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Ulm

20.01.2019

Ausstellung: Kampf ums Brot, Kampf um die Macht

Die ordnende Hand des Staates: ein russisches Plakat.
Bild: Museum Brot u. Kunst

Das Museum Brot und Kunst zeigt im Haus der Begegnung politische Plakate aus seiner Sammlung. Sie zeigen, wie die Themen Hunger und Elend instrumentalisiert wurden.

Erst im Mai feiert das Museum Brot und Kunst – früher Museum der Brotkultur – seine Wiedereröffnung im Salzstadel. Die Zeit bis dahin überbrückt eine weitere Ausstellung im Ulmer Haus der Begegnung: Dort sind bis Ende Februar unter dem Titel „Lasst auch nicht das Salz vom Brot nehmen!“ 20 Plakate aus der mehr als 500 Exemplare umfassenden Sammlung des Hauses zu sehen. Sie entstanden in der Zeit zwischen dem Ende des Ersten Weltkrieges bis zum Nationalsozialismus und stammen aus verschiedenen Ländern. Ihnen allen gemeinsam ist die Instrumentalisierung von Brot und Getreide und von dessen Mangel zu politischen Zwecken – so unterschiedlich die Botschaften und Ausrichtungen auch sind.

Das russische Plakat, vor dem Ausstellungskurator Jan Rüttinger steht, stellt eine Besonderheit in der Sammlung dar, greift die Farblithografie doch schon 1933 zum Stilmittel des Comics: Bauer Alyosha war faul, trotzdem will er bei der Verteilung des Getreides nach der Ernte einen Anteil – und bekommt statt Getreide die Faust der Kolchose ab. Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen, so die Botschaft. Der Aufruf zur Arbeit in Zeiten von Not drückt sich auf den Plakaten oft in aggressiver Weise aus, so gegensätzlich die politische Ausrichtung der Auftraggeber auch sein mochte.

Die Hand des Staates erinnert an die Hand Gottes

Weniger Getreide gilt es für die Bevölkerung zu essen, wird dieses doch für die Ernährung der Soldaten gebraucht – das gilt für den amerikanischen Aufruf „Defeat the Kaiser and his U-boats“ genauso wie für ein russisches Plakat, auf dem die ordnende Hand des Staates verblüffend der Hand Gottes in Michelangelos „Die Erschaffung Adams“ ähnelt. Schuld am Elend ist letztlich immer ein Feind. Hunger und Not in Holland, in den zerstörten Städten Frankreichs: In der meist sehr emotional transportierten Propaganda der Plakate geht es auch darum, die Menschen von Demonstrationen und Streiks abzuhalten, sie von den Straßen weg zu Arbeit und Aufbau zu bewegen. Die Ausstellung zeigt, so Rüttinger, dass die Themen Hunger und Versorgung der Bevölkerung für ganz unterschiedliche politische Argumentationen eingesetzt wurden.

Die Ausstellung kann während der üblichen Öffnungszeiten im Haus der Begegnung besucht werden. Führungen finden am 20. Januar, 3. Februar und am 24. Februar jeweils um 15 Uhr statt. Außerdem sind Führungen für Gruppen buchbar unter 0731/69955. (köd)

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