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Weißenhorn

22.09.2017

Ausstellung im Heimatmuseum: So schön sind schiefe Töne

Eine „Alpine Fehde“, ausgetragen mit der Tuba: Diese Tuschzeichnung ist in der Ausstellung „Molto Giocoso“ zu sehen.
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Eine „Alpine Fehde“, ausgetragen mit der Tuba: Diese Tuschzeichnung ist in der Ausstellung „Molto Giocoso“ zu sehen.
Bild: Florian L. Arnold

Das Weißenhorner Heimatmuseum zeigt Zeichnungen von Florian L. Arnold über die Zu- und Unfälle des Musizierens. Klar, dass es da nicht immer still zugehen kann.

Er hat es immerhin versucht: Die Oma wollte ihn für das Klavier begeistern, ohne Erfolg. Die Blockflötenstunden – keine schöne Erinnerung. Und aus dem Saxofon brachte er auch nach Monaten keinen vernünftigen Ton heraus. Musikalisch ist Florian L. Arnold, wie er selbst sagt, zu nichts zu gebrauchen, und das in einer Familie, in der von Profi- und begeisterten Amateurmusikern nur so wimmelt. Aber er kann zeichnen. „Damit kann ich die Schande kompensieren“, sagt der 40-jährige Elchinger und lacht. Da ist es nur konsequent, dass er seine unerwiderte Liebe zur Musik künstlerisch verarbeitet, und das virtuos, ideenreich und mit viel Humor: Davon können sich Besucher nun im Weißenhorner Heimatmuseum überzeugen, wo unter dem Titel „Molto Giocoso“ nun heitere Arbeiten über Zu-, Zwischen- und Unfälle von Musikern zu bewundern sind.

Bereits im vergangenen Jahr ist ein gleichnamiger Band erschienen, in denen die Karikaturen des Zeichners auf gewitzte Verse aus der Feder seines (musikalisch sehr begabten) Vaters Siegfried C. Arnold treffen. Im Museum hängen nun die Originale, was laut dessen Leiter Matthias Kunze ein „enormer Gewinn“ ist. Er schätzt nicht nur Arnolds detailreiche, hintersinnige und oft surreal-irrwitzige Zeichnungen und Druckgrafiken, sondern auch das Thema an sich. Denn so schön Musik bei einem Konzert auch klingen mag, „der Weg dorthin ist oft mit Misstönen gepflastert“.

Was die Musiker bei „Molto Giocoso“ (übersetzt in etwa „sehr verspielt“) mitmachen, ist in der Tat fies und manchmal auch grotesk: Da entwickeln die Instrumente ein wucherndes Eigenleben und drohen ihre Bediener fast zu erwürgen. Da wird der gummiarmige Pianist von einem Neider – oder ist es sein Agent? – mit der Keule bedroht beziehungsweise „motiviert“. Da nisten sich im viel zu großen Kontrabass einer zierlichen Spielerin die Vögel ein. Und ein feister Bauer hat auf den Auspuff seines Traktors eine Tuba montiert. Arnolds Zeichnungen sind keine gezeichneten Musikerwitze, sondern liebevolle Satiren über Leid und Freude des Musizierens.

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Klar, dass so eine Ausstellung nicht still bleiben kann. Begleitend zu „Molto Giocoso“ hat das Heimatmuseum ein Begleitprogramm aufgelegt: Jeden Donnerstag um 19 Uhr wird dort musiziert, das Spektrum reicht von Guggamusik bis zu Experimentalklängen. „Wir wollen die Räume, wo meistens andächtige Stille herrscht, zum Klingen bringen“, freut sich Direktor Kunze. Und nicht nur das: Im Rahmen der Konzertreihe „ Weißenhorn Klassik“, die nächste Woche startet, bestreitet das Teatrino Quartett – Siegfried Arnold (Piano), Florian Arnold (Texte), Gabriele Fischer-Berlinger (Gesang) und Adriano Orlandi (Horn) ein humorvolles Familienkonzert unter dem Titel „Furioso“ im Fuggerschloss (Sonntag, 22. Oktober, 16 Uhr). Es könnte kaum besser passen: Auch die Klassik-Reihe beschäftigt sich in dieser Saison mit Humor. Im Weißenhorner Kulturleben darf diesen Herbst geschmunzelt werden.

Ausstellung „Molto Giocoso“ wird heute, Freitag, um 19 Uhr eröffnet. Danach läuft sie bis 5. November. Öffnungszeiten: Donnerstag bis Sonntag, 14 bis 17 Uhr. Das gleichnamige Buch (72 Seiten) ist bei Topalian & Milani erschienen und kostet im Handel 15,90 Euro.

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