, ein Mandat zu erringen. Und Listenkandidatin Julia Probst von den Piraten kann sich ebenfalls noch Hoffnungen machen – falls ihre Partei die Fünfprozenthürde überspringt.

Klare Favoritin ist erneut Annette Schavan (CDU), auch wenn sie angeschlagen in den Wahlkampf gezogen ist. Nach den Plagiatsvorwürfen gegen sie ist die 58-Jährige massiv unter Druck geraten und im Februar vom Amt der Bundesbildungs- und -forschungsministerin zurückgetreten. Gegen den Entzug des Doktortitels durch die Universität Düsseldorf hat sie vor dem Verwaltungsgericht geklagt. Das Verfahren ist noch nicht entschieden, deshalb darf sie den Titel nach wie vor führen – auch auf dem Stimmzettel steht „Dr. Schavan“. Bei der Nominierungsversammlung in Eggingen vor knapp einem drei Viertel Jahr ist die Merkel-Vertraute mit einem fulminanten Ergebnis von 96 Prozent der Stimmen zur Bundestagskandidatin gewählt worden. Mit diesem Rückenwind aus der Basis will Schavan nun erneut das Direktmandat erringen. „Die Bundestagswahl ist wichtig für die Zukunftsfähigkeit Deutschlands und die Stabilität in Europa“, sagt Schavan. „Entscheidungen des Deutschen Bundestages haben direkte Auswirkungen auf die Wissenschaftsstadt Ulm und den ländlichen Raum im traditionsreichen Alb-Donau-Kreis.“ Auf der Landesliste steht Schavan hinter Wolfgang Schäuble auf Platz zwei – damit ist sie sicher im Bundestag.

Gleiches gilt für Hilde Mattheis (SPD), die auf der Liste ihrer Partei den vierten Platz einnimmt. Die 58-jährige Hauptschullehrerin gehört dem linken Flügel der Sozialdemokraten an und sitzt seit elf Jahren im Bundestag. Seit 2005 ist sie außerdem Mitglied im Parteivorstand. „Mein Ziel ist es, dass nach der Bundestagswahl ein gesetzlicher Mindestlohn eingeführt wird“, sagt Mattheis. „Davon werden in Ulm und dem Alb-Donau-Kreis über 30000 Menschen profitieren. Frauen und Männer sollen über ein Entgeltgleichheitsgesetz endlich den gleichen Lohn erhalten.“ Außerdem setzt sich Mattheis für eine Bürgerversicherung und mehr Kita-Plätze ein. Bei der Wahl 2009 holte die Sozialdemokratin 22,6 Prozent der Erststimmen.

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Großer Gewinner damals war in Baden-Württemberg die FDP. Die Liberalen holten im Ländle fast so viele Zweitstimmen wie die SPD und zogen mit genau so vielen Abgeordneten – nämlich 15 – in den Bundestag ein. Der Ulmer Rechtsanwalt Frank Berger (FDP) steht diesmal auf Platz 28 der Landesliste und damit auf verlorenem Posten, selbst wenn die FDP ihr Ergebnis von vor vier Jahren noch toppen sollte. Über sein Ziel für die Wahl sagt der 37-Jährige: „Wir wollen die Regierungskoalition fortsetzen mit einer starken FDP, die unsere Bürgerrechte verteidigt, die die bedingungslose Haftung Deutschlands für Staatsschulden anderer Länder in Europa verhindert und die Menschen vor zusätzlichen Belastungen durch höhere oder neue Steuern beschützt.“

Annette Weinreich (Grüne) steht auf Platz 13 der Liste und hat damit die beste Chance ihrer Partei auf ein Ulmer Mandat seit vielen Jahren. Wären da nicht die Umfragewerte, die sich seit einiger Zeit im Sinkflug befinden. Vor vier Jahren holten die Grünen im Land 13,9 Prozent der Stimmen und zogen mit elf Abgeordneten in den Bundestag. Dieses Ergebnis müssten die Grünen also übertreffen, damit die Ulmer Stadträtin und Architektin reinkommt. Die 50-Jährige will kämpfen und sagt: „Die Energiewende, eine gerechte Steuerpolitik und eine moderne Gesellschaftspolitik gibt es nur, wenn die Grünen ein starker Partner der SPD werden.“

Die Ulmer Theaterangestellte Eva-Maria Glathe-Braun (Die Linke) nimmt ebenfalls Platz 13 auf der Landesliste ein. Derzeit sind sechs baden-württembergische Abgeordnete für die Partei im Bundestag. Die Linke müsste ihr Ergebnis von 2009 also gewaltig steigern, damit Glathe-Braun eine Chance auf ein Mandat hat. „Wir wollen eine solidarische und barrierefreie Gesellschaft, in der alle Menschen am gesellschaftlichen Leben tatsächlich teilhaben können“, sagt die 55-Jährige über ihr Ziel. „Eine sozial gerechte Gesellschaft, in der Menschen in ihrem Alltag nicht auf Tafelläden und Suppenküchen angewiesen sind. Wohnen, Energie, Mobilität, Bildung und Kultur müssen allen zugänglich sein.“

Lisa Collins ist Direktkandidatin der Piraten. Die 27-jährige Ulmerin absolviert derzeit eine Ausbildung zur Fachinformatikerin für Systemintegration. Auf der Landesliste steht sie auf Platz neun. Dadurch ergibt sich bei der Piratenpartei die Besonderheit, dass Listenkandidatin Julia Probst die besseren Chancen hat, weil sie auf Platz drei steht. Die 31-Jährige aus dem Kreis Neu-Ulm machte sich als gehörlose Bloggerin einen Namen und arbeitet derzeit als Social-Media-Managerin. Bei der Fußball-WM 2010 las sie Jogi Löw und seinen Spielern von den Lippen ab und schrieb darüber auf Twitter. Sie setzt sich vehement für Inklusion und Barrierefreiheit ein. Schaffen die Piraten eine Überraschung, ist sie mit ihrem Listenplatz so gut wie sicher im Bundestag. Derzeit sehen die Demoskopen die Partei aber lediglich bei zwei bis drei Prozent.

Der 70-jährige Kaufmann und Lehrer Horst Dürr aus Bernstadt (Alb-Donau-Kreis) ist Kandidat der Freien Wähler. Er steht auf Platz 16 der Landesliste. „Ich werde mit allem, was mir zur Verfügung steht, dafür kämpfen, dass Deutschland keine Rettungsschirme mehr unterschreibt“, sagt er. „Jedes Land muss seine Finanzen selbst regeln. Geht das nicht, ist ein Austritt dieses Landes aus der EU notwendig.“

Werner Otto Greipel aus Langenau ist der Direktkandidat der Alternative für Deutschland (AfD). Auf der Landesliste ist er nicht vertreten. „Wir müssen verhindern, dass die Schulden der Eurokrise zur Vernichtung unserer jahrzehntelang erarbeiteten Altersversorgung führen“, sagt der 64-jährige Steuerberater und Euro-Gegner. Er fordert außerdem, dass Bürger bei existenziellen Fragen über Volksabstimmungen entscheiden.

Das möchte auch Andreas Beier, der für die Wählergemeinschaft „Für bürgernahe Demokratie und Volksentscheide“ antritt. Der Polizeihauptkommissar und Sozialwissenschaftler (Jahrgang 1971) unternimmt bereits den fünften Anlauf für einen Einzug in den Bundestag. Er tritt für eine ehrliche Darstellung der Probleme der Menschen ein, will konstruktive Kritik üben und gegen Politikverdrossenheit Volksentscheide zu elementaren Fragen einführen. Vor vier Jahren erhielt er 1,2 Prozent der Erststimmen.

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